E-Motoren bis 300 kW bei 48 V Neue Motoren revolutionieren E-Mobilität

Jetzt kommt es auf die Industrialisierung an

Dass das gesamte ISCAD-Konzept funktioniert, zeigt Volabo am Beispiel eines Demofahrzeugs, den das Unternehmen mit einem Prototypen der vierten Generation ausgestattet hat. Der 48-V-Motor liefert eine Leistung von 110 kW. Mit einer Länge von nur 33 cm ist der gesamte Motor inklusive der zugehörige Elektronik, also dem Umrichter mit Steuereinheit, sehr kompakt untergebracht, wie Patzak erklärt: »So erzielen wir eine hohe Leistungsdichte und die Antriebseinheit lässt sich gut an der Achse verbauen, wie wir am Beispiel des Touran gezeigt haben.«

Jetzt steht der Übergang von der Prototypenentwicklung in die Serienfertigung bzw. die Industrialisierung an. Anfragen kommen laut Patzak aus vielen verschiedenen Sektoren. Selbstverständlich aus dem Automobilbereich, aber auch dem Offroad-Sektor, beispielsweise Gabelstapler, sowie von Firmen, die elektrische Flugzeuge bauen, bis zu Bootsbauern, die auf elektrische Antriebe setzen.

Speziell für E-Autos kommt noch eine weitere Hürde hinzu: die Ladeinfrastruktur. Insbesondere die an den Autobahnen vorgesehenen Schnellladestationen für die Hochvolt-Autos können die mit den Motoren von Volabo ausgestatteten Fahrzeuge nur mit Spannungswandlern nutzen. Deshalb zielt Volabo mit seinen Antriebssystemen zunächst auf Fahrzeuge, die vorwiegend in Städten genutzt werden. Auch schwere Fahrzeuge wie Lastwagen kämen in Frage, nicht nur solche, die Batterien nutzen, sondern auch Fahrzeuge, die ihre Energie von Brennstoffzellen erhalten. Große Vorteile böten die Motoren auch in hybriden E-Fahrzeugen.

Einen interessanten Markt, um schnell in Stückzahlen zu kommen, sieht Patzak in den Bootsantrieben, einfach weil hier die Zertifizierungshürden am geringsten sind. Innerhalb von 18 Monaten wäre es möglich, in die Serienfertigung zu gehen. Im Automobilsektor dauere dies mindestens drei Jahre.

Patzak ist jedenfalls überzeugt, dass das Unternehmen nun kurz vor dem Abheben steht, was im Firmennamen (Volabo, lateinisch für „ich werde fliegen“) optimistisch vorweggenommen ist. Und wenn die Motoren einmal in E-Flugzeugen zum Einsatz kommen sollten, dann hätte sich der Firmenname gleich in zweifacher Hinsicht bestätigt.

Volabo
Volabo, für die derzeit zwölf feste Mitarbeiter und zahlreiche Werkstudenten und Praktikanten arbeiten, finanziert sich bisher aus Projekten rund um ISCAD. Insgesamt 14 dieser Projekte hat das Unternehmen in den drei Jahren seines Bestehens für OEMs und Zulieferer in der Industrie durchgeführt, darunter für Knorr-Bremse und ZF. Über die jetzt startende Industrialisierungsphase will das Unternehmen nun auch Investoren einbinden.