Die Kür der Entwicklungsunterstützung Im Trend: Referenz-Designs vom Distributor

Referenz-Kits sind die Kür der Entwicklungsunterstützung durch den Distributor.
Referenz-Kits sind die Kür der Entwicklungsunterstützung durch den Distributor.

Mit einem umfassenden Angebot an Referenz-Designs haben die Distributoren auf der embedded world gezeigt, dass sie sich in punkto Entwicklungsunterstützung nicht vor den Herstellern verstecken müssen.

Im Gegenteil: Die Referenz-Designs der Distributoren haben im Gegensatz zu reinen Hersteller-Kits sogar einen großen Vorteil. Sie entstehen nicht aus der Marketing-Intention heraus, ein bestimmtes Bauteil zu promoten, sondern aus dem unmittelbaren Bedarf der Kunden.

»Erfahrungen, Anforderungen und das Feedback der Kunden fließen deshalb unmittelbar in solche Referenz-Designs ein«, betont Werner Busch, Field Applications Engineer Microkontroller von MSC. Deshalb sind die Referenz-Kits der Distributoren oft näher am Markt als die reinen Hersteller-Boards. Allerdings entstehen viele Referenz-Designs der Distributoren zusammen mit einem Hersteller und daher ist die Auswahl der Referenz-Bauteile nicht komplett unabhängig.  Ganz ohne die Beteiligung von Herstellern entwickelt hingegen Future Electronics seine Referenz-Designs. Denn, so Ralf Lehmann, Product Marketing Engineer von Future Electronics, »wir wollen das komplette IP selbst besitzen, damit unsere Unabhängigkeit bewahren und frei entscheiden, welche Bauteile wir im Referenz-Design verbauen.« Mit Partnern sei das schlecht möglich, da gehe es dann schon wieder in Richtung Auftragsentwicklung. Schließlich stelle ein Hersteller die Boards bereit, damit sein Bauteil unter optimalen Bedingungen dargestellt wird.

Und auch einen Trend bestätigten die Distributoren auf der embedded world: Die Nachfrage nach Referenz-Designs steigt rasant. Denn angesichts immer komplexer werdenden SoCs und kürzerer Produktlebenszyklen bleibt dem Entwickler kaum noch Zeit, um sich umfassend in neue Technologien oder Architekturen einzuarbeiten. Auch wenn der Kunde das Referenz-Design in den meisten Fällen nicht Eins zu Eins übernehmen wird, so bietet ihm eine solche Design-Hilfe doch ein Grundgerüst, das er oft mit nur wenig Aufwand an die Bedürfnisse seiner Anwendung anpassen kann. Vor allem für kleinere und mittelständische Industrieunternehmen, die vorwiegend Anwendungen mit niedrigen Stückzahlen entwickeln, lohnt sich der Aufwand, ein Design von Null an selbst aufzusetzen oft nicht.


Das Angebot lässt fast keine Wünsche offen 

Das Angebot an Referenz-Designs lässt – fast - keine Wünsche offen, wie die Beispiele zeigen: MSC hat seine Referenz-Kits so angelegt, dass möglichst viele Funktionen integriert sind. Der Kunde soll sich das herausgreifen können, was er braucht. Nach diesem Prinzip bietet MSC für Architekturen wie die RX-Familie von Renesas Electronics eigene Evalution- und Referenz-Design-Kits an: So beispielsweise das VISURDK-RX62N-WQVGA-Kit, ein kostensparender Single-Chip-Ansatz, mit dem sich TFT-Displays bis zu einer Auflösung von 480 x 272 Pixel direkt ansteuern lassen.

Speziell für den Einstieg in die Ethernet basierte Feldbus Technologie ist das Humming Bird Board von EBV konzipiert, das EBV zusammen mit dem Software-Partner Softing entwickelt hat. Eigens darauf abgestimmte Kundenworkshops sollen den Einstieg in die Entwicklung auf Basis des Humming Bird Boards erleichtern.

Kurz nach dem Start der Mikrocontroller-Initiative Core´n More hat Silica das erste Referenz-Board im Rahmen der Initiative auf den Markt gebracht: Das Xynergy Evaluation Board verbindet, wie der Name schon andeutet, zwei Welten miteinander: Auf dem Board integriert ist sowohl eine 32-Bit-MCU mit Cortex M3 von ST Microelectronics und ein FPGA der Spartan-6-Familie von Xilinx. Durch diese Kombination kann das Board Hochleistungsanwendungen stemmen, die mit einem Controller alleine nicht umsetzbar wären.

Und nicht nur für Neu-Designs greifen die Kunden gerne auf eine Referenz zurück, auch bei zum Teil ungeliebten Re-Designs hilft ein Referenz-Board Zeit und Kosten einzusparen: So unterstützt das Power Star Board von Future bei der Entwicklung von energieeffizienten AC/DC-Netzteilen. Im Unterschied zu gängigen Referenz-Boards der Power-IC-Hersteller arbeitet Power-Star nicht mit getrennten Stufen für die Leistungsfaktorkorrektur, Wandlung und Gleichrichtung, sondern vereint als erstes Entwicklungsumgebung alle drei Stufen auf einem Board.

Die meisten Referenz-Designs gibt es aber als Produkt über die Distributoren zu kaufen. Future gibt seine Boards sogar kostenlos ab. Bedingung ist aber, dass der Kunde ein potenzielles Projekt vorweisen kann, für das sich das Board eignet. Über eines muss sich der Kunde allerdings im Klaren sein: Ein Referenz-Board ist noch kein fertiges Design, sondern lediglich wie der Name schon sagt, eine Art Probeaufbau, der die Funktionsweise belegen soll. UL-Zulassungen und EMV-Prüfungen sind meist nicht inkludiert.