Neue Marktzahlen Lidar bleibt Liebling der Investoren

Eine neue Lidar-Lösung von LeddarTech ermöglicht die Nahfeldüberwachung etwa von autonomen Shuttles ohne toten Winkel.

Keine andere Sensortechnologie im Automotive-Bereich regt die Fantasie von Finanzinvestoren so an wie das Light-Detection-and-Ranging-Verfahren, kurz: Lidar. Allein in den vergangenen 24 Monaten summierten sich die Investitionen laut Woodside Capital Partners auf rund 760 Millionen Dollar.

Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum flossen mit 321 Millionen Dollar weniger als die Hälfte in den Bereich Kameras und gerade einmal 61,8 Millionen Dollar in den Radar-Sektor. Inzwischen tummeln sich über hundert Lidar-Firmen auf dem Markt – mit sehr unterschiedlichen technischen Ansätzen.

Grundsätzlich basiert das Lidar-Verfahren auf der Auswertung reflektierter Lichtstrahlen zur räumlichen Darstellung der Fahrzeugumgebung. Doch schon bei der Wahl der Lichtquelle konkurrieren zwei verschiedene Lager: Die Mehrheit der Unternehmen setzt auf die günstigere CMOS-Technik, die mit infrarotnahen Frequenzen im Bereich von 830 nm bis 940 nm arbeitet. Alternativ kommt ein meist auf InGaAs-Halbleitern basierendes Verfahren mit kurzwelligem Infrarot im Bereich zwischen 1000 nm und 1600 nm zum Einsatz. Noch größer sind die Unterschiede bei der Umgebungserfassung: anfangs per Rotation, zunehmend auf Flash- oder MEMs-Basis oder mit innovativen mechanischen Scan-Elementen.

Anspruchsvolle Fahrerassistenzsysteme bis hin zur Hochautomatisierung sollen laut IHS Markit den Bedarf bis zum Jahr 2025 auf fünf Millionen mit Lidar ausgestattete Fahrzeuge hochtreiben. Dies setzt allerdings deutlich sinkende Stückkosten bei Lidar-Sensoren voraus. Als Zielwert nennt IHS einen Preispunkt von 200 Dollar, der jedoch nur mit bestimmten Verfahren erreichbar sei. Konkret haben die Markforscher drei Sensorarten analysiert: Bei einem 905-nm-Lidar mit mechanischem Scan-Verfahren soll sich der Stückpreis von aktuell rund 1500 Dollar bis 2025 auf 600 Dollar verringern, bei einem 1550-nm-System ebenfalls mit mechanischem Scan-Verfahren von 1200 auf 620 Dollar. Lediglich für ein 905-nm-Lidar mit elektronischem Scan-Verfahren rechnet IHS mit einem Sinken des Stückpreises von aktuell 590 Dollar unter die 200-Dollar-Schwelle bis 2025.

Welche der zahlreichen konkurrierenden Technologien sich letztendlich durchsetzen werde, sei jedoch noch vollkommen offen. Zudem betrachtet man bei IHS „Imaging Radar“, also hochaufgelöstes bildgebendes Radar, als einen potenziellen Konkurrenten: Zukünftig könnten auch Radarsysteme in der Lage sein, eine exakte räumliche Darstellung der Fahrzeugumgebung zu ermitteln und so zusätzliche Lidar-Sensoren überflüssig machen.

Aktuell dominieren jedoch die Neuvorstellungen auf Lidar-Basis. So präsentierte etwa LeddarTech im Rahmen einer AutoSens-Veranstaltung in Brüssel Mitte September mit „Leddar Pixell“ ein System zur Nahfelderfassung ohne toten Winkel: Der kompakte Sensor eignet sich etwa zum Einsatz in autonomen Shuttle-Fahrzeugen. Ein entsprechendes Demonstrationsfahrzeug hatte LeddarTech gleich mit nach Brüssel gebracht. Dort stellte u.a. auch AEye aus, die bei ihrem „Dynamic Vixel“-System die Signale einer 2D-Kamera und eines 3D-Lidars dynamisch in Echtzeit integrieren und so die Vorteile beider Technologien kombinieren wollen. Beim deutschen Unternehmen Blickfeld wiederum ging es um einen MEMS-basierten Lidar-Sensor mit im Vergleich zu anderen Systemen deutlich größeren Mikrospiegeln. Diese sollen für ein erweitertes Sichtfeld und eine höhere Robustheit sorgen und dabei gleichzeitig durch einen vereinfachten Fertigungsprozess kostengünstiger zu produzieren sein.

Noch herrscht also eine gewisse Unübersichtlichkeit am Lidar-Markt, doch für die Zukunft wird allgemein eine Konsolidierung der Branche erwartet.