Stimmungsbild aus der Supply-Chain Ist Europa abgehängt?

Angeregte Diskussion beim Rount-Table "Supply-Chain", der am 23. Mai im Rahmen des Markt&Technik-Spitzentreffens stattfand.

Große OEMs aus China und den USA dominieren die Nachfrage insbesondere nach Halbleitern und passiven Bauteilen. Bleiben Europas Kunden auf der Strecke?

Apple und Samsung Electronics sind nach Angaben der Marktforscher von Gartner die zwei größten Halbleiterabnehmer und vereinnahmen 17,9 Prozent des weltweiten Halbleitermarktes. Danach kommen Huawei, Dell, Lenovo, BBK Electronics, HP, wobei das Ranking vor dem US-Bann gegen Huawei erstellt wurde.

Was bedeutet das für Europas Kunden in punkto Bauteileversorgung? Dieser Frage ist Markt&Technik beim Round-Table „Supply-Chain“ nachgegangen, der am 23. Mai im Rahmen des Markt&Technik-Spitzentreffens stattfand.

Wer es wie die vorgenannten Konzerne geschafft hat, zu den Lead-Kunden eines Komponentenherstellers zu zählen, der hat nicht unerheblichen Einfluss auf die Technologie-Roadmap des Herstellers und damit auch auf die Supply-Chain. Darf er doch auf eine „Pole-Position“ bei der Belieferung hoffen und darauf, dass seine Anforderungen an die Schlüsselkomponenten für seine Applikationen erfüllt werden.

Automotive gibt in Europa den Ton an

Ob das auch für europäische Firmen gilt, dazu zeichnet sich unter den Diskussionsteilnehmern ein heterogenes Meinungsbild ab. Nach den Worten von Frank Wolinski, Region EMEA VP Head of Channel Sales von STMicroelectronics, spielen die europäischen Kunden für sein Unternehmen eine »sehr große Rolle, speziell für uns als europäischer Hersteller ist Europa Key-Markt.« Auf die Frage, ob auch europäische Kunden zu den Lead-Kunden von ST zählen, differenziert Wolinski folgendermaßen: »Im Automotive-Markt sitzen die Lead-Kunden, die Neuentwicklungen und Technologien treiben, immer noch in Europa. Im Consumer-Bereich muss man das hingegen klar verneinen.« Potenzial für europäische Firmen, sich an vorderster Front als Lead-Kunden zu positionieren, sieht Wolinski außerdem rund um Applikationen für die Fabrik-Automation.

Ähnlich beurteilt Dietmar Jäger die Lage. Er ist als General Manager verantwortlich für die Global Distributor Division Electronic Components Sales & Marketing Group von TDK: »Bei den passiven Bauelementen ist neben den Anwendungen aus dem Consumer-Bereich auch die europäische Automobilindustrie weiterhin ein Treiber für neue Entwicklungen. Gerade diese Branche fordert eine langjährige Verfügbarkeit der eingesetzten Produkte, was häufig zu einem starken Einfluss auf Entwicklung und Lebenszeit neuer Bauelemente führt.« Ein immer wieder zitiertes Vorurteil, wonach globale Bauelemente-Konzerne die europäischen KMUs in Zeiten knapper Warenbestände erst sekundär bedienen würden, lässt Jäger nicht gelten: »Zusammen mit unseren Distributionspartnern führen wir bei Schlüssel-Bauelementen eine längerfristige Bedarfsplanung durch. Durch dieses Zusammenspiel haben wir auch in Zeiten mit erhöhten Wiederbeschaffungszeiträumen eine gute Versorgung gewährleisten können.«

Den europäischen Markt vorantreiben will auch Yageo, bekundet Michael Turbanisch, Head of Distribution Sales Manager von Yageo. Das in Taiwan beheimatete Unternehmen erwirtschaftet derzeit etwa 80 Prozent Umsatz über die Distribution. Yageo stellt hauptsächlich Commodity-MLCCs her und hat sich während der Allokation im letzten Jahr durch langfristige Vereinbarungen mit ausgewählten Distributoren, darunter Rutronik und Future Electronics, für den europäischen Markt als attraktiver Herstellerpartner in Position gebracht. Dementsprechend hat Yageo in Europa Marktanteile gewonnen, während der Markt in China für Yageo etwa 5 Prozent geschrumpft ist. Schlüsselmarkt für den Hersteller ist trotzdem weiterhin Asien, unterstreicht Michael Turbanisch. Dennoch sehe Yageo die Strategie in einer ausbalancierten Marktaufteilung.