Fünf neue EBVChips EBV investiert Millionen in sein EBVChips Programm

Hermes entstand in Kooperation mit On Semiconductor und ist praktisch ein Upgrade eines altbewährten ICs, der schon seit 20 Jahren auf dem Markt ist. Das in Zusammenarbeit mit ST Microelectronics entstandene vTARIC-Modul kombiniert ASIC und MCU in einem Gehäuse.
Hermes entstand in Kooperation mit On Semiconductor und ist praktisch ein Upgrade eines altbewährten ICs, der schon seit 20 Jahren auf dem Markt ist. Das in Zusammenarbeit mit ST Microelectronics entstandene vTARIC-Modul kombiniert ASIC und MCU in einem Gehäuse.

Mit den EBVChips hat EBV das angestammte Terrain eines Distributors verlassen und entwickelt zusammen mit Herstellern und Kunden ICs und Module für unterschiedliche Einsatzgebiete. In den letzten beiden Jahren hat der Distributor kräftig in die Weiterentwicklung des Programms investiert. Die Früchte der Arbeit stellte EBV jüngst auf der electronica vor.

Die fünf EBVChips-Neulinge entstanden in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Halbleiterherstellern: Avago, Freescale, On Semiconductor, ST Microelectronics und Vishay. Die ICs und Module mit den illustren Namen Driver, Hermes, Hunter, SolexDrive und vTARIC decken ganz unterschiedliche Einsatzbereiche ab: Driver ist für die Motorsteuerung konzipiert, der M-Bus Slave-Transceiver für die M-Bus-Kommunikation von intelligenten Zählern. Hunter ist ein optisch isolierter Sigma/Delta-Modulator mit LVDS-Schnittstelle zur galvanisch isolierten Strommessungen mit Hilfe von FPGAs und SolexDrive eine mehrkanalige programmierbare Treiberstufe für Kfz-Einspritzsysteme und Industriemagnete. vTARIC schließlich dient als Lichtmaschinenregler für Fahrzeuge.

Vor gut zwei Jahren hat EBV die Geburtsstunde des EBVChips-Programms mit seinem Erstling, dem IGBT-Modul Genesis eingeläutet. Seither hat der Distributor viel Zeit und Geld in die Evaluierung und Bedarfsanalyse und die Entwicklung neuer Bausteine gesteckt, wie Antonio Fernandez betont, Director Technical Marketing bei EBV Elektronik und verantwortlich für das EBVchips-Programm. »Wir investieren Millionen in unser Programm und gehen damit für unsere Kunden in Vorleistung«, so Fernandez. »Damit haben wir sicher ein Alleinstellungsmerkmal, denn ich wüsste nicht, dass es so etwas in der Distribution schon mal gegeben hat. Mit den EBVChips hat sich unsere Position geändert. Wir sind nicht mehr ’nur’ Mittler zwischen Hesteller und Kunde.«

Einzigartig ist das Programm in der Tat. Zwar gibt es hin und wieder Distributoren, die bei der Definition einzelner Produkte oder Produktgruppen eng mit einem Hersteller zusammenarbeiten, aber eine vergleichbare Initiative hat bislang kein Distributor ins Leben gerufen. Das wundert Fernandez auch nicht, denn im Gegensatz zu vielen anderen Neuerungen, die gerne mal vom Mitbewerb kopiert werden, ist das bei den EBVChips schon alleine aufgrund der hohen Kosten nicht so einfach möglich. Denn die Design-Prozesse für die ICs und Module dauern bekanntlich einige Jahre, und bevor das Produkt nicht am Markt ist, gibt es folglich auch keinen Return-of-Investment. Da brauche ein Distributor schon eine sehr solide Finanzbasis und einen langen Atem, um so ein Projekt langfristig aufzusetzen«, gibt Fernandez zu bedenken.

Der Erfolg gibt EBV jedenfalls recht: Das Interesse an den EBVChips ist laut Fernandez auf beiden Seiten, Kunde und Hersteller, sehr rege.

Was motiviert einen Hersteller dazu, sich am EBVChips-Programm zu beteiligen? »Wenn ein Hersteller in einem Bereich wachsen möchte, dann bietet ihm EBVChips eine sehr gute Möglichkeit dazu, weil die Anforderungen vom Kunden kommen und dadurch auch wirklich genau den Nerv der Kunden treffen«, so Fernandez. EBV sammelt die Ideen der Kunden aus dem Feld und bündelt identische Anfragen. »Auf diese Art haben wir Produktanforderungen entdeckt, die völlig neue Designs ermöglichen«, so der EBVChips-Experte. Die Anfragen kommen im Wesentlichen entweder über den Außendienst oder online über das neue EBV Design Solution Center. »Wir prüfen jede Anfrage, unabhängig davon, ob sie von einem Einzelkunden kommt oder von einem großen OEM. Für etwa 80 Prozent der Anfragen bedarf es gar keiner Neuentwicklung, weil es schon eine bestehende Lösung gibt, die der Kunde nur noch nicht kennt.« In diesen Fällen bekommt der Kunde eine Empfehlung für den passenden Baustein. Insofern sind die EBVChips nicht nur als solche eine interessante Option, um Neukundengeschäft zu generieren, sondern kurbeln auch das klassische Design-in-Geschäft des Distributors zusätzlich an.

Aus den restlichen 20 Prozent der Anfragen kommt also das Potenzial für echte Neuentwicklungen. Ob ein Chip oder Modul entwickelt wird, hängt vom Marktpotenzial ab und davon, ob ein so genannter Lead-Kunde bereit ist, die Entwicklung gemeinsam zu treiben. Die Vereinbarungen und Vertriebskonditionen werden für jeden Baustein individuell mit dem Lead-Kunden und dem Hersteller geschlossen. Ein EBVChips-Design muss auch nicht immer von Grund auf neu sein, in Frage kommen auch Upgrades oder Weiterentwicklungen bestehender Chips und Module, wie im Fall von Hermes.

Wonach wählt EBV die Herstellerpartner für die EBVChips aus? In erster Linie natürlich nach technischen Gesichtspunkten, aber auch die Energieeffizienz und die Umweltfreundlichkeit eines Herstellers spielen laut Fernandez eine sehr große Rolle. »Es gibt viele ähnliche Produkte auf dem Markt, der Kunde wählt immer das, was am umweltfreundlichsten ist. Gerade in Europa achten die Kunden sehr auf die Umweltthematik.« Auch in der Firmenphilosophie des Distributors ist der grüne Gedanke fest verankert. Vor gut vier Jahren hat EBV die Initiative »Ecomise it« aus der Taufe gehoben, mit der sich EBV zu umweltbewusstem Handeln verpflichtet. Das Unternehmen wurde erst vor wenigen Monaten von der Stadt München für seine gute Klimabilanz ausgezeichnet.

Gewinnt EBV durch das EBVChips-Programm, abgesehen von den Neukreationen im Rahmen von EBVChips, auch mehr Einfluss auf die ganz normale Produktroadmaps der Hersteller? »Ja, wir arbeiten mit unseren Herstellern an deren Roadmaps. Inwieweit wir die Produktdefinition im Einzelnen beeinflussen können, kommt auf den Hersteller und das Produkt an und hängt auch immer vom Zeitpunkt ab. Wenn wir mit unseren gebündelten Anforderungen auf den Hersteller zukommen, wenn der gerade sein Portfolio überarbeitet oder gerade an einem neuen Produkt entwickelt, können wir sicher in einigen Fällen den Input unserer Kunden mit einbringen. In jedem Fall stärkt das Programm unsere Reputation bei den Herstellern«, ist Fernandez überzeugt. Für einige Hersteller ist EBV in Europa der absatzstärkste Distributor und damit auch der beste Kunde. Das, so Fernandez, räume EBV natürlich auch eine gewisse Priorität ein. »Die Hersteller schätzen unser Feedback, weil wir die Ohren nah am Markt haben.«