Zu hoher Bonus Stuhl von Nissan-Chef wackelt

Wegen unrechtmäßiger Bonuszahlungen ist Nissan-CEO Hiroto Saikawa zusätzlich unter Beschuss geraten: Seine Rolle in der Ghosn-Affäre ist unklar, die Geschäftszahlen sehen alles andere als rosig aus.
Wegen unrechtmäßiger Bonuszahlungen ist Nissan-CEO Hiroto Saikawa zusätzlich unter Beschuss geraten: Seine Rolle in der Ghosn-Affäre ist unklar, die Geschäftszahlen sehen alles andere als rosig aus.

Hiroto Saikawa, CEO von Nissan, soll einen zu hohen Bonus eingestrichen haben.

Selber gab er sich in der Ghosn-Affäre als Saubermann aus, entschlossen dazu, bei Nissan aufzuräumen. Carlos Ghosn wird vorgeworfen, Geld während seiner Zeit als CEO von Nissan veruntreut zu haben. Hiroto Saikawa, ehemaliger Schützling von Ghosn, erklärte, von den Machenschaften zuerst nichts gewusst, dann aber Untersuchungen eingeleitet zu haben, die das Fehlverhalten von Ghosn aufgedeckt haben. Daraufhin wurde Ghosn Ende 2017 überraschend in Tokio festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Was genau damals im Hintergrund geschehen ist, blieb weitgehend im Dunkeln. Jedenfalls traf es sich, dass Carlos Ghosn genau zu dem Zeitpunkt festgenommen wurde, als bei Nissan die Befürchtungen am höchsten waren, dass Nissan innerhalb der Allianz mit Renault und Mitsubishi die Selbstständigkeit verlieren könnte. Ghosn selber beteuert seine Unschuld in allen Anklagepunkten und sieht sich als Opfer einer Intrige.  

Wie Nikkei Asian Review berichtet, seien Saikawa durch Abrechnungstricks unrechtmäßig 443.000 Dollar zu viel an Gehalt ausgezahlt worden. Selber hätte er sich mit der Abrechnung gar nicht beschäftigt, erklärte Saikawa, das sei dem damaligen Director Gerg Kelly – ein Vertrauter Ghosns – überlassen worden, der später zusammen mit Ghosn verklagt wurde. Saikawa erklärte, dass er alle unrechtmäßig bezogenen Gelder umgehend an Nissan zurückzahlen werde und machte das von Ghosn eingeführte Kompensationssystem dafür verantwortlich, dass es überhaupt zu den fehlerhaften Auszahlungen an ihn hätte kommen können. Doch wenn das zwielichtige System über viele Jahre tatsächlich bestehen konnte, dann hat Saikawa entweder lange nichts dagegen unternommen oder tatsächlich nichts davon gewusst – beides wirft nicht gerade ein gutes Licht auf ihn.

Deshalb wackelte der Stuhl von Saikawa schon vor der neuen Bonus-Affäre. Der Investor Nippon Life Insurance hatte schon im Juni auf der Hauptversammlung dagegen gestimmt, Saikawa wieder zum Direktor zu ernennen, laut Nikkei »aufgrund von bedauerlichen Vorkommnissen«. Auch Renault dürfte kaum auf der Seite von Saikawa stehen. Nach den Informationen von Nikkei sei Saikawa auf dem Shareholder Meeting im Juni mit dem geringsten Stimmenanteil wieder zum Direktor gewählt worden. Er habe 78 Prozent erhalten, Jean-Dominique Senard, Präsident von Renault, dagegen 99 Prozent  und die anderen Kandidaten um die 90 Prozent.

Der neue Skandal gibt den Gegnern Saikawas im Nachhinein Recht. Das dürfte den Druck auf Saikawa erhöhen, zumal die Zahlen für Nissan Motors alles andere als gut aussehen.  Das operative Ergebnis ist im zweiten Quartal 2019 um 99 Prozent gefallen. In den USA und in den Schwellenländern laufen die Geschäfte schlecht. Nissan plant, 6.400 Jobs zu streichen und den Ausstoß an Autos um 600.000 Einheiten bis Ende des Finanzjahres 2022 zu kürzen.