Distributionsbranche schwächelt, aber: »Die Innovationskraft ist nicht gestoppt«

Andreas Falke, FBDi

„Trotz aller Prognosen sollten wir nicht nur schwarz sehen. 
Auch wenn die Wirtschaft gebremst wird, ist die Innovationskraft nicht gestoppt, sondern wird im Gegenteil mit anderen Schwerpunkten wieder Fahrt aufnehmen.“
Andreas Falke, FBDi: „Trotz aller Prognosen sollten wir nicht nur schwarz sehen. Auch wenn die Wirtschaft gebremst wird, ist die Innovationskraft nicht gestoppt, sondern wird im Gegenteil mit anderen Schwerpunkten wieder Fahrt aufnehmen.“

Der Umsatz der im Fachverband Bauelemente-Distribution organisierten Distributionsunternehmen ging im zweiten Quartal um 2 Prozent auf 879 Millionen Euro zurück. Was bedeutet das für die Branche? Dazu Andreas Falke, Geschäftsführer des FBDi.

Markt&Technik: Die schwächer werdende Auftragslage in der deutschen Bauelemente-Distribution schlägt sich in Q2 erstmals nach zwei Jahren in einem Umsatzrückgang nieder. Gibt es sozusagen Verlustschwerpunkte nach Produktgruppen?

Andreas Falke: Bei den großen Produktsegmenten blieben sowohl Halbleiter als auch passive Bauelemente auf Vorjahresniveau – also 623 Millionen Euro bzw. 112 Millionen Euro. Die Elektromechanik sank um 12 Prozent auf 91 Millionen Euro, die Stromversorgungen um 7 Prozent auf 26 Millionen Euro. Die kleineren Produktgruppen (Displays, Baugruppen und Geräte) schrumpften ebenfalls, nur die Sensoren wuchsen um 22 Prozent. An der Marktverteilung änderte sich kaum etwas: Halbleiter 70 Prozent, Passive 13 Prozent, Elektromechanik 11 Prozent, der Rest kam zusammen auf 6 Prozent.

Worin liegt Ihres Erachtens der starke Rückgang gerade bei der Elektromechanik begründet, während die Halbleiter und Passiven konstant blieben?

Während die Nachfrage nach Halbleitern durch die Trends Konnektivität, Elektrifizierung und künstliche Intelligenz angetrieben wird, hat sich bei elektromechanischen Komponenten schon zum Jahresende 2018 eine Abschwächung gezeigt. Hier macht sich vor allem ein drastischer Strukturwandel in diversen Industrien bemerkbar. So bestätigt das Trendmagazin Quest der Industrieproduktion einen Trendrückgang seit Anfang 2018 auf minus 1 Prozent p.a. In meinen Augen wirkt sich hier durchaus auch die Zunahme an Wire­less Applications und induktiven Netzteilen aus – On-Board-Connectors nehmen dadurch nicht ab, wohl aber die teureren Off-Board-Connectors in Bezug auf die Zahl der Endprodukte.

Wie ordnen Sie die Zahlen insgesamt ein: Rückkehr zur Normalität nach einem überhitzten Markt oder Grund zur Sorge?

Realistisch betrachtet sind die Aussichten für die kurzfristige Entwicklung des Markets sehr durchwachsen. Langfristig werden nach unserer Einschätzung nur nachhaltige Technologie und Innovation zu einer gesamtgesellschaftlichen Lösung beitragen können. Einerseits bedeutet das eine große Herausforderung, andererseits steckt darin auch ein Riesenpotenzial für die Elektronikindustrie. In Zukunft wird es für den Wettbewerb Vorteile geben, der Energieeffizienz mit Nachhaltigkeit verbindet und sich so aus dem Hamsterrad löst. Ich wage zu prognostizieren, dass „billig“ ausgedient hat bzw. in Zukunft ganz anders berechnet werden wird.

Welche Rolle spielen die makroökonomischen Rahmenbedingungen – also China, USA, Brexit-Unsicherheit usw.?

Die makroökonomischen Einflüsse bringen leider nur größere Unsicherheit. Angefangen bei der Verunsicherung im Markt durch den schwelenden Handelskonflikt zwischen den USA und China, einen schwächelnden Automobilmarkt wegen anhaltender WLTP- (World­wide Harmonized Light Duty Test Procedure, die Redaktion) und Diesel-Problematik in Deutschland bis hin zum schwachen chinesischen Automobilmarkt und der Industrieproduktion in China, die auch sinkende Wachstumsraten verzeichnet. Ich kann als Unternehmer nicht die Rahmenbedingungen ändern, aber der kluge Unternehmer orientiert sein Handeln daran und zieht die Regenjacke an. Diese etwas flapsige Formulierung kann einen tiefgreifenden Wandel für das Unternehmen bedeuten. Oft werden schwierige und komplexe Change-Prozesse notwendig sein, um das Unternehmen auf die neuen Herausforderungen des sich rasant ändernden Marktes auszurichten.

Und was empfiehlt der FBDi angesichts dessen seinen Mitgliedern und der Branche?

Trotz aller Prognosen sollten wir nicht nur schwarz sehen. Auch wenn die Wirtschaft gebremst wird, ist die Innovationskraft nicht gestoppt, sondern wird im Gegenteil mit anderen Schwerpunkten wieder Fahrt aufnehmen. Allen Stolpersteinen zum Trotz wird die Dringlichkeit für Digitalisierung, Smart Infrastructure und die Energiewende in den nächsten Jahren steigen, dafür braucht es die entsprechende Hardware und damit Komponenten. Beispielsweise liegt die gesellschaftliche Lösung zum Klimawandel in intelligenteren und effizienteren Technologien und Systemen, die einen dauerhaft höheren Elektronikbedarf erwarten lassen. Deshalb sollten die Aussichten für die High-Tech-Dienstleister gut bleiben.