Ghosn-Ära zu Ende Schneller Neustart überlebenswichtig für Allianz

Jean-Dominique Senard (links), Präsident des Verwaltungsrates von Renault und Thierry Bolloré, der künftig für das operative Geschäft von Renault zuständig ist. Sie folgen dem zurückgetretenen Carlos Ghosn nach.
Jean-Dominique Senard (links), Präsident des Verwaltungsrates von Renault und Thierry Bolloré, der künftig für das operative Geschäft von Renault zuständig ist. Sie folgen dem zurückgetretenen Carlos Ghosn nach.

Carlos Ghosn zurückgetreten, Renault mit neuer Führung – jetzt müssen die Beteiligten schnell entscheiden, wie es mit der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz weitergeht.

Von einem Neustart spricht Hiroto Saikawa, CEO von Nissan. »Wir begrüßen Jean-Dominique Senard in unserem Vorstand und wollen gerne mit ihm besprechen, was sich weiter verbessern lässt«, erklärte er gegenüber japanischen Medien. Renault hatte diese Woche entschieden, die Führung neu zu besetzen: Jean-Dominique Senard – bisher CEO von Michelin – übernimmt das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden von Renault und Thierry Bolloré das operative Geschäft. Als künftiger Außenminister von Renault wünscht er sich, dass das Verhältnis zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi in der Allianz so glücklich wie möglich werde. Carlos Ghosn hatte unterdessen am Donnerstag seinen Rücktritt als CEO von Renault eingereicht,  »bedingungslos«, wie der französische Zeitung »Le Figaro« erfahren haben will.

Noch ist allerdings offen, wer der neue Chef der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz werden wird.

Dass Senard jetzt – nachdem Renault relativ lange an Ghosn als CEO festgehalten hatte – durch Senard ersetzt wurde, bewertet Saikawa als einen wichtigen Schritt. Ob er sich in der Sache anders vorgehen kann und welchen Spielraum ihm der französische Staat als Anteilseigner von Renault (15 Prozent mit deutlich ehr Stimmrechten) lassen wird, ist im Moment noch nicht abzusehen. Alles sprach bisher dafür, dass Frankreich die jetzigen Machtverhältnisse in der Allianz so beibehalten wolle, wie sie vor 20 Jahren festgelegt worden waren, während Nissan sie an den aktuellen Stand der Geschäftsentwicklung anpassen möchte – und vor allem den eigenen Spielraum ausbauen will.  

Nissan plant, eine außerordentliche Aktionärsversammlung Mitte April einzuberufen. Jetzt käme es vor allem darauf an, die Verhandlungen, in welcher Form die Allianz fortgeführt wird, so schnell wie möglich zu einem Abschluss zu führen. Ob dies gelingt, ist zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch gar nicht richtig angefangen haben, kaum abzusehen.

Digitalisierung und E-Autos: schnelle Entscheidungen!

Doch die traditionelle Automobilindustrie befindet sich in einer kritischen Periode, in der die Weichen auf verschiedenen Ebenen neu zu stellen sind: Autonomes Fahren, der Umstieg auf E-Autos, die Vernetzung der Autos, die künftige Rolle des Autos in übergreifenden Mobilitätskonzepten und die Einführung neuer Geschäftsmodelle auf Basis der Digitalisierung – all dies sind Fragen, die Schnelle Antworten und Entscheidungen erfordern. Viel Zeit, um sich mit sich selber zu beschäftigen, haben die Mitglieder der Allianz nicht, auch wenn sie als größter Automobilhersteller der Welt gilt, der 2017 rund 10,6 Mio. Fahrzeuge produziert hat. Es haben sich genügend Probleme angehäuft, die gelöst werden müssen – das der guten Unternehmungsführung gehört genauso dazu wie es darum gehen muss, die Ansprüche aller Beteiligten trotz unterschiedlicher Interessen, Mentalitäten und Kulturkreise unter einen Hut zu bringen.