EBV hat mit seiner EBVchips-Initiative ins Schwarze getroffen Der Run auf die EBVchips ist riesig

Klaus Schlund, EBV: »Unser Ziel besteht darin, mit EBVchips neue Technologien und neue Märkte zu schaffen. Dazu liefern wir den Herstellern die Marktinformationen, die wir aus den Informationen von Tausenden unserer Kunden herausdestillieren.«
Klaus Schlund, EBV: »Wir gehen meist in mehreren Phasen vor: Wenn wir eine Initialidee aus dem Feld bekommen haben und diese für gut und tragfähig befunden wurde, dann streuen wir sie über unseren Außendienst bei Kunden in den vertikalen Märkten und holen das Feedback sowie Feature-Wünsche der Kunden ein.«

Vor knapp zwei Jahren hat EBV mit seinen EBVchips eine bis dahin noch nicht da gewesene Initiative ins Leben gerufen: Der Distributor »sammelt« Ideen aus dem Feld und kreiert daraus zusammen mit Kunden neue hoch integrierte Module und Halbleiter. Das Programm erweist sich als Volltreffer, wie Klaus Schlund, »Director EBVchips« von EBV, erklärt. Mittlerweile stehen die Kunden und Hersteller buchstäblich Schlange.

Markt&Technik: Nach den Erstlingen »Wizard« und »Genesis« werden Anfang 2012 die nächsten EBVchips auf den Markt kommen, und viele weitere Projekte sind noch in der Pipeline. Wie hat sich das Konzept der EBVchips inzwischen eingespielt?

Klaus Schlund: Wunderbar und viel besser und schneller als erwartet.  Nach den Erstlingen sind derzeit 20 Projekte konkret in Diskussion mit Herstellern und Kunden. Bei sechs Produkten stehen wir schon unmittelbar vor der Entwicklung. Bereits als Muster verfügbar ist zum Beispiel ein Strom messender Drucksensor, den wir zusammen mit unserem Hersteller Sensata entwickelt haben. Kurz vor der Markteinführung steht V-taric, ein Laderegler-IC für Bleibatterien in Autos, der mit STMicroelectronics umgesetzt wurde; ebenso Polaris, ein 24-Bit-Multi-turn-Absolut-Encoder, der in Zusammenarbeit mit Avago entstand. Ein weiteres EBVchips-Highlight, das wir demnächst auf den Markt bringen, ist unser HEIM-Board. Dabei handelt es sich um ein Modul für industrielle Schnittstellen. Die Basis dafür bildet OMAP4 von Texas Instruments. Das Besondere an HEIM ist, dass wir für dieses Produkt auch gleich ein Referenz-Design mit anbieten.

Um an dieser Stelle alle Missverständnis aus dem Weg zu räumen: EBVchips unterstützen die Kunden bei der Entwicklung, sind aber keine Referenzdesigns. Worin bestehen die Unterschiede zum Referenzdesign?

Ein Referenzdesign ist eine Anleitung bzw. Hilfe für den Kunden. Die EBVchips sind fertige Produkte. Der Anwender braucht nichts mehr anzupassen. Das schließt aber nicht aus, dass wir zusätzlich Referenzdesigns für unsere EBVchips auf den Markt bringen.

Woher kommen die Ideen für all die EBVchips?

Etwa 70 bis 80 Prozent der Vorschläge für EBVchips kommen mittlerweile direkt aus dem Feld von unseren Kunden.

Wie viele Produktanfragen haben Sie inzwischen gesammelt?

Anfragen haben wir Hunderte, aber wir müssen diese ja erst einmal einordnen: die Spezifikationen vergleichen und die Features bewerten. Natürlich wird nicht aus jeder Idee ein Produkt.

Erhalten Sie die Anfragen nur aus EMEA oder auch weltweit?

Die Anfragen kommen hauptsächlich aus unserer Region. Aber Interesse für unsere Produkte besteht weltweit. Vtaric zum Beispiel stößt auf große Nachfrage aus Asien und Noramerika.

Sind da auch ganz neue Ideen dabei, oder sind das eher Modifikationen von bereits verfügbaren Produkten? 
 
Beides. Es sind Modifikationen von bestehenden Produkten mit dem Zweck, neue Features zu integrieren oder Kostenreduktionen durch »downsizing« zu erzielen. Aber auch ganz neue Applikationen, die sich aus neuen Technologieanforderungen ergeben.

Wer sind die Kunden, die hinter all den Ideen für EBVchips stecken: große OEMs oder auch kleinere Firmen?

Das geht ganz querbeet: von sehr groß bis ganz klein. Genauso wie wir zum Beispiel mit den großen Automobilherstellern sprechen, pflegen wir auch unsere intensiven Kontakte zum Mittelstand oder Ein-Mann-Engineering-Büros, die mit Vorschlägen auf uns zu kommen.

Also kann auch eine Ein-Mann-Firma hoffen, dass ihre Idee nicht sang- und klanglos verhallt?

Aber sicher! Das ist ja das Einzigartige an den EBVchips. Beim Hersteller direkt hätten die kleinen Firmen gar keine Chance, sich mit ihren innovativen Ideen Gehör zu verschaffen. Bei uns können Sie den Anstoß für ein ganz neues Produkt liefern. Viele Engineeringbüros arbeiten außerdem für große OEMs und sind nicht zuletzt deshalb für uns eine sehr wichtige Zielgruppe. Bei uns sind alle Kunde und Ideen willkommen und wichtig.

Sind die Ideengeber im Wesentlichen Neu- oder Bestandskunden?

Normalerweise sind es keine Neukunden, sondern meist Kunden, die schon mit uns gearbeitet haben und bislang ihre Schaltung diskret aufgebaut haben. Der Trend geht bekanntlich in Richtung höhere Integration auf dem Silizium und mehr Features. Deshalb kommen die Kunden meist mit dem Anliegen auf uns zu, mehr Features in einem Chip zusammenzufassen. Das bringt Vorteile in punkto Kosten und bedeutet weniger Platzbedarf. Darüber hinaus bringt das automatisch auch bei der Qualität Pluspunkte, weil Sie durch die Integration nur noch ein Bauteil haben. Wo der Vorschlag für einen EBVchip aber letztendlich herkommt, ist uns egal. Auch Neukunden sind herzlich eingeladen, ihre Ideen mit uns zu teilen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den Herstellern entwickelt?

Die Hersteller kommen aktiv auf uns zu und wollen mit uns zusammenarbeiten. Das ist natürlich eine klasse Bestätigung des EBVchips Konzepts.