Fünf Jahre Sourceability »Die Sourcengine ist ein Early Indicator!«

Der Nutzer kann seine BOM auf Knopfdruck hochladen und mit einem Klick komplette BOMs quoten, verwalten und managen. Das Tool wird in Kürze den Nutzern zur Verfügung gestellt.

Am 15. Juli feierte Sourceability fünfjähriges Bestehen und krönt das Jubiläum mit einem Rekordumsatz von 45 Millionen Euro in Q1/2020, gefolgt vom erfolgreichsten Monat der Firmengeschichte. CEO und Gründer Jens Gamperl im Gespräch.

Markt&Technik: Fünf Jahre Sourceability – worauf sind Sie am meisten stolz?

Jens Gamperl: Wir haben es in fünf Jahren geschafft, unter die Top 25 der globalen Distributoren vorzurücken. In Zahlen ausgedrückt: Wir haben im ersten Quartal dieses Jahres 45 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Folgemonat April war der erfolgreichste seit unserer Gründung vor fünf Jahren. Und auch der Mai lag über Plan. Ein wesentlicher Baustein und Enabler dafür ist unsere eCommerce-Plattform Sourcengine. Ihre Vorzüge kann sie nicht nur durch das Echtzeit-Quoting ausspielen, sondern, wie wir immer mehr feststellen, ist sie auch ein Early Indicator, wo sich Bedarfe schnell erhöhen und was global stark gefragt ist. Durch die vollumfängliche Digitalisierung können wir zudem Transaktionen und Kunden generieren, die wir anders nie erreicht hätten. Das ist für uns natürlich auch eine Bestätigung unserer Digitalisierungsstrategie: Die Signale, die wir täglich bekommen, helfen uns dabei, unser Geschäft entsprechend anzupassen und auszubauen.

Sie haben Ihren eCommerce-Marktplatz Sourcengine vor knapp zwei Jahren vorgestellt – was hat sich seither Grundlegendes getan bzw. verändert?

Wir hatten die Sourcengine ursprünglich als reines B2B-Portal geplant, das nur über ein direktes Login zugänglich ist. Wir haben aber schnell festgestellt, dass das nicht der ideale Architekturansatz für diese Art von Plattform war, sondern dass wir aus Marketingsicht auch über Suchmaschinen zugänglich sein müssen. Und das hat sich ausgezahlt: Wir generieren über die Suchmaschinen vielversprechende neue Kundenschichten.

Wie viele Kunden greifen durchschnittlich auf die Sourcengine zu?

Im Login-Bereich messen wir wöchentlich derzeit etwa 1500 Kunden. Die reinen Besucherzahlen sind von über 5000 bis 28.000 – je nach Tag – angewachsen. Damit liegen wir im Vergleich mit anderen Online-Distributoren zwar nur im Mittelfeld, aber wir schaffen es, mehr und mehr B2B-Kunden zu adressieren und zu motivieren.

Und das B2C-Klientel?

B2C ist klar nicht unsere Zielgruppe. Natürlich werden wir über Google auch von privaten Nutzern gefunden. Aber wenn jemand sich auf der Seite registrieren will, dann muss er sein Gewerbe über eine Steuer-ID nachweisen.

Was hat sich in puncto Reichweite bei der Sourcengine getan?

Unser jüngster Zuwachs ist die Sourcengine.cn, also unsere chinesische Sourcengine. Damit sind wir seit Februar online. Das war natürlich ein sehr herausfordernder Zeitpunkt, der mitten in die Corona-Lockdown-Phase in China fiel; zudem müssen wir uns auf chinesische Tools wie die Suchmaschine Baidu verlassen, um dort neue Kunden zu generieren. Aber die Seite hat bereits eine eigene Dynamik entwickelt und die User-Zahlen in China sind für uns sehr motivierend. Wir erreichen in China über unsere Plattform Menschen, die wir im klassischen Sales so nicht erreicht hätten. Wir stellen außerdem fest, dass viele Dinge angefragt werden, die typischerweise nicht unbedingt auf der Liste der Distributoren stehen.

Das heißt, die Vermarktung läuft rein digital?

Wir wollten die Plattform eigentlich auf der electronica Shanghai vorstellen, aber aufgrund der aktuellen Situation läuft die Vermarktung momentan rein digital. Das läuft alles autark aus China heraus. Aber ganz von alleine funktioniert das natürlich nicht. Man benötigt natürlich Expertenwissen. Wir haben dazu einen Spezialisten von einer chinesischen Plattform für uns gewinnen können.

Wie hoch ist der Anteil an Ihrem Geschäft, den die Sourcengine inzwischen erwirtschaftet?

2020 lagen wir übers Jahr gesehen bei etwa 10 Prozent. In diesem Jahr liegen wir bereits nach einem halben Jahr bei 25 Prozent. Dazu trägt sicher auch die Digitalisierung im Einkauf bei: Wir haben mehr und mehr Kunden direkt in unser System über API eingebunden. Das heißt, diese Kunden bekommen die Daten von der Sourcengine direkt in ihre Systeme eingespeist. Wir haben beispielsweise in den USA immer mehr Kunden, die voll automatisiert aus deren ERP-System die Orders platzieren. Es ist anzunehmen, dass in etwa drei Jahren B2B nur noch ein Datenaustausch zwischen den Akteuren stattfindet und der Besuch von Webseiten irgendwann vom Volumen her nicht mehr diese Priorität hat. Die Webseite war lange Zeit der Platz, wo Transaktionen stattgefunden haben; das wird sich meiner Meinung nach ändern und ein Großteil der Transaktionen findet dann in den ERP-Systemen statt. Die Location der Transaktion wird sich verändern, das sehen wir heute bereits in hoher Geschwindigkeit.

Wie sieht das in Europa aus – sind die Kunden hier zurückhaltender in puncto Digitalisierung?

Die Digitalisierung findet auch hier statt, nur die Geschwindigkeit ist unterschiedlich. Europäer sind da in der Tat etwas vorsichtiger. Der elektronische Datenaustausch ist ein IT-Thema, das beispielsweise in Deutschland zurückhaltender angegangen wird als in den USA. Wir haben aber auch in Deutschland bereits Pilotkunden, und da klappt das sehr gut. Insgesamt müssen die Deutschen wohl noch mehr die Vorteile der Digitalisierung im Einkauf erkennen. Aber langfristig betrachtet sehen wir schon einen Trend, dass die Kunden die Transaktion direkt aus ihrem ERP-System heraus abwickeln wollen. Schließlich ist das ERP für die meisten Firmen der Dreh- und Angelpunkt. Ich gehe davon aus, dass der Wille zur Digitalisierung in den nächsten zwei, drei Jahren auch in Europa zunehmen wird.