Spezialdistribution für die Funktechnik »Es gibt kein Funk-Design, bei dem keine Fragen auftauchen«

Zwar sind mit Funk ausgestattete Produkte inzwischen »Standard«, die Anforderungen bei der Produktauswahl und dem Design-In aber alles andere als trivial: Es gibt bei der Funktechnik kein Second Sourcing, das Design ist langwierig und dauert etwa 24 Monate vom Start über die Zulassungen bis hin zum Serienanlauf. »Irrtümer kommen also teuer oder kosten gar den Wettbewerbsvorsprung« erklärt Carsten Pfaff, Leiter Vertrieb und Marketing beim Spezialdistributor Hy-Line Communication.

Hy-Line Communication, eines von fünf Unternehmen der Hy-Line-Gruppe, hat sich mit einer dedizierten Linecard ausschließlich auf den Vertrieb von Funkmodulen spezialisiert. Dieser ausschließliche Fokus ist in der Distributionslandschaft nahezu einzigartig. Zwar gehört die Funktechnik mittlerweile auch zum Angebot vieler Broadliner, aber nach Ansicht von Pfaff ist ein so erklärungsbedürftiges Feld wie die Kommunikationstechnik beim Spezialisten besser aufgehoben.

Hy-Line berät und unterstützt nicht nur bei der Auswahl der Produkte bzw. Module und dem Übertragungsprotokoll, sondern führt im hauseigenen Labor auch Tests und Messungen durch. »Natürlich können und wollen wir uns nicht mit einem akkreditierten Labor vergleichen, jedoch sind wir in der Lage, unseren Kunden schon frühzeitig eventuelle Unzulänglichkeiten in ihrem Design aufzuzeigen«, erklärt Pfaff.

Anders als beim klassischen Applikationsdesign ist die Auswahl der »richtigen« Funk-Lösung laut Pfaff noch immer eine Herausforderung für den Kunden: »Es gibt kein Funk-Design, bei dem keine Fragen auftauchen.« Demnach ist die Geschäftsphilosophie von Hy-Line Communication so erfolgreich wie einfach: »Wir müssen durch technische Expertise überzeugen, denn nur dann gewinnen wir auch das Projekt«, beschreibt Pfaff das Prinzip. Anders als bei Commodities werde die Entscheidung nicht im Einkauf und nicht oder zumindest nicht ausschließlich über den Preis gewonnen, sondern der Weg zum Projekt führe allein über die Entwicklungsabteilung des Kunden, betont der Manager.

Beim Funkdesign wird jeder Irrtum teuer

Zwar wählen immer mehr Kunden selbst ein Funkmodul aus, aber wenn es um die Software und HF-Technik geht, dann bleiben oft noch viele Fragezeichen. Ein Funk-Design ist laut Pfaff in vielerlei Hinsicht anspruchsvoller als ein Design ohne Funktechnik: »Es gibt im Bereich der Funkmodule nie die Möglichkeit des Second Sourcings, also Hersteller A durch B zu ersetzen, wie das bei den meisten Bauelementen möglich ist.«

Bemerkt man auf halber Wegstrecke oder gar erst vor der Zulassungsphase, dass das Design-In in die Sackgasse geführt hat, dann kommt das teuer zu stehen, denn die Arbeit beginnt noch einmal ganz von vorne. »Ein Funk-Design dauert vom Start ’0’ bis zum Serienanlauf etwa 24 Monate«, so die Erfahrung von Pfaff. Dass ein zu spät bemerkter »Irrtum« im Design-In teuer wird, liegt also auf der Hand.

Auch das Wissen über die unterschiedlichen Funk-Technologien und die Übertragungsprotokolle ist beim Kunden oft nicht sehr ausgeprägt. »Hier setzen wir mit unserer Beratung an: Es geht, einfach gesagt, darum, Hardware, Software und die HF-Technik aufeinander abzustimmen und unter einen Hut zu bringen«, erklärt Pfaff. Zuerst einmal sei zu klären, welche Daten der Kunde auf welche Entfernung übertragen möchte. Eine grundsätzliche Frage ist außerdem, ob ein Standard- oder ein proprietäres Protokoll zu Einsatz kommen soll: Immer mehr Kunden springen auf Standards auf, beispielsweise weil unterschiedliche Geräte miteinander kommunizieren sollen. Auch das weltweit frei nutzbare 2,4-GHz-Band tut sein übriges dazu: »Das 2,4-GHz-Band ist durch das Alleinstellungsmerkmal „weltweit lizenzfrei nutzbar“ inzwischen sehr begehrt, vor allem Bluetooth und WLAN sind dort zu finden. Daher gewinnen auch die guten alten 868-MHz- oder 433-MHz-Bänder wieder an Bedeutung - zumindest in Europa«, erklärt Pfaff. Allerdings ist ein Standard-System nicht per se geschlossen, weshalb Pfaff bei sicherheitskritischen Anwendungen eher zu einer proprietären Lösung rät.

»Dann natürlich ist zu überlegen, ob ein Chip oder Modul die passende Wahl für die Applikation ist«, so Pfaff. »Zwar gibt es keine pauschale Antwort, aber man muss sich klar darüber sein, das ein Chip-Design viel Know-how voraussetzt. Ein Modul dagegen integriert schon viele Komponenten, was den Aufwand beim Hardware- und HF-Design wesentlich reduziert.« Auch die für die jeweilige Funk-Technik benötigte Software kann in den Modulen laufen und über eine definierte API simple per UART, USB, SPI oder i2C angesteuert werden. So reduziert sich nicht nur die Design-Zeit, sondern es werden auch die Zertifizierungen und Zulassungen wesentlich vereinfacht und beschleunigt und somit auch kostengünstiger.

Sind solche Informationen nicht auch einfach über Foren und Entwickler-Communities zu finden? In der nötigen Tiefe sei das wohl kaum der Fall, so Pfaff. Auf eine spezielle Architektur zurückgeführt, gebe es so gut wie keine Informationen im Netz, auf deren Basis sich ein Funkkonzept realisieren lassen würde. Die persönliche Beratung ersetzen solche Quellen jedenfalls nicht.