Distributor trotzt der Krise Future will in Europa weiter investieren

Trotz des krisengeschüttelten Marktes will die kanadische Future Electronics in Europa weiter kräftig investieren. Die Gelder sollen in den Lighting-Bereich fließen, außerdem will Future weitere Mitarbeiter einstellen.

Die Inbetriebnahme des neuen europäischen Zentrallagers in Leipzig läuft bereits und wird laut Martin Bielesch, VP Deputy Managing Director EMEA, Future Electronics, noch vor Ablauf des ersten Halbjahres abgeschlossen sein. Und auch im Online-Sektor steckt der kanadische Distributor seine Claims ab: Kunden in Deutschland, Frankreich und England profitieren von dem neuen Service, der auch Muster- und Kleinmengen bereitstellt.

Markt&Technik: Die Distribution berichtet unisono von einem hervorragenden vierten Quartal. Haben wir die Rezession hinter uns gelassen?

Martin Bielesch: Da muss ich Sie enttäuschen. Zwar sieht das erste Quartal 2010 sehr gut aus, aber schon die Prognosen für das zweite Quartal gestalten sich schwierig. Ich bin eher skeptisch, ob sich 2010 auf dem Niveau des ersten Quartals weiter entwickeln wird.

Worauf sind die starken Zuwächse im ersten Quartal zurückzuführen?

Sie sind im Wesentlichen eine logische Folge der Weltwirtschaftskrise, die wir 2009 durchlitten haben. Während dieser Monate begannen die Kunden verständlicherweise »von der Hand in den Mund zu leben«: Die produzierenden Unternehmen saßen auf vollen Lagern, was zur Folge hatte, dass der Bestellerhorizont auf ein Zeitfenster von 2 bis 3 Wochen schrumpfte. Dieses Verhalten ist verständlich, denn die Kunden wussten, dass sie die Ware bei Anruf binnen kurzer Zeit bekommen – eventuell sogar noch zu einem günstigeren Preis. Gleichzeitig hatten die Hersteller aufgrund massiver Umsatzeinbrüche ihre Kapazitäten nach unten gefahren und Personal abgebaut.

Diesen Prozess umzudrehen, nimmt mindestens drei bis vier Monate in Anspruch. Angekurbelt wurde das Wachstum im dritten Quartal 2009 durch eine erhöhte Nachfrage in Asien beziehungsweise China. Dort hatten sich schlagartig die Auftragsbücher der Hersteller gefüllt – ein Prozess der natürlich Auswirkungen auf den Rest der Welt ausübt – denn die Kapazitäten waren ja deutlich verringert. Dass die Lieferzeiten einiger Produkte von vier Wochen auf 16 Wochen hochgeschnellt sind, kam für viele Kunden allerdings überraschend.

Es stand also nicht unbedingt eine Erhöhung der Nachfrage bei den Kunden hinter den starken Quartalen, sondern schlichtweg eine Anpassung der Lieferzeiten und das Bestellverhaltens?

Ja, diese Entwicklung hat der Distribution im dritten und vierten Quartal 2009 und im ersten Quartal 2010 einen hervorragenden Auftragseingang beschert. Da nicht alles sofort geliefert werden konnte, kann man davon ausgehen – sofern der Auftragseingang im Februar und März stark bleibt – dass auch das zweite Quartal noch recht ordentlich wird.

Wie sieht denn die Situation bei Ihren Kunden aus?

Für mich ist Kurzarbeit ein Barometer, dass die Stimmung in unseren wichtigsten Abnehmerbranchen widerspiegelt. Im vierten Quartal haben viele unserer Kunden noch kurzgearbeitet. Im ersten Quartal läuft diese Maßnahme in etlichen Firmen aus. BMW beispielsweise ist seit Anfang Februar offiziell deutschlandweit nicht mehr in Kurzarbeit. Die Nachfrage steigt also wieder auf ein normales Niveau. Wenn alles gut läuft und sich die Situation stabilisiert, könnte es natürlich sein, dass es auf einem beständigen Niveau weiter nach oben geht.

Wie stark haben sich die klassischen Schlüsselmärkte der Distribution erholt – die Bereiche Industrie, Automatisierung etc.?

Auch hier sehen wir, dass viele Unternehmen die Kurzarbeit beendet haben oder kurz davor stehen dies zu tun. Deutlich zugelegt hat auch die Nachfrage bei den Bestückern.