Ausblick auf den Distributionsmarkt 2019 Holperdistolper, da wächst er!

Bisher konnte sich der Markt fast immer halbwegs erfolgreich gegen makroökonomische Einflüsse wehren. 2019 drohen einige massive Stolperfallen, die das ändern könnten. Und dennoch – der Bedarf für Komponenten wächst weiter.

Im Vergleich zu 2017 – einem Jahr mit zweistelligem Wachstum – kann sich die europäische Bauelemente-Distribution auch 2018 eigentlich nicht beschweren. Von einem sehr hohen Niveau startend, konnte sie noch einmal im mittleren bis höheren einstelligen Prozentbereich wachsen, teilweise sogar deutlich zweistellig wie bei den passiven Komponenten.

Bedenken, dass es anders kommen könnte, gab es am Jahresanfang genug – die üblichen Verdächtigen wie Handelsstreit, Brexit, EU-Schwäche, diverse politische und militärische Konflikte hatten alle das Zeug, dem gesamten Markt und damit auch der High-Tech-Industrie die Stimmung zu vermiesen. Klar, insgesamt wächst die EU nicht so stark wie China, Indien oder die USA. Doch selbst Problemkinder wie Italien oder Frankreich zeigen zumindest in der Industrieelektronik – also den Kunden der Distributoren – erstaunliche Widerstandsfähigkeit.

Im Detail: Nach DMASS Ltd., dem führenden Marktverband in der Distribution, wuchs der Halbleiter-Distributionsmarkt in Europa um über 6 % auf knapp 9 Milliarden Euro. Deutschland als der größte Markt wuchs etwas schwächer, um die 4 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Bei den passiven und elektromechanischen Komponenten, die von DMASS nicht offiziell gemeldet werden, kann man nach Zahlen der anderen Verbände davon ausgehen, dass es aufgrund von Knappheit und Preiserhöhungen 2018 zu einem rund zwanzigprozentigen Wachstum kam.

Was das in konkretem Marktvolumen bedeutet, ist derzeit schwer einzuschätzen, zumal Europartners als gesamteuropäisches Zahlenkunstwerk nicht mehr existiert. Der Halbleiterdistributionsmarkt dürfte 2018 bei etwa 10 Milliarden Euro liegen, der IP&E-Markt (Interconnect, Passive and Electromechanical) irgendwo zwischen 4 und 4,5 Milliarden Euro (DMASS repräsentiert ja nur 90 % bei Halbleitern und vielleicht 65 % bei IP&E).

Was ist von dieser Basis aus gesehen für 2019 zu erwarten? Zwei Faktorenblöcke gibt es hier zu betrachten: die makroökonomischen, also bekannten Stolpersteine, hauptsächlich eben der Brexit und seine bis dato unbekannten Auswirkungen und der Handelsstreit zwischen den USA und China. Und dann der Markt selbst. Aber der Reihe nach.

Während der Handelsstreit gerade in vollem Schwung ist und entsprechende Zollsätze auf in China gefertigte Produkte bereits erhoben werden, versucht die US-Industrie zumindest mal das administrative Chaos in Grenzen zu halten. Wie sich der Streit weiterentwickelt, wissen wir derzeit nicht. Was bei der Diskussion um Marktauswirkungen etwas auf der Strecke bleibt, ist die Sache an sich: Chinas laxer Umgang mit IP und die seit Jahren betriebenen, unfairen Handelspraktiken. Kein Land der Welt arbeitet mit China auf Augenhöhe; das Verdienst der USA ist es, das zu thematisieren (man sollte auch nicht vergessen, dass viele Vorwürfe gegenüber der EU ebenso korrekt sind). Für den Elektronikmarkt in Europa sind deshalb bis dato keine Notfallpläne notwendig, von kleineren Störungen im Materialfluss abgesehen.

Auch der Brexit ist eine große Unbekannte. Niemand weiß, was wirklich passiert, sollte eine No-Deal-Situation entstehen. Es kann aber durchaus sein, dass die Auswirkungen nicht annähernd so heftig sein werden, wie es derzeit an die Wand gemalt wird. Was den Elektronikmarkt betrifft, so ist UK ohnehin kein großer Produzent mehr wie in den 1980er-Jahren. Das meiste an Elektronikproduktion ist entweder nach China oder nach Osteuropa abgewandert. Viel interessanter ist der Innovationsaspekt: Wenn die Innovation oder der IP, der aus UK kommt, gut ist, wird er seinen Weg auf den Markt finden.

In puncto Supply-Chain geht es darum, für Lieferungen nach UK künftig das richtige Export-Szenario anzuwenden (wie Norwegen oder die Schweiz) oder für Lieferungen aus dem UK den Aufwand dadurch zu reduzieren, dass entweder nichts mehr aus UK geliefert wird, wenn nicht notwendig, oder an einen zentralen EU-Hub umzulagern, bevor es in einzelne Länder weitergeht. Überall hier sind Profis am Werk, die alle Szenarien durchgehen, um die möglichen Liefer-, Steuer- und sonstige Probleme mit möglichst geringen Auswirkungen für die Kunden zu minimieren.