Lilium spricht mit SBB Per Lufttaxi vom Bahnhof ans Ziel

So könnte ein Landeplatz für Lufttaxis in der Stadt aussehen. In München plant die Bahn für den neuen Bahnhof bereits Landeplätze ein, die Schweizer SBB ist jetzt mit Lilium in Kontakt, um ein ähnliches Konzept in der Schweiz zu verfolgen.
So könnte ein Landeplatz für Lufttaxis in der Stadt aussehen. In München plant die Bahn für den neuen Bahnhof bereits Landeplätze ein, die Schweizer SBB ist jetzt mit Lilium in Kontakt, um ein ähnliches Konzept in der Schweiz zu verfolgen.

Die Bahngesellschaft SSB ist mit der deutschen Lilium in Kontakt, um Passagiere von Bahnhöfen mit Flugtaxis an ihr Ziel bringen.

Das berichtet die Schweizer »SontagsZeitung«. Die Firma Lilium hat bereits einen Prototypen der neuartigen Flugobjekte entwickelt. Die SBB habe sich beim Bundesamt für Zivilluftfahrt über die rechtlichen Möglichkeiten eines Flugtaxi-Betriebes erkundigt. Die Fluggeräte mit Platz für fünf Personen sollen Passagiere direkt an Bahnhöfen abholen und an ihr Ziel bringen. Wie ein SBB-Sprecher sagte, hätten Lilium und SBB eine Absichtserklärung unterzeichnet.

In Deutschland hatte die Deutsche Bundesbahn im Sommer  vergangenen Jahres bekannt gegeben, für den neuen Bahnhof im Zentrum Münchens Lufttaxi-Landeplätze einplanen zu wollen. Ministerpräsident Söder erklärte, er könne sich gut vorstellen, dass Lufttaxis zum Einsatz kommen könnten und sprach von einer »neuen Epoche«.

Flugtaxi nicht teurer als heutiges Autotaxi

Der in Gilching bei München beheimatete, 2015 gegründete  Start-up Lilium hat ein völlig neues, auf elektrische Flugtaxis optimiertes Konzept entwickelt. Damit will Lilium – Investoren sind unter anderem Tencent und Freigeist – den Verkehr nicht nur innerhalb von Städten sondern auch zwischen Städten auf längere Distanzen revolutionieren: Die Reichweite liegt bei 300 km. Außerdem entwickelt Lilium neben dem Fluggerät selber auch die gesamte Service-Infrastruktur drum herum.

Das Flugtaxi von Lilium verhält sich nur beim Start wie eine Drohne, dann sind die 36 elektrischen Turbofan-Engines an den Flügeln nach oben gerichtet. Ist es aufgestiegen, schwenken sie und treiben es wie ein konventionelles Flugzeug voran – bis 300 km/h schnell. Weil die Elektromantelpropeller schwenkbar sind, ist das Flugzeug sehr wendig, Seiten- und Höhenruder sind nicht erforderlich. »Der Antrieb frisst gegenüber drohnenähnlichen Fluggeräten um 90 Prozent weniger Energie, im normalen Flugmodus liegt der Verbrauch pro km nicht über dem von E-Autos«, sagt Daniel Wiegand, CEO und Mitgründer von Lilium. »Ein Flug im Flugtaxi wird nicht mehr kosten als eine heutige Taxifahrt im Auto, aber fünf Mal schneller sein.« Fünf Mal schneller – das entspricht dem Umstieg vom Fahrrad aufs Auto!

Zuviel Euphorie – zu wenig Realismus?

Doch ist das alles wirklich realistisch? Wo es schon bei elektrisch betriebenen Autos große Schwierigkeiten gibt – vor allem wegen des Gewichts und der Reichweite der Batterien?

Entscheidend ist das Leistungsgewicht der Motoren: Wie viel Masse hat der E-Motor pro kW mechanische Dauerleistung, die er liefert? Gute E-Motoren für die Industrie erreichen 1 kW/kg. Motoren für Züge und e-Autos liegen bereits bei 2 kW/kg. Es gibt bereits Motoren mit 5 kW/kg, wie ihn Siemens schon vor drei Jahren entwickelt hat:  
Er liefert bei einem Gewicht von 50 kg rund 260 kW mechanische Dauerleistung. Weitere Verbesserungen sind auf dem Weg.

Doch zurück zur Schweiz: Laut der Schweizer Zeitung »20 Minuten« stößt das Vorhaben der SBB auf breite Kritik. Im Verkehrsdepartement werde befürchtet, dass die Bahn mit solchen Projekten ihre Prioritäten aus den Augen verliere. Und Verkehrspolitiker würden kritisieren, es sei irritierend, wie stark sich die SBB von ihrem Kernauftrag entferne.