Einkaufsvolumen von über 40 Mrd. Euro Bosch will Einkauf fast komplett digitalisieren

Bosch baut seine digitalen Lieferketten weiter aus: Bis 2021 will das Unternehmen mehr als 85 Prozent seines weltweiten Einkaufsvolumens über Cloud- und Plattform-Lösungen abwickeln und zeichnet Zulieferer für die gelungene Transformation aus.

„Digitalisierte Lieferketten sind im Wettbewerb entscheidend, um in einer vernetzten Welt personalisierte und individuelle Kundenwünsche schneller zu erfüllen – wer nicht digitalisiert, verliert“, sagte Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, anlässlich der internationalen Lieferantenauszeichnung „Bosch Global Supplier Award“. „Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen haben noch großes Potenzial, sich zusätzliche Wachstumseffekte zu sichern und ihre Wettbewerbsposition zu verbessern.“ Mit seinen Lieferanten will Bosch unter anderem den Wareneingang an seinen Standorten vollständig digitalisieren, so der Bosch-CFO. Ein weiteres Ziel sei, den Zulieferern künftig weltweit in Echtzeit Einblicke in die Produktionsbedarfe zu ermöglichen, womit sich Transportnetzwerke optimieren und CO₂-Emissionen senken lassen. Weltweit arbeiten bei Bosch rund 37 000 Mitarbeiter in Einkauf und Logistik daran, täglich etwa 280 Fertigungswerke mit mehr als 300 Mio. Teilen zu versorgen.

Stabile Beschaffungsausgaben trotz schwächelnder Konjunktur

„In diesem Jahr erwarten wir trotz verhaltener weltwirtschaftlicher Entwicklung ein Einkaufsvolumen von mehr als 40 Mrd. Euro“, erklärte Asenkerschbaumer vor rund 100 Vertretern der Zulieferindustrie nahe Blaichach. Insgesamt gab das Unternehmen in den letzten zehn Jahren mehr als 340 Mrd. Euro für die Beschaffung von Rohstoffen, Dienstleistungen oder Investitionsgütern aus. Damit ist Bosch ein wichtiger Kunde für seine Lieferanten. Für den gemeinsamen Erfolg hält es der Bosch-CFO für erforderlich, frühzeitig Kostenvorteile durch neuartige Einkaufs- und Logistikstrategien sowie eine umfassende Digitalisierung der Lieferantennetzwerke zu sichern. Asenkerschbaumer: „Wir setzen aber nicht nur bezüglich wettbewerbsfähiger Kosten auf unsere Lieferanten als Innovationspartner, sondern haben auch gemeinsam die Schonung natürlicher Ressourcen im Blick.“ Bosch hatte erst kürzlich bekannt gegeben, seine Produktion und Verwaltung ab 2020 weltweit an allen Standorten klimaneutral zu betreiben. Als damit erstes Industrieunternehmen mit globaler Präsenz will das Unternehmen ein Beispiel geben und seine Lieferanten motivieren, ebenfalls keinen CO2-Abdruck mehr zu hinterlassen.

Bosch Global Supplier Award: Auszeichnung für Spitzenleistung

Finanzchef Asenkerschbaumer würdigte in seiner Rede die Spitzenleistung der prämierten Lieferanten des Unternehmens: „Unsere Zulieferer und Dienstleister sind wichtiger Partner für die Wettbewerbsfähigkeit und Transformation von Bosch.“ Die 47 besten seiner weltweiten Zulieferunternehmen zeichnete das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen gestern Abend mit einem „Bosch Global Supplier Award“ aus. Sie erhielten die begehrte Auszeichnung für ihre überdurchschnittliche Leistung bei der Herstellung und Lieferung von Produkten oder Dienstleistungen. Für die Prämierung bewertete eine Jury Lieferanten in den Kategorien „Indirekter Einkauf“, „Rohmaterial und Komponenten“ sowie „Komponenten pro Unternehmensbereich“. In einer Sonderkategorie wurden Lieferanten von Produkten, Prozessen oder Technologien mit hohem Innnovationspotenzial für Bosch ausgezeichnet. Seit 1987 prämiert Bosch alle zwei Jahre die Spitzenleistung seiner Zulieferunternehmen mit der in Branchenkreisen anerkannten Auszeichnung.

Kategorie „Innovation“: Erstmals drei Gewinner

In der Kategorie „Innnovation“ geht die Bosch-Auszeichnung in diesem Jahr erstmals an gleich drei Unternehmen: Der US-amerikanische Cloud-Plattformanbieter Catalytic überzeugte mit einer digitalen Lösung zur Prozessautomatisierung im „Do-it-yourself“-Verfahren. Diese Möglichkeit, Abläufe auf einfache Weise zu automatisieren, führt zu Effizienzsteigerungen bei den Anwendern. Den deutschen Hersteller Ecoroll prämierte Bosch für seine Prozessinnovation, mit deren Hilfe von hydrostatischen Werkzeugen komplexe Konturen in kleinen Bohrungen für eine erhöhte Komponentenlebensdauer festgewalzt werden können. Der japanische Hersteller Japan Display gewann mit einem gebogenen Display für das Instrumentencluster im Auto: Es bietet trotz gleicher Abmessungen ein größeres Anzeigenfeld als das Vorgängermodell.