Automotive-Trends 2019 Mobilität neu definiert

Mobil zu sein bedeutete lange einfach, ein eigenes Auto zu besitzen. Neue Mobilitätskonzepte stellen dieses Prinzip grundsätzlich in Frage und setzen auf Gebrauch statt Besitz. Gerade auch Startups aus Israel treiben diese Entwicklung voran.

Wenn es um Themen wie Elektromobilität, autonomes Fahren oder die Vermittlung privater Mitfahrgelegenheiten (Ride Hailing) geht, dominieren vor allem US-amerikanische Firmen die Schlagzeilen: Tesla, Google und Uber sind weltweit bekannte Marken, die oft stellvertretend für eine gesamte technologische Entwicklung genannt werden. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet hat sich aber auch in Israel eine High-Tech-Szene mit dem Fokus auf Smart Mobility entwickelt. Eine aktuelle Roland-Berger-Studie („Israel’s automotive and smart mobility industry“) nimmt das von Startups geprägte „Silicon Wadi“ in und um Tel Aviv unter die Lupe und analysiert, wie sich die Mobilität der Zukunft entwickeln wird.

Investitionen in Milliardenhöhe

Laut der Studie gibt es in Israel aktuell mehr als 550 Startups, die in den Bereichen Shared Mobility, Flottenmanagement, Big Data für das Transportwesen, vernetzte Fahrzeuge, autonomes Fahren und E-Mobilität aktiv sind. Rund 22 Milliarden Dollar haben Investoren in den letzten fünf Jahren für solche Projekte bereitgestellt – mit zum Teil beachtlichem Erfolg. Intel etwa hat 2017 das auf kamerabasierte Fahrerassistenzsysteme spezialisierte Unternehmen Mobileye mit gerade einmal rund 600 Mitarbeitern für mehr als 15 Milliarden Dollar gekauft. Das 1999 in Israel gegründete Startup konnte sich eine marktbeherrschende Stellung in einem für das automatisierte Fahren besonders relevanten Bereich erarbeiten.

Google wiederum hat sich schon 2013 für 1,15 Milliarden Dollar Waze geschnappt: Rund 70 Prozent der in Google Maps verwendeten aktuellen Verkehrsdaten stammen inzwischen von dem 2007 gegründeten Navigationsdienst. Auch deutsche Automobilhersteller investieren in Israel. BMW etwa unterstützt das Startup Moovit. Mehr als 300 Millionen Nutzer in über 80 Ländern verwenden die Plattform für urbane Mobilität. Und Daimler hat sich mit Valens verbündet, um deren ursprünglich für HD-Multimedia-Anwendungen entwickeltes Übertragungsverfahren auch im Auto zu nutzen.

Neben den OEMs haben auch die großen Zulieferer ein Auge auf die israelische Startup-Szene geworfen: Harman übernahm 2015 den Over-the-Air-Update-Spezialisten Redbend, Continental 2017 die IT-Sicherheitsfirma Argus Cyber Security. Magna wiederum ist eine enge Partnerschaft mit Innoviz eingegangen, die Lidar-Sensoren auf Solid-State-Basis produzieren. Allein die bereits erwähnten Beispiele zeigen, wie breit Israels Startups im Automotive-Bereich aufgestellt sind. Die Roland-Berger-Studie nennt weitere interessante aufstrebende Unternehmen. Dazu gehören etwa City Transformer (faltbares Elektroauto), Storedot (schnell aufladbare Batterien), Cognata (Testsimulation für autonome Fahrzeuge), Arbe Robotic (hochauflösendes Radar), Fleetonomy (KI-basiertes Flottenmanagement) oder Aurora Labs (selbstheilende Software und OTA-Updates).