Zukäufe nicht ausgeschlossen Conrad rüstet sich für die Zukunft

Exkurs: B2C-Margen unter Druck

Der umfassende Einstieg ins B2B-Geschäft erweist sich für Conrad angesichts des sehr kompetitiven B2C-Umfeldes als weise Entscheidung. Auch wenn die B2B-Distributionsbranche allgemein über sinkende Margen klagt, sei das laut Holger Ruban, CEO von Conrad Electronic, kein Vergleich mit den erodierenden B2C-Margen. »Auch im B2B-Sektor sind die Margen unter Druck, aber im B2C-Bereich sind sie auf einem ganz anderen Stand angekommen. In Deutschland haben hier umfassende Konsolidierungen stattgefunden. Der Druck durch den Internet-Handel hat sich im B2C-Bereich deutlich früher bemerkbar gemacht als im B2B-Bereich.« Insgesamt betrachtet lassen sich B2B- und B2C-Margen nicht 1:1 vergleichen. Der B2B-Handel mit industriellen Waren ist ein anderes Geschäftsmodell, das mehr Personal, Qualitäts- und Supply-Chain-Management erfordert. Dadurch ist für B2B-Händler eine höhere Produktmarge erforderlich als im B2C-Sektor, um erfolgreich wirtschaften zu können. »Aber wenn man das mit der B2C-Welt vergleicht, dann ist die Fallhöhe eine andere«, so Ruban.

Trotz steigendem Margendruck im Endkundensektor setze Conrad aber weiterhin auf das Filialgeschäft flankierend zum Internet-Handel, stellt Ruban klar, auch wenn man sich entschlossen hat, drei Filialen in Braunschweig, Berlin und Saarbrücken zu schließen. Saarbrücken ist bereits geschlossen, Berlin und Braunschweig sollen 2018 folgen. »Wir bauen weiterhin auf Filialen. Die Konsolidierung ist ein ganz normaler Weg, den alle Filialisten durchlaufen. Die Lage einer Filiale ist heute noch viel wichtiger als früher.« Die Besucherfrequenz im Präsenzhandel ist allgemein rückläufig; wer nicht mit Besonderheiten oder einer 1A-Lage aufwarten kann, hat kaum noch Erfolgschancen. Einkaufen mit Erlebnisfaktor bieten – das soll die neue digitale Filiale von Conrad in Berlin, die im Herbst eröffnet wird. Dabei will Conrad auch mit seiner Vor-Ort-Erlebniswelt rund ums IoT punkten: Auf der Online-Plattform „Conrad Connect“ können Smart-Home-Produkte per Browser und über Herstellergrenzen hinweg verwaltet, miteinander verknüpft und individuell gesteuert werden. Über Conrad Connect sind derzeit mehrere hundert Produkte von über 40 Herstellern vernetzbar; 45.000 User mit mehr als 120.000 Devices nutzen die Plattform bereits.