Kommentare der Leser Elektromobilität – aber ohne Subventionen der OEMs

Subventionen nur für Innovationen - also nicht an die OEMs

Herbert Sax:

»Unisono fordern die Europäischen Autohersteller Subventionen zur Unterstützung der Elektroautoentwicklung. Bewusst vergessen sie dabei, dass ein komplettes Elektroauto außer der Batterie als Knackpunkt, aus Komponenten besteht, die schon seit vielen Jahren etabliert und Stand der Technik sind.

Elektromotor, ob Synchron- oder Asynchron-Maschine, und die dazugehörige Leistungselektronik sind längst verfügbar und im Bereich industrieller Antriebstechnik Standardprodukte, nach Katalog bestellbar. Alle anderen Autokomponenten, die auf der 12-V-Ebene arbeiten, können ohne wesentliche Modifikation aus dem reichhaltigen Komponenten-Fundus der zahlreichen Zulieferer verwendet werden. Der Entwicklungsaufwand ist nicht höher, als der für eine neue PKW-Plattform.

Bei der Batterie als Knackpunkt sieht es allerdings anders aus. Hier haben die Autohersteller entschieden, sich nicht in das heiße Thema „Elektrochemie“ einzuklinken, sondern überlassen dies ihren Zulieferern als Vertragspartner, die das notwendige Know-how haben. Ziel der Autohersteller ist es, sich maximal auf die Zellenkonfiguration der Batterie zu beschränken, um sie als OEM-Produkt an den verfügbaren Einbauraum im E-Fahrzeug anzupassen.

Wohin sollen also die Subventionsgelder bei den Autoherstellern fließen? Subventionen sind nach allgemeinem Verständnis nur dann sinnvoll, wenn sie mit Innovation verbunden sind, quasi als Anschubfinanzierung zum selbstständigen Fahren ohne Fremdhilfe. Bei den etablierten Autoherstellern ist bei der Entwicklung eines Elektroautos aber kein Bereich zu sehen, der Entwicklungssubventionen rechtfertigen könnte, denn außer der Batterie ist schon alles da und Entwicklungsplanung und Zusammenbau ist die ureigenste Aufgabe der Autohersteller, die in den Verkauf der Autos bereits eingepreist ist. Subventionsgelder würden daher in den allgemeinen Entwicklungstopf geworfen und wie viele andere gut gemeinte Finanzhilfen still und leise ohne positive Auswirkungen versickern.

Wenden wir uns nun dem Knackpunkt der Elektromobilität zu, der Batterie. Zweifelsfrei wurde durch den Hybrid- und E-Auto-Hype in der Presse hohe Erwartungen geweckt und bei Batterieherstellern technologisch auch viel erreicht, dank Laptop und Smart-Phone. Die Entwicklung ist viel versprechend, aber erst am Anfang, misst man den derzeitigen Batterie-Entwicklungsstand an den Anforderungen, die ein Elektroauto für die Konsumenten wirklich attraktiv machen würde.

Ja, es gibt bereits Elektroautos - aber zu welchem Preis und mit welcher Reichweite? Ist der Preis gerade noch tragbar, ist die Reichweite ein Witz. Erzielt man eine akzeptable Reichweite im Stadtverkehr, ist der Stromer kaum noch bezahlbar und bleibt ein nettes Spielzeug für begüterte Liebhaber mit grünem Punkt auf der Stirn. Überlandfahrten mit Distanzen bis zu 500 km bleiben absehbar ein Traum - wobei kaum eine Steckdose zu finden wäre, die den Saft liefert, mit der man soviel Reichweite nachtanken könnte wie ein Kleinwagen in 2 Minuten an einer beliebigen Tanke.

Derzeit kostet 1-kWh-Akku-Speicher noch etwa 1000 Euro mit der mittelfristigen Tendenz zu 600 Euro. Bereits für knapp 100 km realistischer Fahrdistanz benötigt man eine Batterie von etwa 20 kWh Speicherkapazität, die zudem ein Schwergewicht ist. An Lösungen für 500 km Reichweite ist daher noch gar nicht zu denken.

Das Elektroauto kommt! Es ist nicht die Frage ob, sondern wann. Hier streiten sich noch die Geister. Wir dürfen hierbei nicht vergessen, dass auch die mit konventionellem Kraftstoff betankbaren Fahrzeuge im Verbrauch in den letzten Jahren große Fortschritte machten und noch viel Potential aufweisen, das mit erheblichen Anstrengungen gerade erschlossen wird. Je mehr hier bei bezahlbarer Technologie zu erreichen ist, je höher werden auch die Ansprüche an technisch und preislich wettbewerbsfähige Elektroautos.

Zurück zu den Subventionen. Wo ist es also sinnvoll, wertvolle Subventionsmittel zu investieren? Bei den Autoherstellern sicher nicht, obwohl die das Geld gerne nehmen würden. E-Autos sind im Prinzip weniger komplex als Fahrzeuge mit innovativen, verbrauchsarmen Verbrennungsmotoren. Es muss daher dort investiert werden, wo das eigentliche Problem liegt, also im Bereich der Batterie und ihrer komplexen Elektrochemie. Der Stand der Technik der derzeitigen Batterietechnologie hat noch unglaublich viel Forschungsbedarf bis sich ein E-Auto mit der technischen Performance eines 7000 Euro Kleinwagens wirklich messen kann. Daher sind Zeitperspektiven, die in Dekaden gemessen werden, nicht unrealistisch. Unser Land wäre gut beraten, in diesem Bereich konzertiert und konzentriert zu forschen, wobei wir hier nicht kleckern dürfen sondern klotzen müssen, wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit als Auto-Nation zukünftig erhalten wollen. Dass sich die Autohersteller hier mit einbringen müssen, ist selbstverständlich.

Geht es um, letztlich vom Steuerzahler aufzubringende Subventionen für E-Autos, dürfen wir nicht den gleichen Fehler machen wie bei der ausufernden Subvention der Fotovoltaik für unsere Elektroenergie-Versorgung. Hier hat unsere Regierung seit dem Jahre 2000 über 50 Milliarden Euro von den Bürgern zwangseingesammelt. Der Gegenwert, den wir dafür bekamen, deckt nicht einmal 2 Prozent unseres Energieverbrauchs. Fürwahr ein sehr schlechtes Geschäft.«