Reichelt/OnePoll-Umfrage Dashcams könnten zum Boom-Geschäft werden

Nach dem BGH-Urteil zur Zulässigkeit von Dashcams in Fahrzeugen stieg das Interesse an den kleinen Kameras sprunghaft an. Doch was denken die Verbraucher über Dashcams? Eine reichelt/One-Poll-Umfrage gibt Aufschluss.

BGH-Urteil: Dashcams erlaubt, aber nicht permanentes Filmen

Bis vor kurzem war der Gebrauch von Dashcams zwar nicht direkt verboten, allerdings war es höchst unsicher, ob das gewonnene Bildmaterial beispielsweise vor Gericht als Beweismittel zugelassen werden konnte. Es bestand sogar die Gefahr, aufgrund eines Verstoßes gegen den Datenschutz eine Unterlassungs- oder Schadenersatzklage zu erhalten.

Dies hat sich nun mit dem Urteil des Bundesgerichtshofes vom 15. Mai 2018 geändert. Von nun an ist es generell zulässig, Aufzeichnungen von Dashcams als Beweismittel in Gerichtsverfahren einzubringen. Der BGH stellte fest, dass Dashcams zwar gegen das Datenschutzrecht verstießen, dies aber nachrangig sei, da alle Unfallbeteiligten ohnehin Angaben zur Person und zu den am Unfall beteiligten Fahrzeugen machen müssten. Was nach wie vor unzulässig bleibt, ist das permanente Aufzeichnen von Videomaterial sowie die Veröffentlichung desselben, beispielsweise auf Social-Media-Kanälen. So kann das informationelle Selbstbestimmungsrecht der gefilmten Personen weiterhin gewährleistet werden.

Dashcams in Deutschland noch nicht weit verbreitet

Eine repräsentative Umfrage von OnePoll im Auftrag von reichelt elektronik, die in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen je 1000 befragte Teilnehmer umfasste, ergab, dass 72 Prozent der Deutschen bisher noch keine Dashcam in ihrem Fahrzeug verwenden. Davon planen allerdings 23 Prozent, innerhalb des nächsten Jahres definitiv eine Kamera einzubauen, weitere 46 Prozent der Befragten sind noch unschlüssig. Den Erwerb einer Dashcam schließen somit nur 31 Prozent der Umfrageteilnehmer definitiv aus. Dies dürfte einen enormen Anstieg an den Verkaufszahlen in diesem Markt zur Folge haben.

„Das Marktpotenzial für Dashcams ist nach dem BGH-Urteil groß, doch ein großer Teil der Bevölkerung ist noch unsicher, ob sich die Anschaffung lohnt. Hier sehen wir einen klaren Auftrag an die Hersteller und Händler, noch mehr über die Kameras, deren Funktionen und Nutzung zu informieren“, so Sven Pannewitz Produktmanager, active/passive components bei reichelt.

Größte Motivation: eigenes Fahrzeug absichern

Damit eine Dashcam BGH-urteilskonform betrieben werden kann und Beweismaterial vor Gericht zugelassen wird, müssen bestimmte technische Anforderungen gegeben sein. Am wichtigsten ist hierbei die Loop-Funktion, die ein automatisches Überschreiben nach einer bestimmten Zeit sicherstellt. 44 Prozent der Befragten achten beim Kauf auf das Vorhandensein der Loop-Funktion.

Hilfreich für den Betreiber der Dashcam kann außerdem ein sogenannter G-Sensor sein. Dieser reagiert empfindlich auf Erschütterungen und kann so im Falle eines Unfalls Datenmaterial speichern. Ein G-Sensor ist für 68 Prozent der Umfrageteilnehmer Voraussetzung für den Erwerb einer Dashcam. Ebenso geben 67 Prozent an, Wert auf einen Bewegungssensor zu legen, der die Kamera aktiviert, wenn sich beispielsweise ein Auffahrunfall beim stehenden Fahrzeug ereignet.

Interessant ist an diesen Zahlen, dass der Großteil der Befragten die Nutzung einer Dashcam zur Absicherung gegen Schäden am eigenen Fahrzeug verwendet (mehr als 68 Prozent), jedoch für lediglich 44 Prozent wichtig ist, dass ihr Gerät BGH-urteilskonform ist.

Qualität setzt sich durch

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage war, dass die Autonation Deutschland im Vergleich zu allen anderen Befragten bereit ist, wesentlich mehr Geld für eine Dashcam auszugeben. Ganze 72 Prozent der Deutschen setzt gut funktionierende Basisfunktionen, wie beispielsweise hochauflösendes Bildmaterial voraus, 49 Prozent wünschen sich technische Raffinessen wie beispielsweise eine automatische Bildverbesserung bei Nebel oder Dunkelheit. Gerade diese Zusatzfunktionen sind essentiell, um auch bei schlechter Sicht Kennzeichen gut erkennen zu können.

Etablierten Marken vertrauen dabei 46 Prozent aller Umfrageteilnehmer. Dass diese zumeist hochpreisiger sind, als die günstigen Mitbewerber aus Fernost, ist den Verbrauchern hierbei egal. 64Prozent der Kunden sind bereit, mehr als 115 Euro in eine Dashcam zu investieren, 13 Prozent sogar mehr als 226 Euro.