Übernahme-Poker um Farnell Avnet überbietet Dätwyler

Die Avnet-Zentrale in Phoenix

Die Übernahme von Farnell durch Dätwyler schien fast in trockenen Tüchern. Jetzt mischt der weltgrößte Distributor Avnet die Karten neu.

Avnet hat sich mit dem Board of Directors von Premier Farnell – dem Mutterkonzern der Marken Premier Farnell, Farnell und element14, auf ein Übernahmeangebot geeinigt: Avnet bietet  £ 1,85 pro Aktie. Das sind 20 Pence mehr als Dätwyler zahlen wollte. Deren Angebot lag bei  £ 1,65 pro Aktie. Avnet bietet also rund 12 Prozent mehr pro Aktie.

Derweil war die geplante Übernahme von Farnell durch den Schweizer Dätwyler Konzern schon weit fortgeschritten – der Abschluss der Übernahme war für das vierte Quartal angekündigt. Einige kartellrechtliche Genehmigungen waren bereits erteilt, u. a. durch das Bundeskartellamt. Von Dätwyler gibt es bislang keine offizielle Reaktion auf die zu scheitern drohenden Übernahmepläne. Bereits am 18. Juli ging eine Einladung zur außerordentlichen Generalversammlung am Mittwoch, 10. August 2016 raus. Gegenstand der Versammlung wird eine Kapitalerhöhung sein. Ob diese in Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot von Avnet steht, ist nicht bekannt.  Theoretisch könnte Dätwyler mit einem höheren Angebot kontern. Diesem müsste dann Avnet wiederum innerhalb von 21 Tagen entsprechen.  

Avnet will mit der Übernahme seinen “digitalen Footprint” weltweit ausbauen, erklärt Interims-CEO William Amelio, der vor Kurzem Avnets Ex-CEO Rick Hamada nachfolgte.

Die Übernahme solle die Digital-Strategie des Avnet-Konzerns unterfüttern, da Farnell als ursprünglicher Katalog-Distributor bereits umfassende Online-Services anbietet, so Amelio. Gleichzeitig würde Avnet damit die komplette Wertschöpfung abdecken: Von der Kleinmenge bzw. Ein-Stück-Bestellung bis hin zum Volumen. Hier ist der Avnet-Konzern derzeit führend und die Nummer 1 weltweit.

Da die Grenzen zwischen B2B und B2C insbesondere im Online-Geschäft immer weiter schwinden, wäre dies ein geschickter Schachzug für den Konzern mit Headquarter in Phoenix. Zudem vertreibt Farnell als einer von zwei Exklusivdistributoren die Raspberry Pi Boards und bietet damit einen sehr interessanten Zugang zur Maker-Community.