Vom Hype zur Realität »IoT ist ein Lernprozess«

Thomas Staudinger, EBV
»Ich hatte erwartet, dass die großen Konzerne schon deutlich weiter sind als wir. Meine persönliche Erfahrung zeigt aber: Jeder kämpft mit der Fragmentierung im Markt und den gleichen Themen und kocht sprichwörtlich formuliert “am Ende auch nur mit Wasser”. Aber die wichtigste Erkenntnis ist: Wir sind beim Thema IoT sehr gut dabei!«
Thomas Staudinger, EBV: »Ich hatte erwartet, dass die großen Konzerne schon deutlich weiter sind als wir. Meine persönliche Erfahrung zeigt aber: Jeder kämpft mit der Fragmentierung im Markt und den gleichen Themen und kocht sprichwörtlich formuliert “am Ende auch nur mit Wasser”. Aber die wichtigste Erkenntnis ist: Wir sind beim Thema IoT sehr gut dabei!«

Vor einem Jahr hob EBV seine IoT-Strategie aus der Taufe. Thomas Staudinger, Vice President Marketing von EBV Elektronik, zieht Bilanz.

Markt&Technik: Analysten und Marktforscher sind inzwischen etwas zurückhaltender mit ihren Prognosen für die künftigen Umsätze mit IoT. Haben wir beim Thema IoT den Höhepunkt bereits überschritten?

Thomas Staudinger, EBV: Ich würde sagen: Ja, wir haben den Scheitel überschritten, und es zieht mehr Realismus ein. Die Forecasts waren vielleicht etwas zu optimistisch. Aber ich sehe deswegen keinen negativen Trend auf uns zukommen. Die meisten Firmen haben noch kein komplettes Modell fertig, sondern evaluieren derzeit aus, welche Möglichkeiten sie haben und was funktionieren kann. Für etwas Ernüchterung sorgt die Tatsache, dass der Markt extrem fragmentiert ist: Wir sprechen ja nicht von zwei, drei Killerapplikationen, sondern von hunderten von Use Cases, die jeweils spezifischer Lösungen aus Hardware, Software und Service bedürfen. Es ist derzeit also eher ein Lernprozess, herauszufinden, was sich mit einem vernünftigen Aufwand realisieren lässt. Und darauf fokussieren wir uns.

Was hat sich aus Ihrer Sicht in den letzten Monaten getan?

Große Firmen, die sich sehr stark auf die Software und auf Services konzentrieren, kommen verstärkt auf uns zu, denn um Daten sammeln zu können, benötigen deren Kunden wiederum auch Hardware. Hier kommen wir ins Spiel, z.B. mit unseren Demo-Boards, wie zum Beispiel unser Maren-Board. Dessen Software haben wir auf IBM Bluemix abgestimmt.

Die Datenaufnahme ist aber noch nicht die Herausforderung. Daten zu sammeln, ist Standard, aber Sie müssen aus den Daten das herausholen, was wirklich Relevanz hat. Auf der Hardwareseite ist es für uns relativ einfach, aber wir müssen uns immer mehr in Richtung Software beschäftigen. Aber dazu später mehr.

Ferner kommen vermehrt die Operator ins Spiel wie AT&T oder Organe. Sie versuchen, feste Packages mit einer Modullösung gemeinsam mit festem Bezahlmodellen anzubieten, ein Beispiel ist das Container-Tracking. Das heißt, Sie sprechen immer mehr im Gesamtkontext und versuchen – in diesem Fall auch mit Avnet – immer mehr Gesamtlösungen zu bieten. Wir haben z.B. über Avnet in den USA mit AT&T ein solches Service-Modul entwickelt. Das ist derzeit im Roll-out. So etwas Ähnliches haben wir für Amazon realisiert, und zwar haben wir auf Basis von „Broadcom Chips“ ein Wireless-Service-Modul entwickelt. Das bieten wir als Dev Kit in Communities an. Hier werden Applikationen entwickelt, und es kann einfach an die Amazon Cloud angebunden werden.
Man muss die Hardware-Barrieren so weit herabsetzen wie möglich. Viele Kunden möchten einen Service realisieren und brauchen die entsprechende Hardware. 

Können Sie den Erfolg Ihrer IoT-Kampagne beziffern?

IoT ist für uns definitiv ein Wachstumstreiber, aber Umsätze in Zahlen zu quantifizieren, ist sehr schwer, weil hier viele Facetten reinspielen. Wir haben natürlich Indikatoren wie den Umsatz in der Connectivity, Sensorik und Security – diese Bereiche haben sich sehr erfreulich entwickelt.

Wo liegen derzeit noch die größten Herausforderungen in puncto IoT?

Technisch betrachtet, liegt noch eine große Herausforderung im Thema Security: Die Kundenanfragen sind von ein bis zwei Anfragen pro Monat vor einem Jahr auf 30 bis 40 Anfragen pro Monat gestiegen.  
Die Technik lässt sich aber insgesamt relativ gut beherrschen. Deutlich herausfordernder ist es für alle Beteiligten, die Firmen dabei zu unterstützen, ihren Business Case aus dem Thema IoT zu generieren. Die Crux liegt, wie schon angedeutet, auch darin, dass die Firmen noch mit dem Thema Digitalisierung kämpfen und nicht so genau wissen, was IoT für sie bedeutet und wie sie damit Geld verdienen können.

Gab es Überraschungen oder „Biggest Learnings?“

Ich hatte erwartet, dass die großen Konzerne schon deutlich weiter sind als wir. Meine persönliche Erfahrung zeigt aber: Jeder kämpft mit der Fragmentierung im Markt und den gleichen Themen und kocht sprichwörtlich formuliert “am Ende auch nur mit Wasser”. Aber die wichtigste Erkenntnis ist: Wir sind beim Thema IoT sehr gut dabei!

Inwieweit haben Sie Ihr Portfolio in den letzten Monaten weiter dem IoT-Bedarf angepasst?

Wir sind mit unserer Linecard sehr gut aufgestellt, haben aber festgestellt, dass es bei der Connectivity durchaus Lücken im am Markt verfügbaren Portfolio gibt – eine gute Gelegenheit für uns, um unser EBVChips-Programm ins Spiel zu bringen. Wir haben eine große Familie an IoT-Modulen entwickelt: Maia, Janus, Vulcanus, Mercury und Iris. Im Rahmen von EBVchips vermarkten wir auch die Avnet-Amazon-Web-Service-Lösung.