Nicht alles, was online steht, ist sinnvoll Ersetzt das Internet künftig den FAE?

Das Internet liefert bequem eine Fülle an Informationen, die aber meist nicht objektiv sind.
Das Internet liefert bequem und schnell eine Fülle an Informationen, die aber meist nicht objektiv sind.

Pfiffiger Ideenlieferant auf der einen Seite, trügerische Informationssicherheit auf der anderen: Das Internet bzw. dessen Inhalte polarisieren und werden dabei in Zukunft noch mehr Einfluss auf die Distribution und ihre Kunden nehmen. Mit welchen Folgen?

Viele Entwickler verlassen sich blind auf die Informationsquelle Internet und lassen sich auch bei der Auswahl der Bauteile davon leiten. Die Folgen sind – zumindest im Worst Case – fatal: Sie verwenden für ihr Design Komponenten, ohne beispielsweise den Produktlebenszyklus des Bauteiles und das Abkündigungsverhalten des Herstellers zu hinterfragen. »Dadurch generiert das Internet eine Menge Probleme, weil man meint alles zu wissen. Es herrscht hier oft der Irrglaube, das Internet biete objektive Informationen. Das führt dazu, dass viele Kunden nicht vollumfänglich informiert sind, aber glauben, gut informiert zu sein«, erklärt Lutz van Remmen, Sales Manager Geography & Distribution von Freescale. Laut Remmen sind es vor allem junge Ingenieure, die ihre Produktauswahl gerne geleitet von den Informationen aus Online-Quellen treffen. Diese Entscheidung ist dann häufig nicht die optimale für ihre Firma. Ein solches Procedere sei nicht nur gang und gäbe bei kleinen Firmen, sondern auch in Entwicklungsabeteilungen großer OEMs. Auf der anderen Seite lassen sich aber über das Internet – vor allem über Online-Communities, Kunden adressieren, die ansonsten für die Distribution kaum erreichbar wären, beispielsweise der typische Entwickler im Labor. Teilweise werden in solchen Communities auch ganz pfiffige Ideen diskutiert, die Anstöße für neue Designs und Produkte geben können.

Noch sind die Online-Communities allerdings eine Domäne der Katalogdistribution, wenn auch einige Volumendistribution inzwischen nachgezogen haben. Beispielsweise hat Silica vor knapp zwei Jahren eine »Online Designer’s Community« ins Leben gerufen.
Ist dieser freier Know-how-Transfer über die Communities nicht bedenklich? »Das muss letztlich jedes Unternehmen mit seinen Entwicklern in Form von Non-Disclosure-Agreements abklären«, meinen die Diskussionsteilnehmer. Inwieweit sich das Verhalten eines Entwicklungsingenieurs im Internet allerdings steuern lässt, ist fraglich. Denn jeder Ingenieur ist schließlich nach Feierabend auch ein »Privatmann« und wird in seiner Freizeit sein Internetverhalten nicht ändern. »Was ein Entwickler privat in Communities postet, dürfte kaum beeinflussbar sein«, meint Andreas Mangler, Director Strategic Marketing von Rutronik, der die Communities krtisch sieht: »Wir haben es ganz klar mit einer Meinungsmache im Internet zu tun, außerdem werden hier private und Firmenerkenntnisse gemischt.«