V2X-Kommunikation Turmbau zu Babel

Entscheidungsfähigkeit fehlt

Ähnliches ist bei Continental zu lesen, der neben der „V2X OneBox stand-alone Unit“ auch eine Hybrid-V2X-Lösung anbietet, die nicht nur Technologien für den 4G- und 5G-Netzzugang, sondern auch Dedicated Short Range Communication (DSRC) sowie die Cellular-V2X-Technologie für die direkte Vehicle-to-Everything- (V2X) Kommunikation beinhaltet.

Entscheidungsfähigkeit fehlt

Europa hat sich eigentlich für die WLAN-Variante entschieden, aber eben nur eigentlich und das, obwohl die WLAN-basierten Entwicklungen schon seit einer halben Ewigkeit abgeschlossen sind, Feldversuche wie simTD den Nutzen und die Funktionsfähigkeit bestätigt haben, sich die OEMs und Tier-Ones für die Technik stark gemacht haben und selbst der VDA sich für V2X ausgesprochen hat.

Verbindliche Regeln sind dennoch ausgeblieben, was Hans Adlkofer, Vice President Head of Automotive Systems Group von Infineon Technologies, extrem bemängelt, denn jetzt würden Marktkräfte entscheiden. China pusche mit enormen Mitteln in Richtung 5G, »da müssen wir nicht mehr darüber nachdenken, ob ein deutscher OEM dieses oder jenes nutzt.« In Shanghai gebe es schon Test-Cases, bei denen Autos rumfahren und miteinander und der Infrastruktur über 5G kommunizieren. »5G ist nicht ausgerollt, aber es ist da. Dasselbe gilt für Japan. Dort werden Fakten geschaffen, und was machen wir in Europa? Wir diskutieren, schreiben E-Mails, machen Deklarationen, was wir machen sollten und was nicht. Es ist ehrlicherweise lächerlich, was wir hier machen.« Wenn China Fakten schafft, kann das schon mal heißen, dass ganze Industrien sich danach ausrichten. Ob 802.11p damit dem frühen Tod geweiht ist, sieht Adlkofer dadurch nicht, aber der eigentliche Zeitvorteil wurde durch dieses ewige Hin und Her verspielt. Adlkofer weiter: »Wir verkaufen 27 Mio. Fahrzeuge in China, und wie viele sind es in Europa? 12 oder 13. Das sind Fakten, die für sich sprechen.« Schade.

Wird 802.11p noch kommen?

Adlkofer glaubt, dass der Standard trotzdem kommen wird. Neben Europa haben die USA ebenfalls auf 802.11p gesetzt und laut Peter Wiese, Vice President Automotive Sales and Marketing EMEA von NXP Semiconductors, setzt GM bei V2X auf den WLAN-Standard. Wiese: »Die Frage ist: Wird auf 5G gewartet oder wird WLAN im Vorfeld schon genutzt und adaptiert? Man kann mit WLAN starten und dann umstellen, bei 5G muss man noch auf das Netz warten. Es gibt Autos, in denen die Technik eingesetzt wird. Aber es ist nicht vorgeschrieben, es kostet Geld und dann überlegt sich jeder, wofür. Es gibt nur Insellösungen.«

Tja, und wie das so mit Insellösungen ist, »die meisten überleben nicht«, so Dr. Ulrich Giese, Senior Director Automotive Solution Business Unit bei Renesas Electronics Europe. Wobei auch die USA den Zeitpunkt verschlafen haben, und das, obwohl dort schon sehr früh die V2X-Kommunikation gesetzlich vorgeschrieben wurde. »Nur, das Gesetz wurde vor gut einem Jahr geändert und technikneutral gemacht«, so Adlkofer weiter. Was schlussendlich wohl auch daran lag, dass das Gesetz erst 2015 greifen sollte, »dann war es 2017 und dann 2019. Es wurde immer weiter nach hinten geschoben, das heißt, der Vorteil, den WLAN hatte, dass es technisch funktioniert, ist verspielt worden«, betont Adlkofer.