Nach einer Achterbahnfahrt mit Rekordumsätzen und Rekordlieferzeiten Distribution: 2011 verspricht ruhigeres Fahrwasser

Die Distribution zählt zu DEN Gewinnern des vergangenen Jahres. Ein Ende des Höhenfluges ist auch in diesem Jahr nicht in Sicht, wenngleich das Wachstum wohl deutlich moderater ausfallen dürfte als 2010. Die Auftragsbücher sind jedenfalls weiterhin gut gefüllt. Doch kein Licht ohne Schatten: Auch die Lieferzeiten waren 2010 rekordverdächtig, und zumindest in einigen Bereichen werden die Kunden auch weiterhin mit Engpässen rechnen müssen.

»Vorsichtiger Optimismus« lautete das Motto für den europäischen Distributionsmarkt noch Anfang 2010. Doch schnell wurde klar, dass 2010 für die Distribution kein »normales« Jahr werden würde: Die Rekordmeldungen bei Auftragseingängen und Umsatzzuwächsen überschlugen sich förmlich. 55 Prozent konnte allein die europäische Halbleiterdistribution laut DMASS zulegen.Aber auch die anderen Produktbereiche zogen kräftig an. Doch kein Licht ohne Schatten: Auch die Lieferzeiten waren 2010 rekordverdächtig, und zumindest in einigen Bereichen werden die Kunden auch weiterhin mit Engpässen rechnen müssen.

Was kommt 2011 auf die Branche zu? Markt&Technik hat einige Distributoren zu ihrer Einschätzung befragt.

Thomas Klein, CEO Distribution, MSC-Gleichmann: »Unser Ziel ist ein Umsatzplus jenseits der 10-Prozent-Marke«

»2010 war wohl das verrückteste Jahr, das diese Branche je erlebt hat. Hätten uns die Lieferengpässe der Hersteller nicht immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht, läge das Umsatzwachstum der MSC-Gleichmann-Gruppe für vergangenes Jahr bei über 45 Prozent«, erklärt Thomas Klein, CEO Distribution bei MSCGleichmann. Aber auch mit einem Umsatzplus von ’nur’ rund 36 Prozent gegenüber 2009 lief das Geschäftsjahr 2010 für die MSC-Gleichmann-Gruppe hervorragend. »Dass wir uns so schnell wieder an die Ergebnisse des bisherigen Rekordjahres 2008 heranarbeiten würden, hätte Anfang 2010 bei allem Optimismus definitiv keiner von meinen Kollegen zu prognostizieren gewagt, ich übrigens auch nicht«, so Klein.

In enger Zusammenarbeit mit den Kunden sei es gelungen, die Lieferengpässe so gut wie möglich abzufedern: »Vor allem die Tatsache, dass wir durch den engagierten Einsatz unserer Mitarbeiter in knapp 100 Fällen einen drohenden Bandstillstand abwenden konnten, macht uns schon ein wenig stolz. Ich denke, dass durch die Beschaffungskrise das Vertrauen vieler Kunden in unsere Beschaffungs- und Logistikkompetenz weiter gestiegen ist«, schildert Klein.

Die Liefersituation ist noch extrem angespannt

Dass sich die Liefersituation schnell entspannen wird, glaubt Klein nicht: »Fakt ist, dass Anfang 2010 zu Beginn des Booms die Lager sowohl bei den Komponentenherstellern als auch unseren Kunden leergefegt waren. Ob sich das inzwischen nachhaltig geändert hat, wage ich zu bezweifeln«, gibt Klein zu bedenken. Nach wie vor ginge es in den meisten Fällen erst einmal vor allem darum, den akuten Bedarf zu stillen. So lange aber keine größeren Sicherheitslager aufgebaut werden können, sieht Klein noch keine Rückkehr zur Normalität. Die Lieferzeiten bei Mikrocontrollern, programmierbarer Logik, TFT-Displays und Akkus bezeichnet der Manager als »noch extrem angespannt«. Dass es überhaupt zu so einer Verknappung wie 2010 kommen konnte, ist nach Ansicht von Klein sehr ungewöhnlich: »Dazu sind die von Verbänden, Herstellern und Distributoren installierten Frühwarn- und Kontrollinstrumentarien inzwischen eigentlich viel zu perfekt und vernetzt.« Auch seien diesmal keine Doppelt- und Dreifach-Orders Schuld an den Engpässen. »Wir reden dieses Mal von einer echten Verknappung, die dadurch entstanden ist, dass Hersteller wie auch Kunden angesichts der Heftigkeit der Krise in Panik ihre Lager praktisch auf Null gefahren haben und parallel dazu bei den Komponentenherstellern auch noch die Produktionskapazitäten gedrosselt wurden.« Als eine der größten Herausforderungen bezeichnet Klein in diesem Punkt die Rückkehr zu einer gewissen Normalität, »denn ständig auf der Suche nach einem vielleicht doch noch zufällig irgendwo verfügbaren Mikrcontroller oder Display zu sein, ist für Kunden wie Distributoren gleichermaßen zeit- und kräftezehrend. Vor allem fehle dadurch allen Beteiligten die Zeit, um neue zukunftsweisende Projekte auf den Weg bringen zu können.

Tun die Hersteller genug, um die Distributoren in der Lieferfähigkeit zu unterstützen? – »Das hängt sehr stark vom einzelnen Hersteller und natürlich auch von der Intensität der jeweiligen Partnerschaft zwischen Hersteller und Distributor ab. Wer nur 20 Prozent seines Umsatzes über Distribution generiert, hat hier mitunter eine andere Geschäftsphilosophie als ein Unternehmen, dessen Distributionsanteil bei 35 oder 40 Prozent liegt«, so Klein. In Zeiten der Verknappung werden laut Klein im Zweifelsfall erst einmal die OEMs beliefert: »Hier wäre in dem einen oder anderen Fall mehr Unterstützung wünschenswert.«

Uns was bringt 2011? Für den deutschen Bauelemente-Markt geht Klein von einem Wachstum zwischen 5 und 7 Prozent aus: »Weil wir allerdings in den letzten Monaten unsere Aktivitäten in den Bereichen Visualisierung – Stichwort Touch Displays –, Lighting und Embedded Systems nochmals deutlich erweitert haben, wollen wir bei MSC-Gleichmann natürlich auch stärker als der Markt wachsen. Unser Ziel ist ein Umsatzplus jenseits der 10-Prozent-Marke, und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir dieses Ziel auch erreichen werden.«