Kobaltbedarf wird kräftig steigen Wo kommt „sauberes“ Kobalt für E-Autos her?

Lars-Peter Häfele, Inverto: »60 Prozent des weltweit produzierten Kobalts kommen aus dem Kongo. Weil sich auch 50 Prozent der bekannten Lagerstätten im Kongo befinden, wird der Großteil des Kobalts auch auf absehbare Zeit aus dem Kongo kommen.«

Kobalt wird unter teils menschenunwürdigen Bedingungen gefördert und könnte knapp werden. Was jetzt zu tun ist, erklärt Rohstoff-Experte Lars-Peter Häfele von Inverto im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Könnten demnächst Kobalt knapp werden und die Preise explodieren?

Lars-Peter Häfele, Inverto: Damit rechne ich für die nächsten Jahre nicht. Aber der steigende Anteil der Elektromobilität wird zu einem stark wachsenden Bedarf an Kobalt führen, das ist heute schon abzusehen. Denn Batterien für E-Autos benötigen relativ viel Kobalt.

Wer auf Kobalt angewiesen ist, sollte sich also den Zugriff schon heute sichern?

Wer Batteriezellen herstellt und auf Batterien angewiesen ist, sollte sich auf jeden Fall proaktiv verhalten und dafür sorgen, dass er den Rohstoff über langfristige Verträge oder Partnerschaften erhält. Da gerade für potenzielle Käufer von E-Autos Nachhaltigkeit wichtig ist, sollten Unternehmen sich auch darum kümmern, dass sich die Herkunft des Kobalts in den Batterien nachweisen lässt und gesichert ist, dass es nicht unter menschenunwürdigen Verhältnissen gefördert wurde.

Wieviel Kobalt wird derzeit gefördert und für welche Anzahl an E-Autos würde das ausreichen?

Die weltweite Förderung liegt bei ca. 120.000 bis 140.000 t pro Jahr. Die erforderliche Menge an Kobalt liegt zwischen 10 und 15 kg pro Fahrzeug. Das würde, da nicht das gesamte geförderte Kobalt in die Batterieproduktion geht, für eine Jahresproduktion von 4 Mio. E-Autos reichen. Betrachtet man, wie schnell der Anteil der E-Autos weltweit voraussichtlich wachsen wird, käme man mit den derzeitigen technischen Fähigkeiten und Fördermengen schnell an die Grenzen.
Wie groß ist der Anteil des geförderten Kobalts, der heute in Batterien wandert?
Dieser Anteil ist bereits heute mit rund 40 Prozent am größten. Allerdings umfasst dieser Sektor alle Batterien, nicht nur die Autobatterien.

Die Förderung von Kobalt ist besonders heikel, weil der größte Teil aus dem Kongo kommt. Wird das so bleiben?

60 Prozent des weltweit produzierten Kobalts kommen aus dem Kongo. Weil sich auch 50 Prozent der bekannten Lagerstätten im Kongo befinden, wird der Großteil des Kobalts auch auf absehbare Zeit aus dem Kongo kommen.