Risikomanagement und -absicherung Gegen alle Risiken in der Lieferkette gewappnet?

Dr. Anja Mayer, Wilhelm Partnerschaft von Rechtsanwälten: »Gegen eine Reihe von Risiken und Störungen der Lieferkette können sich Unternehmen unter Berücksichtigung ihrer Zulieferer-/Abnehmerstruktur versichern.«
Dr. Anja Mayer, Wilhelm Partnerschaft von Rechtsanwälten: »Gegen eine Reihe von Risiken und Störungen der Lieferkette können sich Unternehmen unter Berücksichtigung ihrer Zulieferer-/Abnehmerstruktur versichern.«

Ein besonderes Augenmerk legt der Markt & Technik Supply Chain Summit in diesem Jahr mit zwei Vorträgen auf das Thema Risikomanagement. Die Frage ist einmal die Versicherbarkeit der Risiken und zum anderen wie ein sich durch den richtigen Umgang mit potenziellen Risiken diese von vorne herein umschiffen lassen.

Die Komplexität der Lieferketten wächst und damit steigt auch die Zahl der Risiken, denen Lieferketten ausgesetzt sind. Störungen in der Lieferkette können vielfältige Ursachen haben: z. B. Naturkatastrophen, Insolvenz von Zulieferern, Betriebsunterbrechungen, verspätete Zulieferungen, Produktmängel, Vertragsverletzungen von Lieferanten oder Abnehmern. Zum Supply Chain Management gehört es also nicht nur, Schäden zu vermeiden, sondern auch Schäden zu minimieren. Mit Hilfe von Versicherungen lassen sich Risiken zumindest reduzieren und Deckungslücken in den Lieferbeziehungen schließen. Entscheidend sind laut Dr. Anja Mayer, Rechtsanwältin der Kanzlei Wilhelm Partnerschaft von Rechtsanwälten unter anderem eine risikobewusste Vertragsgestaltung und die darauf abgestimmte Versicherung von Risiken: »Gegen eine Reihe von Risiken und Störungen der Lieferkette können sich Unternehmen unter Berücksichtigung ihrer Zulieferer-/Abnehmerstruktur versichern«, so Mayer, »aber die Versicherbarkeit von Supply Chain Risiken stößt an Grenzen. Nuklearschäden wie im Fall Fukushima sind grundsätzlich nicht versichert, Schäden infolge von Naturkatastrophen nur begrenzt.«

Hinzu kommt, dass dass sich Risiken in der Lieferkette ja nicht auf die nationale Ebene eingrenzen lassen: »Rechtlich sind Fälle von Leistungsstörungen in der Lieferkette häufig geprägt von grenzüberschreitenden Sachverhalten. Ein umfassendes Risikomanagement berücksichtigt diverse internationale Haftungsrisiken und die Durchsetzung von Ansprüchen bereits in der Gestaltung von Verträgen«, stellt Mayer klar. Aber in jedem Fall empfiehlt Mayer: »Keinen komplexen Vertrag unterschreiben, den man nicht 100-prozentig versteht!«


Sind Lieferengpässe z.B. durch Erdbeben in Japan wirklich nicht vorhersehbar? Unter anderem um diese Frage drehte sich der Vortrag von Dr. Detlef Ross von Business Excellence. »Ein Problem ist jedenfalls nicht mehr ganz so schlimm, wenn man ausreichend darauf vorbereitet ist. Ein wesentliches Instrument dafür ist aber ein systematisches Risikomanagement«, so Roß. Und dessen Bedeutung unterschätzen die Unternehmen nach Ansicht von Roß häufig, obwohl das Risikomanagement eine direkte Auswirkung auf die finanzielle Lage des Unternehmens hat. Vielmehr betreibe jeder für sich irgendwie Risikovorsorge.

»Dabei entsteht aber kein Nutzen für die gesamte Organisation erklärt Roß. Aber Risikomanagement ist Chefsache und muss auch als solche behandelt werden. Es gibt allerdings keinen Standard, den die Firmen als Leitfaden für das Risikomanagement heranziehen könnten. Seit kurzem bietet die Norm ISO 31000 hierzu aber zumindest Rahmenvorgaben für eine Risiko-Strategie und einen Risikoprozess und die konkrete Umsetzung im Unternehmen. Zertifizierbar ist diese Norm allerdings noch nicht.