Ausblick Komponentenmarkt Der Aufschwung beginnt am 17. Mai

2019 traf den europäischen Komponentenmarkt ein kleiner Dämpfer. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der grundsätzliche Bedarf an High-Tech weiter zunimmt, vielleicht anders als wir uns das heute vorstellen. Aber: Der nächste Aufschwung steht bereits vor der Tür.

Kennen Sie das? Da wollen Sie über Fakten und Zahlen sinnieren, lesen dazu ein wenig die Zeitung, und schon geht die Post ab und das Weltbild gerät ins Wanken. Aus dem Chaos heraus starren Ihnen die Metastrukturen unserer derzeitigen Homo-Sapiens-Welt entgegen und Sie fragen sich, was das für Sie, Ihren Job und Ihre Industrie bedeuten könnte.

Werfen wir erst mal mit ein paar Zahlen um uns: Mit einem vermutlich hellblauen Auge verabschiedete sich der europäische Komponentenmarkt in die Feiertage. Ein projiziertes Minus von ca. 7 % für 2019 spricht – nach einem überhitzten 2017 und einem mehr als soliden 2018 – mehr für eine Markt-, Preis- und Lagerkorrektur als für einen Abschwung. Besser jedenfalls als die –13 % für den globalen Markt. (Quelle: WSTS)

Für die Distribution lässt sich sagen: Mit etwa –5 % im Jahr 2019 stehen die Händler eher besser da als der Gesamtmarkt, obwohl einem Teil der Kunden die Zwangsabwanderung in die Direktbetreuung durch manche Hersteller verordnet wurde. Nach fast 15 % Plus 2017 und weiteren 8,5 % Plus 2018 sind die –5 % sicher keine Krise. Es war wohl eher so, dass viele Kunden bis Ende 2018 mehr und längerfristig bestellt hatten und dass die Lagerbestände nach Abschwingen der Engpässe sukzessive zurückgeführt werden. (Quelle: DMASS, FBDi et al.)

Hinzu kommt, dass globale Zahlen oft in die Irre führen. Wenn der Halbleitermarkt 2019 weltweit um 13 Prozent zurückging, dann nicht zuletzt wegen einem starken Preisverfall bei den Speichern. Viele andere Komponenten waren von dem Überangebot nicht so stark betroffen, fielen aber dann ins Bedarfsloch. Bis Mitte des Jahres beliefen sich die Lagerbestände von Halbleitern bei Kunden und Herstellern auf Werte, die deutlich über den historischen Mittelwerten lagen (Quelle: Morgan Stanley). Darunter litt bis zum Jahresende der Auftragseingang und damit auch die berühmt-berüchtigte Book-to-Bill-Rate, die zwischenzeitlich bei 0,85 hing. Das eher kurzfristige Auftragsvolumen (das sogenannte Turns-Business) floss hier nicht ein, dabei stieg es in den letzten Monaten deutlich an. So viel zu den Zahlen!

Hier fängt die Geschichte an (danke, Walter Moers!). Die Gretchenfrage lautet ja: Wo stehen wir aktuell? (Darauf kommen wir später.) Aber es gibt weit mehr brennende Fragen, man kann nur hoffen, dass einem die Frauennamen nicht ausgehen: Was wird der Brexit mit uns machen? Wie geht es mit der Automobilindustrie weiter? Wann kommt 5G in großem Stil? Was machen die USA und China in ihrem Handelsstreit? Wie wirkt sich die von den USA provozierte WTO-Krise auf das weitere Wachstum aus? Wann lösen sich die politische Lähmung und der Innovations-/Investitionsstau in Deutschland auf?

Während man bei der letzten Frage getrost davon ausgehen kann, dass die derzeitige Bundesregierung keine Ambitionen hat, alsbald die richtigen Anreize zu schaffen (das gilt auch für die Frage, ob 5G mit Huawei oder ohne), kann man zumindest beim Brexit erwarten, dass er wirklich kommt und dass dann endlich Klarheit herrscht (so oder so). Rein psychologisch gesehen scheinen die Auswirkungen in Deutschland schlimmer zu sein als in England; der Absturz des von IHS Markit unter deutschen Wirtschaftsführern erhobenen Production & Manufacturing Index (PMI) von Januar bis Oktober 2019 auf katastrophale 41,7 Punkte deutet darauf hin. Von der realen wirtschaftlichen Entwicklung ist diese „German angst“ weit entfernt.

Was in den USA passiert (Zollstreit, Impeachment etc.) und welche Auswirkungen das auf den als Weltkonjunkturlokomotive bekannten amerikanischen Konsumenten hat, bleibt abzuwarten, aber man kann sachte hoffen, dass auch hier bald Bewegung bzw. Realismus ins Spiel kommt. 1000 $ weniger im Geldbeutel des Amerikaners dank Importzöllen sollten nicht folgenlos bleiben.