Neue Lidar-Sensoren Schlüsseltechnik fürs automatisierte Fahren

Der neue Audi A8 ist das weltweit erste Serienfahrzeug mit Funktionen des autonomen Fahrens der Stufe 3. Der Audi A8 ist auch das erste Serienfahrzeug, das mit einem Lidar-Sensor von Valeo ausgestattet ist.

Lidar gilt für viele als Voraussetzung, beim automatisierten Fahren Stufe 3 und höher zu erreichen, außer Tesla. Elon Musk, CEO von Tesla, hat erst vor Kurzem erneut betont, dass er automatisiertes Fahren auch ohne Lidar schafft. Radar, Kameras, Ultraschallsensoren und die entsprechenden Algorithmen sollen ausreichen.

Von Tesla abgesehen sind enorm viele Aktivitäten um Lidar zu verzeichnen. Viele OEMs, viele Tier-Ones und viele Halbleiterhersteller investieren in die Technik. Velodyne hat beispielsweise im Herbst letzten Jahres erklärt, dass die Mercedes-Benz-Forschung&Entwicklung sich für den VLP-32C Ultra Puck für die Weiterentwicklung von vollautomatischen und fahrerlosen Fahrzeugen entschieden hat. BMW hatte Anfang dieses Jahres erklärt, dass das Unternehmen künftig auf die Lidar-Systeme von Innoviz setzt.

Bosch wiederum investiert 1 Mrd. Euro in eine neue Fab in Dresden, um dort MEMS-basierte Lidar-Sensoren zu fertigen. Continental hatte 2016 die Lidar-Sensor-Division von Advanced Scientific Concepts gekauft. ZF Friedrichshafen hat sich für diese Technik bei seinem Partner Ibeo Automotive Systems eingekauft. Seit den Anfängen, als Googles erstes autonomes Fahrzeug noch mit einem Knopf – ein Lidar-System von Velodyne – auf dem Dach auf die Straße kam, ist viel passiert. Das damalige System schlug mit satten 70.000 Dollar zu Buche, kein Preis, der eine schnelle Verbreitung dieser Technik im Automobilmarkt erlaubte. Velodyne hat Anfang dieses Jahres bekanntgegeben, dass das Unternehmen den Preis für seinen derzeit populärsten Lidar-Sensor, den VLP-16, halbiert, sodass er jetzt bereits für 4000 Dollar zu haben ist. Auch wenn dieser Preis im Vergleich zum Google-Knopf schon deutlich geringer ist, er ist immer noch weit entfernt von den Kosten, die der Technik in die Masse hilft.

Ein Preis von 100 bis 200 Dollar pro System ließe den breiten Einsatz zu. Und den halten die Halbleiterhersteller für möglich, allerdings nicht mit Systemen wie von Velodyne, die mechanisch aufgebaut sind, sondern mit Sensoren auf MEMS-Basis oder Halbleitertechnik. Auf unserem Markt&Technik-Forum Automotive zeigte sich Rayk Blechschmidt, Regional Segment Manager Automotive von Microchip Technology, überzeugt, dass damit Kosten von 100 bis 200 Dollar für einen Lidar-Sensor möglich ist. Wie lange es dauert, dass Lidar-Sensoren nicht nur eine Option für Premiumfahrzeuge sind, sondern den Weg in die Masse finden, wird unterschiedlich beurteilt.

Hans Adlkofer, Vice President in der Automotive Systems Group bei Infineon Technologies, nimmt die Erfahrung aus dem Radarbereich als Grundlage für seine Einschätzung: »Bei Lidar haben wir die gleiche Aufgabe wie bei Radar vor zehn Jahren. Damals kostete ein Radarsystem 1000 Euro, jetzt gibt es keinen Polo mehr, der Radar nicht in der Optionsliste hat. Das wird auch mit Lidar passieren. Nicht 2020, aber die Lernkurve wird auch hier durchschritten.«

Philippe Prats, Director of Marketing Automotive Digital Products EMEA bei STMicroelectronics, wiederum ist überzeugt, dass sich Lidar bereits 2020 als Standard etabliert haben wird. Aber eines ist sicher: Lidar kommt. Was die Halbleiterhersteller zum Thema Security denken und inwieweit es zu einer Konsolidierung der Bussysteme im Fahrzeug kommt, können Sie nächste Woche in unserem Trend-Guide „Halbleiter“ lesen.