Thomas Rudel, CEO von Rutronik »Mit aktueller Mobilfunkleistung kein autonomes Fahren!«

Thomas Rudel, Rutronik

»Bei der aktuellen Mobilfunkleistung ist autonomes Fahren nicht zu machen!  Und ich gehe auch nicht davon aus, dass sich das bald ändern wird.«
Thomas Rudel, Rutronik: »Bei der aktuellen Mobilfunkleistung ist autonomes Fahren nicht zu machen! Und ich gehe auch nicht davon aus, dass sich das bald ändern wird.«

Thomas Rudel, CEO von Rutronik, im Gespräch über die aktuellen Automotive-Trends, Nachholbedarf bei Infrastrukturen und den Bauelemente-Markt.

Markt&Technik: Auf der electronica ist Automotive eines von zwei Highlight-Themen. Auch bei Rutronik spielt Automotive eine zentrale Rolle: Der größte Teil des Umsatzes entfällt auf diesen Markt und Sie haben eine eigene Automotive Business Unit. Wie ist Ihre Einschätzung zu den aktuellen Entwicklungen in diesem Segment?

Thomas Rudel: Die wichtigsten Themen, wie wir sie auch beim ersten von Rutronik durchgeführten Automotive-Kongress diskutiert haben, sind natürlich autonomes bzw. teilautonomes Fahren und Elektromobilität. Die Dieseldebatte ist ja nach wie vor in vollem Gange, dabei wird der schädliche Einfluss von Dieselfahrzeugen auf das Klima und die Gesundheit ziemlich überzogen dargestellt. Wenn Sie nur daran denken, dass allein die 15 größten Containerschiffe der Welt so viele Schadstoffe ausstoßen wie 750 Millionen Autos, wird das schnell klar. Auch vom Schadstoffausstoß der Benziner, die für einen großen Teil der Feinstaubbelastung verantwortlich sind, wird kaum gesprochen.

Sehen Sie die Elektromobilität als Lösung?

Bedingt. Die Elektromobilität ist eine zukunftsfähige Alternative, aber kein Allheilmittel. Denn mit der Entsorgung der hochgiftigen Batterien kommt ein anderes Problem auf uns zu. Wenn wir keine Lösung für das Recycling finden, stehen wir beim Thema Entsorgung in einigen Jahren oder Jahrzehnten vor einer ähnlichen Debatte wie jetzt bei der Schadstoffbelastung.

Eine Hürde ist auch noch die fehlende Energieinfrastruktur, die ja auch alle technologischen und sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllen muss. Ich gehe davon aus, dass das noch 15 bis 20 Jahre dauern wird.

Wie ist Ihre Prognose zum zweiten Thema, das Sie angesprochen hatten: das (teil-) autonome Fahren?

Die Hersteller haben ja schon viele sehr ausgereifte Assistenzsysteme umgesetzt. Wenn es aber um das autonome Fahren geht, brauchen wir auch hierfür zuerst die nötige Infrastruktur, in dem Fall ein Telekommunikationsnetz. Aber hier sieht es in Deutschland eher aus wie in einer Bananenrepublik. Bei der aktuellen Mobilfunkleistung ist autonomes Fahren nicht zu machen! Und ich gehe auch nicht davon aus, dass sich das bald ändern wird – auch wenn die Politik das Jahr für Jahr verspricht. Dazu kommen Sicherheitsbedenken, dass Hacker die Kontrolle über ein Fahrzeug übernehmen können. Hierfür gibt es noch keine Lösung, die ausreichende Sicherheit bietet. Eine Möglichkeit wären Systeme, die über Redundanz vor Manipulationen schützen, wie zum Beispiel Paravan. Die Firma baut behindertengerechte Fahrzeuge und hat ein Fahrzeugbetriebssystem mit aktiver Multi-Redundanz entwickelt.

Immer noch aktuell ist die Versorgungssituation bei den passiven Bauelementen. Wie wirkt sich das bei Rutronik und bei Ihren Kunden aus?

Rutronik hat bei den passiven Bauelementen eine Top-Position in Europa. Durch unsere starken, langjährigen Lieferantenbeziehungen konnten wir selbst im Allokationsjahr 2017 rund 70 Milliarden passive Bauelemente ausliefern, 2018 werden es rund 85 Milliarden sein. Das zeigt auch, dass wir trotz Allokation sogar die Kunden beliefern konnten, die ihre Mengen in der Vergangenheit nicht ausschließlich bei Rutronik bezogen haben. Unsere erste Priorität ist es allerdings, dass unsere bestehenden Kunden ihre Fertigung aufrechterhalten können. Denn bedenken Sie: Auch wenn die Preise noch viel weiter steigen, ist die Distribution von Passiven kein rentables Geschäft, sondern eine Serviceleistung für unsere Kunden.

Trotz solcher Serviceleistungen ist Ru­tronik weltweit sehr erfolgreich, das Unternehmen ist in Europa Nummer drei, weltweit Nummer elf.

Ja, das stimmt, und darauf sind wir auch sehr stolz – und auf unsere Mitarbeiter weltweit, die fantastische Leistungen gebracht haben, um das möglich zu machen. Der Erfolg zeigt, dass unsere Strategie stimmt, und ist ein Ansporn, auch weiterhin unser Bestes zu geben. Natürlich hat Rutronik auch vom allgemeinen Wachstum im Bauelemente-Markt profitiert, doch in einigen Bereichen konnten wir schneller wachsen als unsere Wettbewerber. Dazu trägt auch unsere stetige und nachhaltige Expansion in neue Märkte in Amerika, Asien und in ganz Europa bei. Hinzu kommt unsere Unabhängigkeit: Als Familienunternehmen können wir Entscheidungen schnell treffen – das macht uns außergewöhnlich flexibel. Vor allem in Zeiten mit derart kurzen Entwicklungs- und Innovationszyklen sowie Marktverschiebungen ist das ein unschlagbarer Vorteil.

Rutronik, Halle C3, Stand 312; Halle C4, Stand 434