Selbstmörderisch zurückhaltend Einige Automobilgiganten werden bald untergehen

Die DRAM-Preise werden im vierten Quartal voraussichtlich fallen.
Neue Strategien sind notwendig, damit die Giganten von heute auch morgen noch existieren.

Die großen Automobilhersteller gehen unter, weil sie die falsche Strategie verfolgen. Und zwar nicht, weil sie mal auf das falsche Modell setzen. Davon sind zumindest die Analysten von IDTechEx Research überzeugt.

Die Automobilhersteller müssten sich laut IDTechEx heute mit vollkommen neuen Technologien, neuen Märkten und Rezessionen auseinandersetzen – also sei es notwendig, dass sich die OEMs neu erfinden. Dass dies funktionieren könne, zeigen Beispiele aus anderen Branchen. Einige große Unternehmen hätten den notwendigen Wandel erfolgreich vollzogen. Dazu zählen die Analysten von IDTechEx IBM, der vom ehemaligen Computer-Hersteller zum Service- und Systemanbieter geworden ist.

Genau damit täten sich die Automobilhersteller aus Sicht der Analysten schwer. Statt zu handeln, verhielten sie sich selbstmörderisch zurückhaltend. Sie würden sich reinen Elektrofahrzeugen verweigern und hoffen, dass sie mit der 48-V-Technik Zeit gewinnen, das gelte besonders häufig für OEMs mit Dieselfahrzeugen. Und dass man mit der falschen Strategie untergehen kann, belegen die Analysten anhand des Beispiels »Jaguar Land Rover«. Dieses Unternehmen sei von einem der einst profitabelsten Autokonzerne der Welt zu einem Unternehmen mutiert, das inzwischen Milliarden Dollar Verluste schreibt, weil es versuchte, hauptsächlich Dieselmotoren in seinem gesamten Sortiment zu verkaufen. Die Analysten teilen aber auch jenen schlechte Noten aus, die versuchen sowohl auf batteriebetriebene als auch auf Brennstoffzellen-basierte E-Autos zu setzen. Denn diese OEMs würden im Vergleich zu mehr fokussierten Unternehmen schlussendlich zu wenig in die Batterie-Fahrzeuge investieren.

Dazu kommen aber noch ganz andere Probleme wie beispielsweise die Tatsache, dass immer weniger junge Menschen einen Führerschein machen, oder dass immer mehr Leute in Städten ihr Geld in die Miete und nicht ins Auto stecken. Tatsächlich haben das Vereinigte Königreich und ein Großteil Europas bereits die Höchstmarke an Fahrzeugen erreicht. 2018 hat die britische Regierung eine Studie durchgeführt, die ergab, dass weniger als ein Drittel der 17-20-Jährigen einen Führerschein besitzt. In den frühen 90er-Jahren war es noch fast die Hälfte.

Außerdem geht die Autonutzung ganz allgemein deutlich nach unten, nicht weil öffentliche Verkehrsmittel stärker genutzt werden, sondern eher weil sich die Beschäftigungsverhältnisse ändern, plus der Tatsache, dass immer stärker auf Smartphones und Computer zurückgegriffen wird. Hinzu käme noch, dass die Fahrprüfung schwieriger wird, die Kosten für das Autofahren steigen, und immer mehr junge Menschen länger als früher bei ihren Eltern leben. Und zu guter Letzt belastet auch der Handelskrieg zwischen USA und China die Automobilhersteller.

Die Hersteller, die also in erster Linie Autos produzieren, sollten alarmiert aber nicht überrascht sein. Denn: Sowohl RethinkX als auch Barclays Research hatten bereits prognostiziert, dass irgendwann um 2022 weltweit der Höchststand von Fahrzeugen erreicht sein wird. Die Analysten bestätigen diese Annahme nochmals, auch wenn sie teilweise neue Gründe dafür verantwortlich machen.

Aus der Sicht von IDTechEx hätten die Investoren bereits reagiert, auch wenn verspätet, und Autofirmen um 100 Mrd. Dollar abgewertet. Besonders betroffen seien diejenigen, die zu spät in Roboterfahrzeuge und reine Elektrofahrzeuge einsteigen.

Die Analysten bemängeln, dass kein traditioneller Automobilhersteller sich schnell genug auf neue Aktivitäten konzentriert. Das sei ein Problem, denn keiner der aufstrebenden EV-Sektoren sei groß genug, um den riesigen Automobilmarkt ersetzen zu können. Also fordern die Analysten: die Automobilhersteller müssen sich auf unterschiedliche Bereiche konzentrieren und hier eine führende Position einnehmen. Dazu zählen sie Segmente wie Elektroflugzeuge, Busse und Lastwagen, energieautarke Boote, Solarbetriebene Agrarroboter, unbemannter Bergbau oder Mobilität für Behinderte einschließlich Exoskelette. Ein weiteres Beispiel seien elektrifizierte Baufahrzeuge.

Die Automobilhersteller hätten auch die Möglichkeit, sich über entsprechende Akquisitionen neu zu positionieren. Dass das funktioniert, belegt aus der Sicht der Analysten der Dieselhersteller Cummins, der sich mithilfe von diversen Übernahmen im Bereich elektrischer Komponenten gerade neu erfinden würde. Im Gegensatz dazu stünden andere Autohersteller, die unter der falschen Prämisse fusionieren, weil sie glaubten, »dass zwei Truthähne einen Adler ausmachen«.

Es reiche auch nicht aus, eine luxuriösere Variante eines Teslas mit geringerer Reichweite zu bauen, das sehe man derzeit zwar jeden Monat, das sei aber eine Todgeburt.

Die Analysten fordern also ein Umdenken in der Strategie, sonst ist das Überleben selbst von heutigen Giganten ungewiss.