Offene Plattform zur Nutzung mobiler Web-Apps Webinos: Erster Automotive-Prototyp

Forschungsprojekt webinos - Darstellung der Funktion Park Distance Control im Browser.
Forschungsprojekt webinos - Darstellung der Funktion Park Distance Control im Browser.

30 Partner aus der Automobilindustrie, der Informations- und Telekommunikationsindustrie sowie mehrere Forschungsinstitute hatten sich zusammengeschlossen, um im Förderprojekt webinos eine offene Plattform zur endgeräteübergreifenden Nutzung mobiler Web-Applikationen zu entwickeln. Jetzt wurde der erste Automotive-Prototyp gezeigt.

Ziel des Open Source Projektes war die Entwicklung und Standardisierung einer web- und browserbasierten Applikationsplattform zur uneingeschränkten und kombinierten Nutzung heterogener CE-Geräte. Um den sicheren Austausch von Daten zwischen verschiedenen Endgeräten zu ermöglichen, setzt webinos auf das Konzept von Personal Zones. In einer Personal Zone werden die Geräte eines Benutzers zusammengefasst. Zentraler Punkt einer Personal Zone bildet der Personal Zone Hub, der eine Art Telefonzentrale ist. Dieser kennt die einzelnen Geräte, weiß, welche Applikationen auf welchem Gerät installiert sind und welche Services ein Gerät unterstützt. Auf einer speziellen Website kann der Benutzer seine Personal Zone konfigurieren und jederzeit anpassen. Spezielle Privacy-Einstellungen ermöglichen es, sicherzustellen, dass Applikationen nur freigegebene Daten und Dienste nutzen können. Als Ausführungsplattform für Applikationen in webinos dient ein Webbrowser, wie z. B. Mozilla Firefox oder Google Chrome. Über eine Erweiterung am Browser können Web-Applikationen auf die Dienste innerhalb einer Personal Zone zugreifen. Die neue Schnittstelle knüpft an den durch HTML5 begründeten Trend an, den Browser als Applikationsplattform einzusetzen.

Für den Zugriff auf Gerätefunktionen wurden im Forschungsprojekt webinos insgesamt 22 verschiedene Servicekomponenten erarbeitet. Diese decken neben übergreifenden Funktionen die Spezifika der in webinos adressierten Geräte Smartphone, PC, TV und Fahrzeug ab. Für die Fahrzeugintegration sind das Vehicle API (das den Zugriff auf fahrzeugspezifische Daten ermöglicht), das Geolocation API (mit dessen Hilfe Geschwindigkeit und GPS-Position abgefragt werden können), sowie das Device Orientation API (in dem Quer- und Längsbeschleunigungswerte zusammengefasst sind) von besonderer Bedeutung. Das Geolocation API und das Device Orientation API sind Standards des World Wide Web Consortium (W3C). Bereits mithilfe dieser drei Pakete lässt sich eine Vielzahl von Fahrzeugdaten zur Verfügung stellen. Neben dem Zugriff auf Parksensoren, Durchschnittsgeschwindigkeits- und Verbrauchswerte sowie Licht- und Scheibenwischereinstellungen ist ebenso die Übertragung der Information über den aktuellen Gang möglich. Beispielsweise könnte durch diese Verknüpfung der Kunde auch auf seinem Smartphone oder auf dem TV den aktuellen Tankstand seines Fahrzeugs abrufen. Dank webinos ist es umgekehrt aber auch möglich, vom Fahrzeug aus auf die Medienbibliothek des Smartphones oder des PCs zuzugreifen.

In dem auf der „Communication World“ ausgestellten Forschungsprototyp ist die Anzeige des Bordcomputers komplett im Browser mit HTML5 und den webinos-Servicekomponenten realisiert. Durch die neuen Schnittstellen kann beispielsweise auch die Funktion „Park Distance Control“ im Browser angezeigt werden.

Mithilfe der Webapplikationen ‚webinos travel‘ können Nutzer ihre Point-Of-Interests für eine Reise verwalten. Die Reise kann auf dem Smartphone, dem Tablet oder am PC geplant werden. Am Tag der Abreise stehen die geplanten Ziele im Fahrzeug zur Auswahl bereit oder können direkt über das Smartphone als Ziel an das Navigationssystem übergeben werden. Falls das Ziel nicht komplett mit dem Fahrzeug erreichbar ist, wird das Ziel für eine Last-Mile-Navigation an die Webapplikation auf dem Smartphone übertragen.