Bosch Connected World 2018 „In verrückte Innovationen investieren“

Wenn der Bosch-Vorsitzende Volkmar Denner (links) zur Connected World einlädt, kommt auch der Daimler-Boss Dieter Zetsche (rechts) gern für einen Abstecher nach Berlin.

Großer Andrang, große Namen: Boschs Einladung zum „Zukunfts- und IoT-Branchentreff Connected World“ folgten über 4000 Teilnehmer und zahlreiche prominente Referenten. Viele der in Berlin vorgestellten Lösungen gab es allerdings auch schon anderswo zu sehen.

Zum Auftakt der IoT-Konferenz chauffierte Daimler-Chef Dieter Zetsche höchstpersönlich den Vorsitzenden der Bosch-Geschäftsführung, Volkmar Denner, von Kameras begleitet zum Veranstaltungsort. Dort sollte die S-Klasse-Limousine eigentlich selbstständig ihren Parkplatz suchen, doch der Wagen blieb einfach stehen. Statt der Live-Übertragung gab es im Saal dann nur die Bilder eines zuvor aufgezeichneten erfolgreichen Parkmanövers zu sehen. Das hatte bei der Premiere dieser Technik noch besser geklappt: Bereits im Juli 2017 präsentierten Bosch und Daimler das fahrerlose Parken (Automated Valet Parking) im Parkhaus des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart.

Neuer Geschäftsbereich bei Bosch

Wirklich neu bei Bosch ist dagegen der frisch gegründete Geschäftsbereich Connected Mobility Solutions. Dort entwickeln und vertreiben mehr als 600 Mitarbeiter künftig digitale Mobilitätsdienstleistungen. Dazu gehören Sharing-Angebote, Mitfahrservices und auf Vernetzung basierende Service-Angebote für Autofahrer. Passend dazu hat Bosch das US-Startup Splitting Fares (SPLT) übernommen, das eine Plattform entwickelt hat, mit der Unternehmen, Universitäten oder Stadtverwaltungen Fahrgemeinschaften für ihre Mitarbeiter organisieren können. Mit diesem B2B-Ansatz werden gezielt Pendler angesprochen. Konkret soll SPLT via App Menschen zusammenbringen, die den Weg zum gleichen Arbeits- oder Studienort gemeinsam zurücklegen wollen.

In seiner Keynote stellte Denner zudem die „System!e“-Plattform vor. Diese vernetzt den Elektroantrieb mit der Cloud und ermöglicht so beispielsweise eine verbesserte Reichweitenprognose. Ein Algorithmus berücksichtigt Fahrzeugdaten wie den aktuellen Batterieladestand, Energieverbrauch für Heizung oder Klimaanlage sowie Fahrstil des Fahrers und Informationen aus der Umgebung. Dazu zählen topografische Daten der vorausliegenden Strecke und die aktuelle Verkehrssituation. Ähnliche Systeme sind allerdings auch von anderen Zulieferern zu haben.

Zehn Jahre alte Innovationen?

Frank Appel, CEO von Deutsche Post DHL, brachte zu seiner Keynote sogar eigens ein Fahrzeug auf die Bühne: Der speziell für die Bedürfnisse der Post entwickelte StreetScooter soll mit seinem Elektroantrieb mit dazu beitragen, ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen. Bis zum Jahr 2025 will Appel den CO2-Ausstoß in seinem Unternehmen im Vergleich zu 2007 um 50 % verringern. Der Miterfinder des StreetScooters, Prof. Günther Schuh, konnte sich in seinem Vortrag einen kleinen Seitenhieb dazu nicht verkneifen: „Ich bin etwas überrascht, dass unser bereits vor zehn Jahren entwickelter StreetScooter auf der diesjährigen Connected World als Innovation vorgestellt wird.“ Aktuell beschäftigt sich Schuh insbesondere mit dem elektrischen Kompaktfahrzeug e.Go Life, das zu Preisen ab rund 16.000 Euro vorbestellbar ist.

Neben der (vernetzten) Elektromobilität ging es in vielen Vorträgen auch um das automatisierte Fahren. Bosch selbst präsentierte dazu einige der Neuheiten, die das Unternehmen bereits im Juli 2017 während der Bosch Mobility Experience auf der Boxberg-Prüfstrecke gezeigt hatte. Dazu gehörte etwa ein Notbremsassistent, der einen querenden Radfahrer sogar im dichten Nebel rechtzeitig erkennt. Immerhin gab es in Berlin eine neue Generation von Kamera- und Radarsystemen mit verbesserter Auflösung und höherer Detailschärfe zu sehen. Als Schlüsseltechnologie für autonomes Fahren gilt allerdings das auf einem Laserscanner basierende Lidar-Verfahren – doch dieses Zukunftsthema wurde noch nicht einmal erwähnt.