Ghosn verteidigt sich vehement »Verschwörung und Verrat«

»Alle bei Nissan haben Bescheid gewusst – niemand nahm Anstoß«

Er wird unter anderem beschuldigt, sein Gehalt zu niedrig ausgewiesen und Unternehmensgeld einer Tochterfirma für privat Zwecke verwendet zu haben. Ghosn bestreite alle Vorwürfe und erklärte, dass der zuständige Regionalmanager den Transaktionen offiziell zugestimmt habe, auch den Zahlungen an den Saudi-Arabischen Geschäftsmann Khaled al-Juffali. Das Geld aus der sognannten »CEO-Reserve« hätte nicht einfach so entnommen werden können, vier Zuständige Personen hätten die Entnahmen offiziell unterschrieben. Ähnliches gelte auch für die Immobilien bzw. Luxusresidenzen in Rio de Janeiro und Beirut. Er habe sichere Aufenthaltsorte gebracht, um zu arbeiten und Leute empfangen zu können.  Alles sei Nissan seit langem bekannt gewesen. Wenn es aus Sicht von Nissan nicht rechtmäßig gewesen wäre, warum hätte niemand früher etwas dagegen eingewendet? Alle hätten darüber Bescheid gewusst, nicht sei im Verborgenen abgelaufen. Er nannte sogar den Namen des in der Rechtabteilung von Nissan zuständigen Managers: Hari Nada habe alles offiziell genehmigt.  

Nach seiner Verhaftung hatte Ghosn offenbar damit gerechnet, dennoch an einer Aufsichtsratssitzung von Renault in Paris teilnehmen zu können, um sich zu erklären, und um eine Pressekonferenz abzuhalten. Weil die japanische Staatsanwaltschaft ihn aber auch auf Kaution nicht freiließ, zerschlugen sich all diese Pläne.

Nach eigenen Angaben hatte Nikkei Asian Review seit der Verhaftung Ghosns einen Interview-Termin vereinbaren wollen, der Anfrage habe das Distrikt-Gericht von Tokio aber erst kürzlich zugestimmt. Für Nikkei wohl eher überraschend, denn das Journalisten ein Interview mit prominenten Managern in Untersuchungshaft gewährt würde, sei in Japan extrem selten.