Zukäufe nicht ausgeschlossen Conrad rüstet sich für die Zukunft

Holger Ruban, Conrad

»Wenn wir unser Wachstum durch Zukäufe beschleunigen können, werden wir das auch tun. Größe ist wichtig, das sehen wir im Markt.«
Holger Ruban, Conrad: »Wenn wir unser Wachstum durch Zukäufe beschleunigen können, werden wir das auch tun. Größe ist wichtig, das sehen wir im Markt.«

Der Einstieg ins industrielle B2B-Geschäft bescherte dem B2C-Traditionsunternehmen Conrad seit 2013 eine satte Umsatzsteigerung. Inzwischen erwirtschaftet Conrad über eine halbe Milliarde Euro Jahresumsatz.

Mit conrad.de ist das Unternehmen nach wie vor unter den Top Ten der meistbesuchten Online-Shops in Deutschland. Darüber hinaus gehört es zu den wichtigsten Arbeitgebern des bayerischen Regierungsbezirks Oberpfalz. Kein Wunder, dass ein Verkaufsgerücht, das im Sommer über Conrad durch eine Tageszeitung lanciert worden war, für Aufregung sorgte.

Dr. Werner Conrad dementierte umgehend: »Conrad überprüft regelmäßig seine Strategie, u.a. auch hinsichtlich strategischer Partnerschaften, Zukäufen, Erweiterung des Gesellschafterkreises oder Börsenfähigkeit. Natürlich werden diese Optionen auch mit Externen auf Machbarkeit besprochen. Es ist bedauerlich, wenn vertrauliche Gesprächsinhalte in die Öffentlichkeit gelangen, zumal diese Gespräche bereits beendet sind.«

Verkaufsgespräche gebe es aktuell keine. Das bestätigte Conrads CEO Holger Ruban im September auch gegenüber Markt&Technik. Zukäufe schloss Ruban aber grundsätzlich nicht aus. »Wenn wir unser Wachstum durch Zukäufe beschleunigen können, werden wir das auch tun. Größe ist wichtig, das sehen wir im Markt. Wir sind organisch stark gewachsen und bewegen uns jetzt in einer Größenordnung von über einer halben Milliarde Euro.« Maßgeblichen Anteil am Wachstum hat der industrielle B2B-Bereich „Business Supplies“, den Conrad im Jahr 2013 gestartet hat. Damals lag der Umsatz des Unternehmens in der Größenordnung von etwa einer viertel Milliarde Euro.

B2B-Geschäft wächst stark

Auch vor 2013 gab es B2B-Geschäft, aber vornehmlich im Bereich der Wartung und Instandhaltung und Elektromechanik. Der Handel mit elektronischen Bauteilen in Industriemengen stand bis dahin nicht im Fokus von Conrad, zumal das Halbleiter-Spektrum nur rudimentär im Portfolio vertreten war. Mittlerweile gehört Conrad zu den führenden europäischen B2B-Händlern in seinem Marktsegment. Allein in den vergangenen vier Jahren wurden zusätzlich 550.000 neue Produkte, hauptsächlich elektronische Bauteile für Industrie-Kunden, ins B2B-Sortiment aufgenommen. Auf dem neuen Conrad Marketplace conrad.biz sind sogar 980.000 Produkte gelistet. Bis Ende 2018 sollen es 10 Millionen Produkte sein.

»Unser Unternehmen ist nun fast schon ein Jahrhundert erfolgreich im Markt tätig, was sicherlich auch mit daran liegt, dass jede Generation mit Veränderungen gut umzugehen weiß, neue Entwicklungen und Innovationen proaktiv nutzt und immer wieder neu durchstartet”, fasst Dr. Werner Conrad zusammen. »Wir müssen unsere Strategien heute sehr viel öfter überprüfen und anpassen als noch vor wenigen Jahren. Das bedeutet für unser Management und unsere Mitarbeiter ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft und Innovationsgeist. Trotz aller Veränderungen werden wir auch weiterhin gut wirtschaften und einen vernünftigen kaufmännischen Kurs verfolgen«.

Mit Conrad.biz stellt das Unternehmen einmal mehr seinen Innovationsgeist unter Beweis: Der Marketplace vereint die Produkte qualifizierter Seller und das Conrad-Angebot auf einer Plattform. Der Nutzer kann seine Produkte auf diese Weise aus einer Hand beziehen und muss sich nicht auf verschiedenen Plattformen anmelden. Der Ansatz ist dem Amazon-Prinzip ähnlich, der dedizierte Fokus auf das industrielle B2B-Umfeld in dieser Form aber einzigartig.

Eine weitere Neuerung aus der Conrad-Ideenschmiede ist die Eigenmarke Tru Components, ein hauseigenes Label für Bauteile. »Wir haben in vielen Bereichen sehr erfolgreiche Eigenmarken am Markt platziert, wie etwa für Messtechnik und Anschlusskabel und unsere Herstellermarke für 3D-Druck. Da lag der Schritt nahe, auch bei den Komponenten mit einer Eigenmarke vertreten zu sein«, bekräftigt Ruban. »Wir wissen, dass viele von unseren Kunden eine preisgünstige hochwertige Alternative zu A-Marken schätzen.« Tru Components ist eine Handelsmarke. Die Produkte kommen mit diesem Branding gelabelt direkt aus den Fabs der Original-Hersteller. Wer diese sind, möchte Conrad nicht kommunizieren, versichert aber, dass es sich um qualitativ hochwertige Ware handelt.