WEEE 2.0 ist von der EU abgesegnet EU sagt Elektroschrott den Kampf an

Seit 19. Januar ist es amtlich: Der EU-Rat hat als letzte Instanz der Neuauflage der Richtlinie zu Elektro- und Elektronik-Altgeräte (WEEE) von 2003 zugestimmt. Damit soll in der EU künftig mehr recycelt werden, um wertvolle Rohstoffe zurück zu gewinnen.

Bis 2016 müssen die meisten Mitgliedstaaten nach der neuen WEEE nun 45 Tonnen Elektro-Schrott pro 100 Tonnen verkaufter Elektro- und Elektronikwaren einsammeln, die drei Jahre vorher zum Verkauf standen. Bis 2019 müssen es dann 65% sein. Zehn Ländern, die ihre Einrichtungen noch modernisieren müssen, wurde ein Zwischenziel von 40% gesetzt. Spätestens 2021 müssen sie das Gesamtziel erreichen. Um allen Beteiligten bei der Umsetzung zu helfen, hat das Parlament durchgesetzt, dass Verbraucher künftig kleinere Geräte wie Handys in alle größeren Elektrowarengeschäfte zurückgeben können, ohne ein neues Produkt kaufen zu müssen. 

Kritiker aus der Elektronikindustrie bemängeln allerdings, dass der Scope der WEEE 2.0 nicht klar definiert sei. So sind beispielsweise Geräte, die im Rahmen von Research & Development eingesetzt werden, von der neuen WEEE ausgenommen, wenn das Gerät auch wirklich nur »B-to-B« verwendet wird. Taucht ein solches Elektrogerät aber im B-to-C-Sektor auf, dann fällt es unter WEEE 2.0. Danach müssten beispielsweise auch Katalogdistributoren theoretisch die von ihnen verkauften Elektrogeräte zurücknehmen, wenn sie an einen privaten Kunden gehen, was im Einzelfall wohl schwer nachzuvollziehen wäre, ob der Entwickler für den privaten Gebrauch kauft oder für berufliche Zwecke. Details, wie das gehandhabt werden soll, sind hier allerdings bislang noch nicht bekannt.

Nichtsdestotrotz – allein aus der Perspektive der Rohstoffressourcen ist eine solche Regelung absolut notwendig: Laut einer Studie des Umweltbundesamtes wurden allein aus Deutschland mit ausgedienten Elektrogeräten pro Jahr 1,6 Tonnen Silber, 300 Kilo Gold und 120 Kilo Palladium ausgeführt. Der Gesamtwert dieser Edelmetalle liegt nach den derzeitigen Preisen bei mehr als 15 Millionen Euro.

Weniger Schrott-Exporte 

Die Abgeordneten haben zudem schärfere Kontrollen illegaler e-Schrott-Ladungen durchgesetzt, um zu verhindern, dass Elektroschrott in Drittländern unter gefährlichen Bedingungen für Arbeiter und Umwelt weiterverarbeitet wird. Die Beweispflicht liegt fortan nicht bei den Zollbeamten, sondern bei den Exporteuren, die künftig nachweisen müssen, dass sie die Waren tatsächlich zur Reparatur oder zur Wiederverwendung  versendet haben. Die Hersteller von Elektronik-Waren werden weiterhin einen finanziellen Beitrag leisten, um die Zielsetzungen zur Weiterverarbeitung zu erreichen, heißt es in der Erklärung des Europäischen Parlaments. Und es gibt auch eine erfreuliche Nachricht für die Unternehmen: Mit der WEEE 2.0 vereinfachen sich auch die Markenregistrierungspflichten. Das heißt, es reicht künftig eine Herstellerregistrierung über ganz Europa.