Autonom in der Stadt fahren Toyota testet Level-4-Auto in Tokio

Der P4 basiert auf der Luxuslimousine Lexus LS 500h.
Der P4 basiert auf der Luxuslimousine Lexus LS 500h.

Den auf SAE-Level 4 autonom fahrenden »P4« auf Basis des Lexus testet Toyota im Sommer 2020 im verkehrsreichen Stadtbezirk Odaiba.

Mit stark befahrenen Straßen, vielen Fußgängern, einer vielseitigen Infrastruktur und großen gläsernen Gebäuden stellt diese Umgebung eine besondere Herausforderung für autonom fahrende Fahrzeuge dar.

Jeder kann sich an den Feldtests direkt beteiligen: Wer sich anmeldet, darf sich im autonom fahrenden Auto durch den Stadtteil kutschieren lassen – allerdings ist aus gesetzlichen Gründen immer ein Sicherheitsfahrer dabei.

»Wir arbeiten eng mit der Abteilung für fortschrittliche Forschung & Entwicklung der Toyota Motor Corporation sowie mit dem Toyota Research Institute-Advanced Development (TRI-AD) in Tokio zusammen, das dafür zuständig ist, die Software für automatisiertes Fahren in die Öffentlichkeit zu bringen«, sagt Gill Pratt, CEO des Toyota Research Institute (TRI).

Der Anfang des Jahres auf der CES 2019 präsentierte P4 basiert auf der Luxuslimousine Lexus LS 500h. Er wird für die Entwicklung und Erprobung der aktiven »Guardian«-Sicherheitssysteme, die den Fahrer überwachen und nur bei Bedarf eingreifen, sowie der autonomen »Chauffeur«-Fahrtechnologien eingesetzt. Dabei nutzt der P4 die neuesten Fahrwerks- und Lenkungstechnologien des LS, die ein reaktionsschnelles und sanftes Manövrieren während der automatisierten Fahrt ermöglichen.

Im Vergleich zum früheren Forschungsfahrzeug verfügt der P4 unter anderem über zusätzliche Kameras an den Seiten, zwei neue Bildsensoren, die nach vorne und hinten gerichtet sind, und ein optimiertes Radarsystem. Die größere Rechenleistung sorgt dafür, dass die Systeme mehr maschinelle Algorithmen parallel betreiben und so schneller lernen können. Die Informationen der Sensoren werden schneller verarbeitet, damit das Fahrzeug schneller auf die Umgebung reagieren kann. Die gesamte Leistung für das Rechensystem wird aus der Hybridbatterie bezogen, die 12-V-Batterie dient lediglich als Backup.

Das TRI hat den P4 bislang auf seinem abgesperrten Testparcours im US-Bundesstaat Michigan getestet. Dort wurden die Besonderheiten der Infrastruktur aus Odaiba nachgebaut, in der sich der P4 autonom bewegen muss. Weitere Tests der P4-Software werden auf den öffentlichen Straßen in Odaiba sowie rund um die Forschungseinrichtungen des TRI in Ann Arbor (Michigan) und Los Altos (Kalifornien) durchgeführt. Ein um automatisierte Fahrfunktionen erweiterter Lexus LS in seiner Serienversion ist außerdem derzeit auf definierten Strecken in Brüssel unterwegs.

Beim SAE-Level 4 handelt es sich um die zweithöchste Stufe des autonomen Fahrens. Dabei wird die Fahrzeugführung dauerhaft vom System übernommen. Ein Fahrer ist aber weiterhin an Bord und kann von der Technik aufgefordert werden, die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. In der höchsten Autonomiestufe 5 ist kein Fahrer – und damit auch kein Lenkrad oder Pedale – mehr erforderlich.

Während die Autonomiestufe 1 Assistenzsysteme wie eine Abstands- und Geschwindigkeitsregelung umfasst, werden als Stufe 2 teilautomatisierte Fahrfunktionen wie ein automatisches Beschleunigen, Bremsen und Spurhalten auf der Autobahn bezeichnet. In Autonomiestufe 3 entlastet die Technik den Fahrer weitgehend, der sich während der Fahrt mit anderen Dingen beschäftigen kann. Er muss aber jederzeit in der Lage sein, nach einer Warnung die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen.