Infineon Technologies Wachstum? Unvermeidlich!

Hans Adlkofer, Infineon Technologies

»Technisch wäre das hochautomatisierte Fahrzeug grundsätzlich bereits möglich, aber es gibt noch Baustellen auf regulatorischer Ebene und – was nicht zu unterschätzen ist – beim Preis.«
Hans Adlkofer, Infineon Technologies »Technisch wäre das hochautomatisierte Fahrzeug grundsätzlich bereits möglich, aber es gibt noch Baustellen auf regulatorischer Ebene und – was nicht zu unterschätzen ist – beim Preis.«

Auch wenn die Anzahl der verkauften Autos in den nächsten Jahren nur um ca. 2% pro Jahr wächst, ist Infineon Technologies überzeugt, dass das Unternehmen ein durchschnittliches Wachstum von 8% pro Jahr erreichen kann, denn: In den Automotive-Wachstumsfeldern ist das Unternehmen gut positioniert.

Hans Adlkofer, Vice President Automotive Systems in der Automotive Division von Infineon Technologies, betont: »Der Halbleiteranteil im Fahrzeug wird dank der zunehmenden E-Mobilität und dem Trend zum automatisierten Fahren deutlich steigen.« Daran verdienen theoretisch erst einmal alle Halbleiterunternehmen, die hierfür Produkte anbieten. Doch Adlkofer ist sich sicher, dass Infineon deutlich stärker davon profitieren könnte. »Seit 2010 wächst das Automotive-Geschäft von Infineon stärker als der Markt«, so Adlkofer weiter. Das spiegelt sich auch in der Position wider, die das Unternehmen als Halbleiteranbieter für die Automobilelektronik einnimmt: Hier belegte Infineon im Jahr 2016 den zweiten Platz mit einem Marktanteil von 10,7%.

Bei den Sensoren ist Infineon ebenfalls auf Platz 2 mit einem Marktanteil von 12,5%. Geht es um Leistungselektronik, belegt Infineon den ersten Platz mit einem Marktanteil von 25,6%. Und bei den Mikrocontrollern liegt Infineon mit einem Marktanteil von 8,7% auf dem vierten Platz. Aber auch wenn die Historie durchaus positiv war, muss das ja nicht heißen, dass es in der Zukunft so positiv weitergeht. Doch genau davon ist Adlkofer überzeugt und erklärt warum. Derzeit gibt es zwei Megatrends im Automotive-Markt: ADAS/
autonomes Fahren und umweltfreundliche Autos; beide treiben das Wachstum in den nächsten Jahren, und in beiden Fällen sieht sich Infineon so gut positioniert, dass es überproportional am Wachstum teilhaben kann.

ADAS/autonomes Fahren

Geht es in Richtung autonomes Fahren sind drei Produktbereiche entscheidend: Sensoren, Mikrocontroller für Safety-Entscheidungen und Datenfusion sowie Aktuatoren. Zu den wichtigen Sensorsystemen gehören Kameras für Innenanwendungen und Außenanwendungen, Radar, Ultraschall und Lidar. Den Ultraschallsensoren wird seit Jahren das Ende vorhergesagt, das hat sich bislang zwar immer als falsch erwiesen, aber ein großes Wachstumsfeld stellen sie sicherlich nicht mehr dar. Also kein Problem, dass Infineon bei diesen Produkten heute nur bedingt mitspielt.

Anders sieht es bei Kameras, Lidar und Radar aus. Adlkofer: »Geht es um Radar und Lidar, bietet Infineon alle Chips, die für solche Systeme notwendig sind: Sensoren, Mikrocon-troller, Leistungshalbleiter.« Für Innen- und Außenkamerasysteme sei Infineon zwar kein Komplettanbieter, aber auch hier kämen Infineon-Chips zum Einsatz. Wenn es um Rechenleistung geht, stehe Infineon sogar noch besser da. Das Unternehmen bietet mit AURIX eine skalierbare Multicore-Mikrocontroller-Familie mit Echtzeitfähigkeit für Sensoranwendungen sowie für Domänen-Controller, Controller für das zentrale Gateway und für Sensor-Fusion-Anwendungen. Vor kurzem hat Infineon einen für viele Radar-Varianten skalierbaren Chipsatz angekündigt. Der umfasst einen HF-Radar-Transceiver, einen radarspezifischen Mikrocontroller der zweiten Generation AURIX und die Stromversorgung. Der Mikrocontroller wurde speziell für Radarsysteme optimiert und verfügt über integrierte Software zur Unterstützung der Signalverarbeitung. Alle drei Chips entsprechen den Anforderungen der Automobilnorm ISO 26262. Ab dem ersten Quartal 2018 gibt es dazu ein Radarmodul-Starterkit. Es beinhaltet neben den drei Chips ein integriertes Software-Paket, mit dem sich die Vorteile des speziellen Signalverarbeitungs-Hardware-Beschleunigers des Chipsatzes nutzen lassen. Sehr gut sieht es auch auf der Aktuatorenseite aus, denn laut Adlkofer deckt Infineon alle wichtigen Funktionen für ADAS und autonomes Fahren ab: Getriebe, Motor, Bremsen, Fahrwerk und Lenkung.

Adlkofer: »Die Prognosen besagen, dass in L2-Fahrzeugen allein durch Kamera- und Radarmodule für Fahrerassistenzfunktionen ein zusätzlicher Halbleiterbedarf von durchschnittlich 130 Dollar pro Fahrzeug entstehen kann.« Darüber hinaus könnten bis 2025 rund 3 Mio. L3-Fahrzeuge auf der Straße sein. Für Fahrerassistenzfunktionen im L3-Fahrzeug kommen allein Radar und Kamera auf einen Wertanteil von rund 370 Dollar und Lidarmodule auf zusätzlich mindestens 70 Dollar. In diesen Fahrzeugen spielt dann auch die Sensor-Fusion eine wichtige Rolle, die es auf einen zusätzlichen Halbleiterbedarf für ADAS/AD von durchschnittlich rund 110 Dollar pro Fahrzeug bringt.

Geht es um Level4-/5-Fahrzeuge, wovon 2030 bereits rund 4 Mio. Fahrzeuge herumfahren sollen, steigt der ADAS/AD-Halbleiteranteil, der auf Kamera-, Radar-, Lidar-Module, Sensor-Fusion und Aktuatoren entfällt, auf insgesamt rund 860 Dollar pro Fahrzeug. »Mit zunehmendem Automatisierungsgrad steigt natürlich auch der Bedarf an Sensoren deutlich an«, so Adlkofer weiter. Sind in einem Level-2-Fahrzeug durchschnittlich drei Radarmodule und ein Kameramodul verbaut, sind es bei Level-3-Fahrzeugen schon mindestens sechs Radar- und mindestens vier Kamera-Module, plus mindestens ein Lidar-Modul. Und weiter: »Bei Level-4 und Level-5-Fahrzeugen erwartet man, dass mindestens 10 Radar- und mindestens 8 Kameramodule plus mindestens ein Lidarsystem zum Einsatz kommen.« Infineon bedient den Sensorbereich mit einem großen Produktspektrum, wobei hingegen viele Wettbewerber typischerweise Spezialisten seien. »Wir führen bei Magnet- und Drucksensoren«, so Adlkofer weiter. Darüber hinaus bietet das Unternehmen auch Radarsensoren für 24 und 77 GHz an. Adlkofer betont: »Im Bereich ACC und Blindspot ist Infineon Innovationstreiber.« Auch die von Infineon entwickelten ToF-Kamerasensoren seien einzigartig, denn sie ermöglichen ein dreidimensionales Abbild der Umgebung in Echtzeit. Bei der Sensortechnologie Lidar hat Infineon im letzten Jahr seine Aktivitäten ausgebaut und Innoluce übernommen. Das holländische Unternehmen war eine Aus-gründung aus Philips und ist Spezialist für Miniatur-Laser-Scanning-Module mit integrierten MEMS-Mikrospiegeln auf Siliziumbasis. Diese Mikrospiegel wiederum sind erforderlich zum Bündeln und Feinjustieren der Laserstrahlen in Fahrzeug-Lidar-Systemen. Adlkofer erklärt: »Wir wollen auch bei Lidarkomponenten technologisch führend sein. Unser Ziel ist es, Lidar durch Hochintegration den Weg in den Massenmarkt zu ebnen und zu einer preisgünstigen Option für jeden Neuwagen weltweit zu machen.«