Gute Beratung spart Zeit und Geld Ärgernis »Abgekündigte Bauteile«

Besonders die anscheinend »unerwarteten« Bauteileabkündigungen sind oft ein Ärgernis, das sich durch eine ordentliche Beratung vermeiden oder zumindest in den Griff bekommen lassen würde.

Immer wieder werden Bauelemente abgekündigt, die im selben Jahr erst auf den Markt gekommen sind. Ein Grund für die Abkündigungsfalle ist die Tatsache, dass sich viele Entwickler das Produkt aus dem Internet aussuchen und eindesignen. Die Bauteileabkündigungen selbst kann ein Distributor zwar nicht beeinflussen, aber er kann in der Design-In-Phase auf die Produktauswahl Einfluss nehmen: Jedes Produkt hat einen gewissen Lebenszyklus. Inwieweit der berücksichtigt wird, ist eine Frage der guten Beratung, fasst Roberto Dobrilla zusammen, Vertriebsleiter von MSC: »Man muss hier natürlich unterscheiden: Spreche ich über ein Display, Treiberbausteine oder eine MCU? Nehme ich einen Controller, der schon sechs Jahre auf dem Markt ist, oder gehe ich auf die nächste Generation?« 

Aber auch der hohe Druck, das Produkt möglichst schnell auf den Markt zu bringen, führt nach Ansicht von Claus Knoblauch, Sales Director North von Arrow Central Europe, den Kunden unter Umständen geradewegs in die Abkündigungsfalle: »Der Kunde hat oft gar nicht mehr genug Ressourcen, um immer wieder von Grund auf alles komplett neu zu entwickeln. Deshalb wird häufig auf vorhandene Module und Blöcke zurückgegriffen, die schon lange auf dem Markt sind. Abkündigungen lassen in solchen Fällen oft nicht lange auf sich warten. Aber auch wenn die Abkündigung bereits bekannt ist: Nicht selten reagiert der Kunde viel zu langsam auf solche Mitteilungen und verschleppt die Information. Denn Freigaben und Zertifizierungen sind teuer, da wird ein Komponentenwechsel auch gerne so lange wie möglich hinausgezögert. Das gilt auch fürs Re-Design, wie Rainer Maier weiß, Technical Sales Manager Germany von Avnet Memec: »Hier versucht so mancher Entwickler, möglichst viele alte Produkte einzudesignen. Wir erleben es immer wieder, dass in der dritten Generation eines Designs ein bestimmtes Produkt wieder auftaucht.« 

Dass die Firmen die hohen Freigabekosten scheuen, liegt auf der Hand: Änderungen müssen gerade in sicherheitskritischen Bereichen wie der Medizin- oder Automobilelektronik neu validiert werden, und das kostet eine Stange Geld. Laut Mangler muss der Kunde etwa 30.000 Euro für die Freigabe bei seinem Endkunden/OEM veranschlagen. Das sind Kosten, vor denen die Kunden oft zurückschrecken, denn die Kosten bleiben beim Tier-1- oder Tier-2-Zulieferer hängen und lassen sich nicht an den Endkunden weiterverrechnen.