Macnica in Europa Die 50-Millionen-Euro-Marke im Blick

Jürgen Pöschl, Macnica 
»Es bleibt auf jeden Fall spannend. Ich denke, wenn man die großen Konsolidierungen der Halbleiter-Hersteller aktuell und auch in der jüngsten Vergangenheit betrachtet, werden die Auswirkungen auch weiterhin sehr starken Druck auf die Distribution ausüben.«
Jürgen Pöschl, Macnica: »Es bleibt auf jeden Fall spannend. Ich denke, wenn man die großen Konsolidierungen der Halbleiter-Hersteller aktuell und auch in der jüngsten Vergangenheit betrachtet, werden die Auswirkungen auch weiterhin sehr starken Druck auf die Distribution ausüben.«

Im Jahr 2008 in Europa gestartet, hat der japanische Distributor Macnica mit 42 Millionen Euro Umsatz für Zentraleuropa inzwischen ein beachtliches Volumen erreicht. Und Europa-Chef Jürgen Pöschl greift nach mehr. Das Europa-Geschäft soll organisch und durch Zukäufe weiter wachsen.

Markt&Technik: Zur Einordnung: Welche Umsatzgröße hat Macnica derzeit insgesamt?

Im Geschäftsjahr 2015, das wir im März 2016 abgeschlossen haben, hat Macnica weltweit 4 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Weltweit behaupten wir im Halbleiterdistributionsmarkt die Position 5.

Wie weit ist der europäische Geschäftsausbau inzwischen gediehen?

Unser europäischer Hauptsitz befindet sich seit der Gründung in Ingolstadt mit Zweigniederlassungen in München, Frankfurt, Dortmund und Stuttgart sowie Warschau in Polen. Macnica Europe hat außerdem im letzten Jahr eine Niederlassung in Cambridge in Großbritannien gegründet. Und schließlich erfolgte vor kurzem unsere Beteiligung am französischen Distributor ATD. In Europa beschäftigen wir – ohne ATD – derzeit 34 Mitarbeiter, davon 14 FSE/FAEs.

Was genau steht hinter dieser Investition?

Wir haben mit ATD eine Vereinbarung geschlossen, nach der Macnica einen Anteil von 49 Prozent an ATD übernehmen wird.

Warum fiel die Wahl auf ATD?

ATD ist Value-Added-Distributor mit Spezialisierung auf Bildverarbeitungsanwendungen, einem unserer Schwerpunkte, und bietet seinen Kunden darüber hinaus anspruchsvolle technische Unterstützung wie etwa Design-In-Dienstleistungen. Qualitäts-Bildsensoren werden zunehmend ein wesentlicher Bestandteil in elektronischen Systemen, nicht nur in konventionellen Anwendungen der Überwachungs- und Sicherheitselektronik, der Medizintechnik oder der Machine-Vision, sondern auch für autonom fahrende Automobile. Die neue Allianz mit ATD wird den Service für südeuropäische Kunden vor allem durch die Möglichkeit zur täglichen Kommunikation in den Landessprachen erheblich verbessern, und wir können dadurch auch unser Potenzial in Südeuropa deutlich ausbauen.

Inwieweit wird ATD dazu in die Abläufe von Macnica integriert?

ATD wird seinen Geschäftsbetrieb weiterhin unabhängig führen, aber eng mit Macnica zusammenarbeiten, um die Synergien dieser Zusammenarbeit zur raschen Verbesserung des Kundenservice zu realisieren, indem es Macnicas globales Netzwerk nutzt und einige der Macnica-Produktlinien in sein Portfolio aufnimmt, die am besten zu den Bildverarbeitungslösungen passen.

Wird – nach dem Vorbild der Scantec-Übernahme 2012, die ja auch erst teilweise erfolgte – auch ATD mittelfristig komplett übernommen? 

Wir planen derzeit, die ATD-Gruppe in den nächsten zwei bis drei Jahren komplett in die Macnice Europa zu integrieren. 

Wird es weitere Zukäufe bzw. Übernahmen geben?

Ja, das schließen wir nicht aus – global und in Europa gehören Übernahmen zu unserer Strategie.

Und Ihr Umsatzziel in Europa für 2016 lautet …?

Nach 42 Millionen im Geschäftsjahr 2015 haben wir ca. 50 Millionen für das aktuelle Fiskaljahr anvisiert – ATD ist dabei noch nicht berücksichtigt. 

Inwieweit gehen Sie mit den Kunden global in die Belieferung?

Wir bieten natürlich die weltweite Logistik. Wenn wir nicht die Möglichkeit hätten, weltweit zu agieren und weltweite Logistik zu offerieren, hätten wir nicht derart wachsen können.

Gibt es demnach auch ein Lager in Europa?

Wir arbeiten mit einem Logistics Service Provider im Großraum München, nahe dem Flughafen, zusammen, der mit unserem weltweiten System verbunden ist. Hier haben wir Bestände aufgebaut und können von diesem Standort aus alle gängigen Logistik-Modelle fahren. Über ein tägliches Reporting werden wir über die Bestände informiert.