Viel mehr als nur Innenbeleuchtung  ISELED stößt in neue Märkte vor 

Das Ökosystem rund um die ISELED-Technik 
Das Ökosystem rund um die ISELED-Technik 

Ein neuer Feldbus für Lighting im Auto und ein dynamisches Backlight-System für LCDs – ISELED geht auf der electronica in die Offensive.

Die ISELED-Technik bietet viel Potenzial für neue Ideen und die Mitglieder der ISELED Alliance entwickeln Konzepte, die weit über das ursprüngliche Ziel hinausgehen, ein kosteneffizientes Konzept für die Innenbeleuchtung von Autos zu schaffen. Auf der Pressekonferenz der ISELED Alliance zeigten Vertreter von Melexis, Osram, Microchip, Magna/OLSA und BMW, warum sie auf ISELED setzen und wie sie die Technik weiterentwickeln wollen. 

Besonders für die Rückbeleuchtung von LCDs eignet sich ISELED, denn mit den digitalen LEDs können sehr schnell selektiv Regionen auf dem Bildschirm dynamisch angesteuert werden – in Abhängigkeit von den jeweils gezeigten Bildinhalten. Das fehlte der bisherigen LCD-Hintergrundbeleuchtung: Weil sie sich nicht auf den jeweiligen Bildinhalt adaptieren ließ, war der Kontrast nicht besonders hoch, sodass hier die OLEDs ihren Vorteil voll ausspielen konnten. Die Anwender mussten deshalb ihre bekannten Nachteile – vor allem den hohen Preis – in Kauf nehmen. Weil sich mit ISELED der Kontrast der LCDs deutlich verbessern lässt, entfiele dieser Nachteil gegenüber den OLEDs künftig. »Keine andere Technik kann das«, sagt Markus Klein, General Manager Automotive Interior von Osram Opto Semiconductors. Hier eröffne sich ein weiteres interessantes Feld für ISELED.Ein Prototyp ist bereits auf dem Stand von Inova auf der electronica zu sehen. »Das ist die Symbiose von LEDs und Displays«, freut sich Roland Neumann, CTO und Executive VP von Inova. »Der Display-Inhalt wird über APIX übertragen und die Echtzeitberechnung für die Steuerung der Beleuchtung erfolgt über dieselbe Schnittstelle, weil die Berechnung direkt auf den Bilddaten basiert. So können kosteneffektiv dynamische Hintergrundbeleuchtungen aufgebaut werden, Licht- und Bilddaten wachsen über APIX und ISELED zusammen.« 
 

Ein neuer Bus fürs Auto 

Michael Bender, Product Line Manager Embedded Lighting von Melexis, hat die ISELED-Technik als Basis für einen neuen Bus im Auto vorgeschlagen, „In-Vehicle Light Network“ genannt. Auch Sensoren sollen unter dem Schlagwort „Sensor and Light Fusion“ einbezogen werden; die Vernetzung mit Aktoren sei genauso denkbar. 

Roland Neumann spricht vom „ISELED Communications Network“ (ICN), das mit einer Übertragungsrate von 2 bis 4 Mbit/s die Lücke zwischen LIN und CAN füllen soll: »Die Himmelbeleuchtung im Auto und die Integration von Sensoren und Aktoren benötigen die einfache Kommunikation über Kabel; deshalb sind wir gerade dabei, ICN zu entwickeln. Prototypen erwarten wir im zweiten Quartal 2019.«

Derzeit ist LIN noch der Bus der Wahl für die Ansteuerung der Umgebungsbeleuchtung. Mit der Elektrifizierung der Autos, dem autonomen Fahren und der stark wachsenden Anzahl der LEDs pro Auto aber würde sich laut Bender ISELED anbieten, einen neuen Feldbus im Auto zu etablieren, der die Verbindung zwischen den Subsystemen herstellt. Dazu müsste ISELED dieselbe Zuverlässigkeit erreichen, wie sie von den LIN- und CAN-Bussen bekannt ist. Dann könnte die Beleuchtung im Auto aber ganz neue Funktionen übernehmen; in Zeiten selbstfahrender Autos kann die Innenbeleuchtung neben Komfort- auch zunehmend sicherheitsrelevante Aufgaben ausführen. »Dazu kommt es nicht nur auf die elektrische Integration, sondern auch auf die Integration von Licht in den mechanischen Teilen an, unter beengten Platzbedingungen«, so Michael Bender. Für diese Anforderungen will Melexis ISELED zum robusten „In-Vehicle Light Network“ (IVLN) ausbauen und unter anderem auf das Sicherheitsniveau von ASIL A/B bringen.

Von nichts Geringerem als der „Demokratisierung des Lichts“ spricht Frank Hallitschke, für Engineering & Innovation bei Magna/OLSA zuständig. Halbleiterhersteller wie NXP und Microchip sind der ISELED Alliance genauso beigetreten wie Tier-1- und Tier-2-Hersteller, sodass nun ein interessantes Ökosystem entstanden ist und sich weiterentwickelt. Die Systemhersteller müssen sich nun nicht mehr um Kalibrierungsfragen kümmern, sondern können sich auf ihr Kern-Know-how rund um das Design von Licht-Szenarios konzentrieren.

Zwei Prototypen demonstriert Magna/OLSA auf dem Stand von Inova, darunter einen Sensorknoten zur Gestenerkennung, der seinen Status über Lichtsignale anzeigt. Ähnlich sieht es auch Markus Klein. Er setzt auf „Human-Centric Lighting“ und will die vielen Erfahrungen aus dem General Lighting jetzt ins Auto bringen. Dagegen sprachen bisher das Binning, also die Auslese der LEDs nach Qualitätsklassen, die die Anwender zwang, Worst-Case-Annahmen zu treffen und das komplexe Verhalten der Halbleiter-LEDs über Zeit und Temperatur in der Ansteuerung zu berücksichtigen. Mit der digitalen RGB-LED ist das überflüssig, auch seiner Meinung nach hat ISELED das Potenzial, sich zur Plattform für die Integration nicht nur des Lichts, sondern auch der Sensoren und Aktoren zu etablieren. »Wir entwickeln intelligente und einfach einzusetzende Systeme auf Basis von ISELED«, so das Fazit von Markus Klein.

Wie sich mithilfe von Entwicklungs-Tools und Demo-Boards die ISELED-Entwicklung vereinfachen lässt, zeigt jetzt auch Microchip, die kürzlich der ISELD Alliance beigetreten ist. Auf der electronica 2016 hatte Inova Semiconductors die ISELED-Technik vorgestellt, deren Herz ein kleiner Controller im RGB-LED-Gehäuse bildet und die LED „digital“ macht. Um die Technik hat Inova die ISELED Alliance aus Firmen gebildet, die das komplette Ökosystem rund um die ISELED-Technik abbilden. So sollte die Funktionalität der LEDs im Auto stark erweitert werden. Zwei Jahre später, zur electronica 2018, stehen bereits Controller und Entwicklungskits zur Verfügung; IC- und LED- Hersteller sowie Tier-1- und Tier-2-Lieferanten unterstützen die Technik.


Inova Semiconductors, Halle B4, Stand 301

Melexis, Halle C6, Stand 109; Halle B4, Stand 542

Microchip, Halle C3, Stand 421 NXP, Halle C6, Stand 400/401

Osram Opto Semiconductors, Halle B4.155