Neuer CEO für Renault gesucht Staat lässt Ghosn fallen

Die Gerichtszeichnung stellt Carlos Ghosn in einem Gerichtssaal dar. »Euer Ehren, ich bin unschuldig«, sagte der 64-jährige sagte er am 08.01.2019 zu dem Vorsitzenden Richter.
Die Zeichnung stellt Carlos Ghosn in einem Gerichtssaal dar. Weil er vorläufig nicht freigelassen wird, will der französiche Staat als Anteilseigner, dass der Aufsichtsrat einen neuen CEO für Renault sucht.

Ghosns Tage als Renault-Chef sind gezählt: Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sieht ihn nicht mehr in der Lage, sein Amt auszufüllen.

Gegenüber dem Fernsehsender LCI sagte er: »Ich habe immer gesagt, falls er dauerhaft verhindert sein sollte, müssen wir den nächsten Schritt tun. Wir sind jetzt soweit.« Als einer der großen Aktionäre von Renault (15,01%) hat der französische Staat bisher immer hinter Ghosn gestanden und bekundet, keine Unregelmäßigkeiten in seiner Amtsführung festgestellt zu haben. Weil aber die japanischen Staatsanwaltschaft den jüngsten Vorstoß seines Anwalts, ihn auf Kaution aus der Untersuchungshaft zu entlassen, gerade abgewiesen hat, drohen Ghosn noch weitere Monate hinter Gittern. So schnell wird er seine Rolle als CEO von Renault also nicht mehr ausfüllen können.

Deshalb will Bruno Le Maire jetzt handeln: Der Aufsichtsrat von Renault müsse in den nächsten Tagen zusammen kommen und eine neue Führung für Renault zu benennen. Ob der neu zu bestimmende CEO von Renault auch den Vorsitz der Allianz mit Nissan und Mitsubishi übernehmen sollte, ließ er offen.  

Als Nachfolger werden laut der französischen Wirtschaftszeitung »Capital« Jean-Dominique Senard genannt, der an der Spitze von Michelin steht. »Le Monde« spekuliert, dass der Manager, den Le Maire erst kürzlich hoch gelobt hatte, den Aufsichtsratsvorsitz von Renault übernehmen und der jetzige Stellvertreter von Ghosn, Thierry Bolloré zum Directeur Général Exécutive berufen werden könnte.

Kann die Allianz wie bisher fortbestehen?

Bruno Le Maire möchte offenbar die bestehenden Mehrheitsverhältnisse in der Allianz Renault, Nissan und Mitsubishi nicht antasten. Renault hält an Nissan 43 Prozent der Anteile, Nissan an Renault umgekehrt 15 Prozent – allerdings ohne Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Nissan wiederum besitzt 34 Prozent der Anteile an Mitsubishi Motors.

Derzeit befinden sich laut »Le Figaro« Martin Vial, Generaldirektor der »l'Agence des participations de l'État« (APE), und Emmanuel Moulin, Direktor des »Cabinet du Ministre de l'Économie et des Finances«, in Japan, um mit Hiroto Saikawa, dem CEO von Nissan, zu einer Unterredung zusammen zu treffen.