V2X-Kommunikation Turmbau zu Babel

Die V2X-Kommunikation soll die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen – ein hehres Ziel, dem jeder zustimmt. Nur: über welchen Kommunikationsstandard das Ziel erreicht werden soll, darüber besteht gar keine Einigkeit. C-V2X (zellular) oder 802.11p (WLAN), beide haben Befürworter und Gegner.

Erst Mitte April war bei dpa zu lesen, dass BMW und die Deutsche Telekom einen gemeinsamen Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schrieben, in dem sie ihn aufforderten, ein Veto gegen den Rechtsakt der Kommission einzulegen. »Deutschland sollte im Rat darauf dringen, dass der delegierte Rechtsakt in der jetzigen Form von der EU-Kommission zurückgezogen und neu vorgelegt wird – in einer tatsächlich technologieneutralen Form«, heißt es in dem Brief. »Der delegierte Rechtsakt führt Europa in eine technische und politische Sackgasse.«

Den Hintergrund des Briefes erklärte dpa folgendermaßen: In dem Rechtsakt der Kommission heißt es, für die Kommunikation auf kurzen Entfernungen sei das Format ITS-G5 ausgereift, getestet und bereits im Einsatz. Es basiert auf WLAN-Technologie und arbeitet in einem speziell dafür reservierten Frequenzspektrum von 5,9 GHz. Zugleich sieht die Kommission den Einsatz des 3G- und 4G-Mobilfunks für die Kommunikation auf längere Entfernung und zur Infrastruktur am Straßenrand – wie etwa vernetzte Ampeln – vor. Das auf Mobilfunk-Technologie für alle Einsatzfälle basierende Format V2X sowie der 5G-Datenfunk könnten später integriert werden, heißt es in dem Rechtsakt. Wenn das EU-Parlament oder der Rat der Mitgliedsländer bis Mitte Mai keine Einwände erheben, tritt der Rechtsakt in Kraft.

Auf der anderen Seite hatte VW vor einiger Zeit erklärt: »Warum auf den 5G-Mobilfunkstandard warten? Schon 2019 läutet Volkswagen eine neue Ära des vernetzten Fahrens ein: Mit Car2X und WLANp können Fahrzeuge direkt untereinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren – und so für mehr Sicherheit sorgen.« Und auf Nachfrage der Markt&Technik steht der Konzern auch heute noch zu seiner Aussage: »Volkswagen hält an der ursprünglichen Planung der Einführung dieser Technologie für das Jahr 2019 nach wie vor fest«, erklärt Jens Bobsien, Produktkommunikation Marke Volkswagen Kommunikation Innovation, Technologie und Design (Ltg.).

Die Zeiten ändern sich

Dabei wurde durchaus mal an einem Strang gezogen, was das 2008 bis 2013 laufende simTD-Projekt zeigt. Partner des vom BMWi und BMBF geförderten deutschen Feldversuchs für die Fahrzeug-zu-X-Kommunikation (gut 30 Mio. Euro) waren Daimler, Audi, BMW, Ford, Opel, Volkswagen, Robert Bosch, Continental und die Telekom.

Wie der Scheuer-Brief zeigt, haben sich die Vorlieben verändert. Bosch beispielsweise hat Ende letzten Jahres Folgendes veröffentlicht: »Während China primär auf die auf Mobilfunk basierende CellularV2X-Technologie (C-V2X) setzt, planen Europa und die USA neben C-V2X auch die Einführung von Übertragungsstandards, die auf WLAN beruhen (DSRC und ITS-G5). So entsteht ein internationales Sprachengewirr. Das führt dazu, dass sich Autos womöglich nicht fehlerfrei verständigen können, weil sie verschiedene Sprachen sprechen. Haben Autos in Zukunft die universelle Vernetzungseinheit von Bosch an Bord, können sie sowohl Länder- als auch herstellerübergreifend miteinander und ihrem Umfeld kommunizieren.«