Viele ungelöste Fragen Nissan setzt sich gegen Renault durch

Jean-Dominique Senard (links), Präsident des Verwaltungsrates von Renault und Thierry Bolloré, der künftig für das operative Geschäft von Renault zuständig ist. Sie folgen dem zurückgetretenen Carlos Ghosn nach.
Jean-Dominique Senard (links), neuer Chairman der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi macht, was in solchen Situationen üblich ist: Er blickt in die Zukunft und will das Vergangene hinter sich lassen. Chairman von Nissan wird er nicht und die Fragen innerhalb der Allianz sollen im Konsens geklärt werden. Thierry Bolloré (rechts) ist als CEO von Renault ebenfalls Mitglied des Boards, genauso wie Hiroto Saikawa, CEO von Nissan Motor, und Osamu Masuko, Chairman von Mitsubishi Motors.

Konsens-basierte Entscheidungsfindung statt einem übermächtigem Alleinentscheider – so soll die neue Führungsstruktur der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz funktionieren.

Auf einer Pressekonferenz am Hauptsitz von Nissan haben das Thierry Bolloré, CEO von Renault, Jean-Dominique Senard, Chairman von Renault, Hiroto Saikawa, CEO von Nissan Motor, und Osamu Masuko, Chairman von Mitsubishi Motors, bekannt gegeben. Diese vier Mitglieder des neuen »Board-of the Alliance« würden künftig gemeinsam Entscheidungen fällen. Auch wenn Senard als Chairman fungiere, wollen die übrigen Partner seien Rolle als Gleicher runter Gleichen sehen. Selber hat er erklärt, nicht die Position des Chairman von Nissan anstreben zu wollen. Eine Autorität wie Ghosn soll Senard also bei Nissan nicht und auch nicht in der Allianz erlangen.

Das hörst sich sehr japanisch an und es sieht so aus, dass das Management von Nissan sein Ziel erreicht hat, aus dem Schatten von Renault herauszutreten anstatt, wie offenbar im vergangenen Jahr befürchtet, zu einem unselbstständigen Anhängsel zu werden. Allerdings hat die Affäre Gräben aufgerissen und im Jubiläumsjahr der Allianz – am 27. März wird sie 20 Jahre alt – wird noch viel Diplomatie gefragt sein, um die unterschiedlichen Interessen auszubalancieren.  

Doch dürfte der Umbruch in der Automobilindustrie den Akteuren so nebenbei eben so manche schnelle Entscheidung abverlangen. Ghosn – dem ein Gericht die Teilnahme am Board-Meeting am kommenden Donnerstag untersagt hatte – ließ jedenfalls postwendend verlauten, dass die Allianz seiner Einschätzung nach jetzt einer starken Führung bedürfe.

Die Allianz muss arbeitsfähig werden

Aktuell steht die Allianz nach dem unfreiwilligen Ausscheiden von Carlos Ghosn vor dem Problem, wieder arbeitsfähig werden zu müssen. Nikkei Asian Review etwas weist darauf hin, dass offenbar keine Einigkeit über die Beschaffung der Batterien für E-Autos bestünde. Über gemeinsame Einkaufsstrategien könnten Kosten gespart werde, was der eigentliche Sinn einer Allianz ist. Bisher war Renault für die Batterieeinkauf zuständig, gilt aber bei den Partnern nicht gerade als Vorreiter im Sektor der Elektrofahrzeuge. Deshalb ginge Mitsubishi bei der Beschaffung der Batterien bereits eigene Wege.

Auch dass Daimler im Bereich der autonomen Fahrzeuge plötzlich mit BMW mit zusammen arbeiten will, wird als Verfallstendenz gewertet, weil Daimler über die vergangenen zehn Jahre eng mit Nissan und Renault kooperiert hatte. Ohne Ghosn sehe die Zukunft für die Kooperation eher trüb aus, mit diesen Worten zitiert Nikkei einen Nissan-Manager.