Einstiegshürden leichter meistern Entwicklungshilfen vom Distributor: Referenz-Designs, Demo-Boards & Co

Bild 3: Mit dem VISURDK-RX63N-WQVGA-Kit von MSC lassen sich schnell und kostengünstig Touch-TFT-Bedieneinheiten realisieren, ohne sich dafür extra in die Tiefen eines Grafikcontrollers einzuarbeiten zu müssen.
Mit dem VISURDK-RX63N-WQVGA-Kit von MSC lassen sich schnell und kostengünstig Touch-TFT-Bedieneinheiten realisieren, ohne sich dafür extra in die Tiefen eines Grafikcontrollers einzuarbeiten zu müssen.

Die Nachfrage nach Entwicklungshilfen vom Distributor steigt rasant: Ob einfache USB-Starterkits, Referenz-Designs oder Evaluierungsboards: Willkommen ist alles, was die Einstiegshürden in ein neues Projekt für den Entwickler so niedrig wie möglich hält.

Angesichts immer komplexerer Produkte und enormen Zeit- und Kostendrucks bleibt dem Entwickler kaum Zeit, sich umfassend in neue Technologien oder Architekturen einzuarbeiten. Also wieder auf die bewährte alte Technologie bzw. Architektur zurückgreifen? Oder einfach ein Referenz-Design vom Hersteller verwenden? Das ist eine - oft allerdings recht einseitige - Möglichkeit, um schnell zu einem Entwicklungsergebnis zu kommen. Ein Stück mehr Objektivität bieten da schon die Design-Hilfen der technisch versierten Distributoren.

Die Referenz-Designs der Distributoren haben im Gegensatz zu reinen Hersteller-Kits einen großen Vorteil: Sie entstehen nicht aus der Marketing-Intention heraus, ein bestimmtes Bauteil in bestem Licht darzustellen, sondern aus dem unmittelbaren Bedarf der Kunden und sind »der größte gemeinsame Nenner aus zig verschiedenen Kundenanforderungen«, wie die Distributoren bestätigen. Im Gespräch mit den Kunden erfährt der Distributor ganz konkret und aus erster Hand, welche Schwierigkeiten die Entwickler haben. Erfahrungen, Anforderungen und das Feedback der Kunden fließen also unmittelbar in unsere Referenz-Designs ein, wie Werner Busch, Field Applications Engineer Mikrocontroller von MSC, erklärt: »Deshalb sind die Referenz-Kits der Distributoren oft näher am Markt als die reinen Hersteller-Boards.«Auch geht es nicht immer darum, praktisch alle möglichen Anwendungsfälle mit einem möglichst komplexen Referenz-Board abzudecken: Denn, so Peter Dörwald, Field Application Engineer von Glyn: »Ein Entwickler muss ein einfaches Konzept vorliegen haben, das er schnell umsetzen kann.«

Allerdings entstehen viele Referenz-Designs der Distributoren zusammen mit einem Hersteller, und daher ist die Auswahl der Referenz-Bauteile nicht komplett unabhängig. Ganz ohne die Beteiligung von Herstellern entwickelt hingegen Future Electronics seine Referenz-Designs. Denn, so Ralf Lehmann, Product Marketing Engineer von Future Electronics, »wir wollen das komplette IP selbst besitzen, damit unsere Unabhängigkeit bewahren und frei entscheiden, welche Bauteile wir im Referenz-Design verbauen.« Mit Partnern sei das schlecht möglich, da gehe es dann schon wieder in Richtung Auftragsentwicklung. Schließlich stelle ein Hersteller die Boards bereit, damit sein Bauteil unter optimalen Bedingungen dargestellt wird.

Ob vom Hersteller oder vom Distributor: Wichtig ist, dass die Bauteile auf dem Referenz-Board auch wirklich für die Kunden in Europa erhältlich sind. Denn das beste Referenz-Design bringt nichts, wenn ein Teil der Komponenten auf dem Board nur in Asien oder gar nicht verfügbar ist. Auch wenn der Kunde das Referenz-Design in den meisten Fällen nicht Eins zu Eins übernehmen wird, so bietet ihm eine solche Design-Hilfe doch ein Grundgerüst, das er oft mit nur wenig Aufwand an die Bedürfnisse seiner Anwendung anpassen kann. Vor allem für kleinere und mittelständische Industrieunternehmen, die vorwiegend Anwendungen mit niedrigen Stückzahlen entwickeln, lohnt sich der Aufwand oft nicht, ein Design von Null an selbst aufzusetzen: Um sich durch einen Dschungel an Datenblättern zu kämpfen, die erforderlichen Peripheriebausteine zu recherchieren und dann noch eine adäquate Stromversorgung zu konzipieren, dafür fehlt häufig die Zeit. Die Anfragen nach Referenz-Designs kommen deshalb aus so gut wie allen Bereichen: von der Messtechnik über die Medizinelektronik bis hin zu elektronischen Anwendungen für die Photovoltaik.