Senard setzt Zeichen Neue Ziele für Nissan und Allianz

Jean-Dominique Senard, Präsident von Renault, will die Wogen in Japan nach der Ghosn-Affäre glätten.
»Solange ich die Freiheit habe, das zu tun, was ich tun muss«, sei alles in Ordnung, erklärt Jean-Dominique Senard, Chairman von Renault und Präsident der Allianz Renault-Nissan-Mistubishi.

Die Allianz Renault Nissan Mitsubishi setzt sich neue Ziele, der Aufsichtsratsvorsitzende stellt 14 Millionen Autos bis 2022 in Frage.

Damit setzt sich Jean-Dominique Senard, der Carlos Ghosn als Aufsichtsratsvorsitzender von Renault und an der Spitze der Allianz abgelöst hat,  von seinem Vorgänger ab. Nicht weniger stünde zur Debatte, als den Zweck der Allianz neu zu definieren.

Er bemüht sich offenbar, die Risse zwischen Nissan und Renault, die während der Affäre Ghosn ans Tageslicht gekommen waren, zu kitten. Dazu gehört, dass er Ghosn nicht an der Spitze von Nissan nachfolgen will. Allerdings wird erwartet, dass er als Direktor im Aufsichtsrat von Nissan wirken wird.    

Senard erklärte in einem Interview mit Le Figaro und Nikkei Asian Review, dass die Ziele über die nächsten Monate auf Basis der Realitäten neu gesetzt werden sollten. Ghosn wollte vor allem die weltweiten Verkaufszahlen drastisch steigern: Von 2016 bis 2022 sollte die Zahl der verkauften Autos von Nissan um nicht weniger als 40 Prozent weltweit auf 14 Millionen Stück steigen.  

Nach den Worten Senards stünde ein Merger zwischen Nissan und Renault nicht auf der Tagesordnung. Seine Priorität bestünde darin, die Effizienz der Allianz zu stärken. Er bestritt nicht, dass die französische Regierung als Anteilseigner von Renault eigene Interessen verfolge. Seiner Meinung nach verstünde aber Paris, dass es nicht Zielführend sei,  einen Merger vorantreiben zu wollen. Er habe keine Probleme damit, dass die französische Regierung ein Wort mit spreche, »solange ich die Freiheit habe, das zu tun, was ich tun muss.«

Jetzt ginge es darum, den Wirkungsgrad der Zusammenarbeit unter wechselseitigem Respekt – sowohl der Unternehmen als auch der Kulturen –  zu maximieren.

Dazu gehört offenbar auch, sich von den ehrgeizigen Verkaufszielen – manche sprechen von unrealistisch – zu verabschieden. Erforderliche Investitionen in die Werke von Nissan in Japan seien vernachlässigt worden. Qualitätsprobleme waren die Folge. Dagegen bläst dem Unternehmen in den USA und in China gerade der Wind ins Gesicht, Märkte, auf die Ghosn die Schwerpunkte gelegt hatte, um dort zu wachsen. Im Finanzjahr bis März 2019 wird er Gewinn von Nissan voraussichtlich um 45 Prozent auf 3,7 Mrd. Dollar einbrechen. Renault erzielt  rund die Hälfte seines Gewinns über Nissan.