Gewinn bricht ein Nissan schwächelt – und will selbständig bleiben

CEO Hiroto Saikawa gibt im Hauptquartier von Nissan bekannt, dass Umsatz und Gewinn im Finanzjahr 2018 zurückgegangen sind.
CEO Hiroto Saikawa gibt im Hauptquartier von Nissan bekannt, dass Umsatz und Gewinn im Finanzjahr 2018 zurückgegangen sind.

Der Umsatz von Nissan ist zum ersten Mal seit zehn Jahren unter den von Renault gefallen – das schwächt die Verhandlungsposition gegenüber Renault.

Der operative Gewinn brach im Finanzjahr 2018 um 45 Prozent auf 318,2 Mrd. Yen (2,91 Mrd. Dollar) ein. Renault hatte den eigenen Gewinn 2018 auf 4 Mrd. Dollar beziffert. Die Gewinnmarge lag mit 2,7 Prozent unter der von Renault (6,3 Prozent) und von Mitsubishi Motors (4,4 Prozent).

Der Umsatz fiel gegenüber dem Finanzjahr 2017 von 11,95 Brd. Yen auf 11,6 Brd. Yen. Für 2019 sind die Aussichten weiterhin trüb:  Nissan rechnet mit 11,3 Brd. Yen Umsatz und einem operativen Gewinn von 230 Mrd. Yen. Die Dividende soll von jetzt 57 auf 40 Yen je Aktie fallen. Das dürfte Renault mit seinem Anteil von 43 Prozent wenig gefallen. Hi­ro­to Sa­ika­wa sieht die Strategie des früheren Verwaltungsratsvorsitzenden Carlos Ghosn gescheitert, um jeden Preis Marktanteile gewinnen zu wollen. Er stand allerdings über viele Jahre im Management von Nissan an der Seite von Ghosn und galt sogar als sein Ziehsohn.  

Im Geschäftsjahr 2019 werde laut Saikawa die Talsohle für Nissan erreicht, danach gehe es wieder aufwärts. Seine Strategie besteht darin, sich auf die technischen Stärken zu konzentrieren, die existierenden Modelle zu verbessern und in neue zu investieren. Außerdem sollen 4.800 Arbeitsplätze wegfallen.

USA-Geschäft leidet – Europa auch

Der Einbruch liegt vor allem am Geschäft in den USA, wo Nissan hohe Preisnachlässe gewährt, denn Ghosn hatte die Strategie verfolgt, so viel Autos wie möglich zu verkaufen. Unter seiner Regie war die Zahl auf 6 Mio. gestiegen, im Finanzjahr 2018 fiel sie auf 5,51 Mio. und soll weiter auf 5,4 Mio. Einheiten im Finanzjahr 2019 sinken.

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2018 führt Nissan auf das globale ungünstige Geschäftsklima im allgemeinen und im Besonderen auf die Kosten zurück, um die Qualität des Verkaufs in den USA zu verbessern. Allein dort ist die Zahl der verkauften Autos 2018 um 9,3 Prozent auf 1,44 Mio. Einheiten zurückgegangen.

In Japan hat Nissan die Zahl der verkauften Autos um 2,1 Prozent auf 596.000 Stück gesteigert, in China um 2,9 Prozent auf 1,56 Mio. Einheiten.  

In Europa musste Nissan einen Einbruch um 17,8 Prozent auf 536.000 Stück hinnehmen, dagegen stieg die Zahl der verkauften Autos in Russland um 2,6 auf 107.400 an. Im Rest der Welt verkaufte Nissan 815.000 Autos (-0,4 %).

Innerhalb der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi war Nissan bisher sehr selbstbewusst aufgetreten, weil das Unternehmen sich in der Position des Stärkeren sah, der mehr Umsatz und Gewinn eingefahren hatte als Renault. Deshalb hätte Nissan aus eigener Sicht eine selbständigere Rolle in der Allianz zukommen müssen, als sich dies in den aktuellen Mehrheitsverhältnissen mit dem Renault-Anteil von 43 Prozent ausdrückt.

Doch Renault drängte auf eine engere Integration Nissans. Dass Carlos Ghosn in Japan festgenommen wurde und ihm Untreue gegenüber Nissan vorgeworfen wird, sieht er als Komplott gegen ihn an, den das Management von Nissan angezettelt habe, um für die Selbständigkeit von Nissan zu kämpfen. Er sei Opfer einer Intrige geworden und bestreitet alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

Auch unter dem neuen Management mit Verwaltungsratsvorsitzendem Jean-Dominique Senard an der Spitze wäre Renault ein Merger mit Nissan am liebsten. Nissan-CEO Hiroto Saikawa ist weiterhin dagegen, weil die Stärken von Nissan dann nicht zum Tragen kämen.