"Eigentlich kein Grund zum Jammern" Deutsche Bauelemente-Distribution auf dem Niveau von 2010

Georg Steinbergert, FBDi: „Nach sechs Monaten bewegen wir uns auf dem Niveau von 2010, was das Rekordjahr der Distribution vor dem absoluten Ausnahmejahr 2011 war. Also eigentlich kein Grund zu jammern.

Das hohe Niveau des Rekordjahres 2011 erweist sich für die deutsche Bauelemente-Distribution im Jahr 2012 als ungeeigneter Maßstab. Wie schon im ersten Quartal gingen auch in Q2 die Umsätze und Auftragseingänge, um 15,4% bzw. 14% zurück. Die Book-to-Bill-Rate lag bei 0,97 und verharrte damit weiter knapp unter der magischen Marke von 1, die eine klare Trendwende bedeuten würde.

Damit liegt das erste Halbjahr deutlich hinter den Erwartungen zurück. Mit 1,46 Milliarden Euro standen rund 14% weniger Umsatz in den Büchern, die Aufträge sanken um 17% auf 1,37 Milliarden Euro. Der Rückgang liegt durchaus im europäischen Durchschnitt, wobei die Halbleiter deutlich stärker schrumpften als die Passiven oder Elektromechanischen Komponenten. Im Detail gingen die Halbleiterumsätze der im FBDi gemeldeten Distributoren um 21% zurück auf 923 Millionen Euro, die Passiven um 10% auf 205 Millionen Euro und die Elektromechanik ebenfalls um 10% auf 149 Millionen Euro. Die Stromversorgungen dagegen landeten bei 0% und 28 Millionen Euro (im zweiten Quartal sogar +4%).
 
Die Verteilung der Gewichte änderte sich damit minimal: der Halbleiteranteil am FBDi-Total lag im ersten Halbjahr bei 69%, die Passiven bei 14%, Elektromechanik bei 10%, Displays bei 3% und Stromversorgungen bei 2%. Die Schwankungsbreite bewegt sich im üblichen konjunkturellen Rahmen.
 
FBDi-Vorstandsvorsitzender Georg Steinberger (Avnet): „Nach sechs Monaten bewegen wir uns auf dem Niveau von 2010, was das Rekordjahr der Distribution vor dem absoluten Ausnahmejahr 2011 war. Also eigentlich kein Grund zu jammern. Jedoch sind diese 14% nicht leicht aufzuholen. Um mit 2011 gleichzuziehen, müsste das zweite Halbjahr um 17% wachsen, bei der derzeitigen Auftragslage unwahrscheinlich. Sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, wird sich das Minus im zweiten Halbjahr reduzieren, so dass die Distribution mit einem blauen Auge, sprich einstelligem Minus enden wird. 2012 ist ein Jahr zum Durchatmen und Hoffnung schöpfen.“
 
Was die Stimmungslage betrifft, so hat diese sich wieder aufgehellt: Im quartalsweise veröffentlichen FBDi-Geschäftsklimaindex wird (nach Schulnotensystem) die laufende Situation als gut bis zufriedenstellend bewertet. Das laufende Quartal erhielt eine 2,91, das Winterquartal eine 2,68 und die langfristige Entwicklung mit 2,49 fast ein „gut“. 
 
Georg Steinberger: “Optimismus ist in diesen Zeiten wichtig, und deutsche Distributoren sind per Definition Optimisten. Kein Wunder, schließlich betreuen wir hoch innovative Kunden/Unternehmen mit besten Chancen auf dem Weltmarkt, bei sinkendem Euro-Kurs sogar noch mehr. Die Potentiale für den Einsatz von intelligenten Elektroniklösungen wachsen, keine Smart-City der nahen Zukunft funktioniert ohne sie, ohne unsere Kunden und letztlich ohne unseren technischen und logistischen Dienstleistungen.“