48-V-Technik Unerwarteter Push in China

Claudio Valesani, STMicroelectronics: »Die 48-V-Technik kann auch sehr einfach in Motorrädern oder E-Scootern genutzt werden. Das heißt, dass diese Technik in sehr hohem Volumen eingesetzt werden kann.«

In Europa setzen die meisten OEMs auf die 48-V-Technik, doch mittlerweile scheint die Technik auch in anderen Regionen Einzug zu halten. Selbst China, ein Land, das bisher auf reine Elektrofahrzeuge gesetzt hat, öffnet sich gegenüber der 48-V-Technik.

Bei Schaeffler ist zu lesen: »48-Volt-Hybridsysteme stellen eine Möglichkeit dar, konventionelle Antriebsstränge ohne grundsätzliche Anpassungen der Gesamtarchitektur als Parallelhybrid mit Spitzenleistungen von bis zu 20 kW zu elektrifizieren. Durch die in den Verzögerungsphasen fast vollständig zurückgewonnene Energie führt der Einsatz eines solchen 48-Volt-Hybridsystems zu erheblichen Verbrauchs- und CO2-Minderungen von bis zu 15 Prozent im WLTC.« In einem ZVEI-Leitfaden (48-Volt-Bordnetz – Schlüsseltechnologie auf dem Weg zur Elektromobilität) wiederum heißt es: »Das zusätzliche 48-Volt-Bordnetz bietet neben der Hybridisierung auch die Möglichkeit, ausgewählte elektrische Verbraucher im Fahrzeug mit einer höheren Spannung zu betreiben. Dies ist von Relevanz, da die Anzahl der elektrischen Verbraucher, insbesondere in der Mittel- und Oberklasse, weiter stark zunimmt. Weiterhin führt es zu einer generellen Entlastung des 12-Volt-Bordnetzes und gleichzeitig zu einer höheren Effizienz der Hochleistungsverbraucher, wenn diese mit einer höheren Spannung betrieben werden.«

Die Vorteile sind also vielfältig, was schlussendlich auch dazu geführt hat, dass diese Technik in Europa Erfolge gefeiert hat. Laut Hans Adlkofer, Vice President und Head of Automotive Systems Group von Infineon Technologies, erlebt die 48-Volt-Technik jetzt in China aber auch einen verstärkten Push. Dabei handelt es sich um eine Renaissance, denn bereits vor drei Jahren gab es dort einen gewissen Hype um diese Technik; entsprechende Konzepte lagen fertig in den Schubladen der chinesischen OEMs. Aber: Die Regierung stand nicht hinter der Technik, vielmehr setzte China auf rein batteriebetriebene Fahrzeuge. »Die gesamten Incentive-Pläne und weitere Maßnahmen waren nur auf batteriebetriebene Fahrzeuge ausgerichtet«, so Adlkofer weiter. Dementsprechend waren die 15 Prozent CO2-Einsparung, die mit der 48-V-Technik erreicht werden konnten, auch nicht ausreichend, um ein Umdenken zu erreichen.

Das hat sich jetzt aber geändert, denn mittlerweile werden in China die CO2-Emissionen von Well-to-Wheel (WTW, Definition siehe Kasten) und nicht von Tank-to-Wheel (TTW) betrachtet. Und dann stellt die 48-V-Technik eben doch auch eine Möglichkeit dar, die Emissionen zu reduzieren. »Deswegen sieht man in China derzeit einen starken Re-Hype, die 48-Volt-Technik auch in die Masse zu bringen und nicht nur in den Testlabors zu testen«, so Adlkofer weiter. Und das hat seine Auswirkungen. Gab es früher nur zwei Tier-Ones, die auf 48 Volt gesetzt haben, gibt es laut Adlkofer heute fast keinen einzigen Tier-One mehr, der 48 Volt nicht in seinem Portfolio hat.

Halbleiterhersteller bestätigen die Vorteile

Die 48-V-Technik hat aus Sicht von Adlkofer noch den Zusatzvorteil, dass mit dieser Technologie bestehende Antriebsarchitekturen schnell elektrifiziert werden können. »Indem ich einfach 48 V auf die Hinterachse spanne. Damit kann ich fast jedes Modell ohne großen Entwicklungsaufwand umrüsten«, so Adlkofer weiter. Und Claudio Valesani, Group Vice President und Head der EMEA Central Europa Sales Unit von STMicroelectronics, bestätigt: »Mit 48 V ist die Architektur viel einfacher.« Uwe Bröckelmann, Technischer Direktor EMEA von Analog Devices, fügt hinzu, dass mit der 48-V-Technik viele Vorteile eines Hochvolt-Hybrid erreicht werden können, ohne die ganzen Probleme mit Berührschutz und Isolierung, und »das ist deutlich günstiger, und wenn die OEMs etwas lieben, dann ist es, günstiger zu werden.«