Automotive SerDes Alliance Ein neuer Standard für die Automobilindustrie

Eine neue Allianz aus OEMs und Zulieferern setzt sich für die Standardisierung von SerDes-Verbindungen im Auto ein. Bislang sind für den häufig zur Sensoranbindung genutzten Link nur proprietäre Lösungen verfügbar.

In Fahrzeugen werden Kameras und Displays oft über eine SerDes-Verbindung (Serialisierer/Deserialisierer) an das bildverarbeitende Steuergerät angebunden. Bislang stehen dafür nur verschiedene proprietäre Lösungen zur Verfügung, die untereinander nicht kompatibel sind. Nun soll SerDes für Automotive-Anwendungen mit Hilfe der u.a. von BMW und Continental gegründeten Automotive SerDes Alliance (ASA) standardisiert werden.

»Wir wollen damit eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten schaffen, indem wir die Grundlage für ein umfassendes Ökosystem schaffen und die verfügbare Produktpalette deutlich vergrößern«, betont Kirsten Matheus (BMW), die in der Allianz die technische Arbeitsgruppe leitet, gegenüber Markt&Technik. Stefan Brunner (Continental), Vorsitzender des Steering Committee, ergänzt: »Die ASA wurde ins Leben gerufen, um über die Standardisierung echten Wettbewerb erst möglich zu machen.«

Offizieller Startschuss war ein Kick-off-Meeting im Mai in Salt Lake City, an dem neben BWM und Continental auch Broadcom, Fraunhofer IIS, Marvell und NXP als Gründungsmitglieder teilgenommen haben. Inzwischen sind auch Hyundai, Gebauer & Griller, Sony, JAE, Rosenberger, TE sowie das Forschungs- und Transferzentrum der Hochschule Zwickau (FTZ) dazugestoßen. Nach Auskunft von Matheus und Brunner haben weitere Firmen – auch große OEMs – bereits ihre Absicht bekundet, der Allianz beizutreten, befinden sich aber noch in der rechtlichen Prüfung, weswegen eine explizite Nennung der Namen noch nicht möglich ist. Insgesamt seien die Reaktionen aus der Branche sehr positiv, berichtet Matheus. So hätten in einer Umfrage unter 28 OEMs und Tier-Ones fast 90 Prozent grundsätzliches oder sogar großes Interesse an einer SerDes-Standardisierung gezeigt.  

Gerade bei BMW hat man sich schon länger Gedanken zu diesem Thema gemacht, erste Diskussionen fanden bereits 2012 statt. Ausschlaggebend für die Initiierung der ASA-Aktivitäten war der Wechsel von kompletten SerDes-Systemen eines Anbieters etwa für eine Surround-View-Lösung hin zu einer freien Kombination von Steuergeräten unterschiedlicher Hersteller. »Dafür muss man als OEM dann auch die Kommunikationstechnik zwischen den Steuergeräten festlegen, was bei einem fehlenden Standard zu Problemen bei Auswahl und Interoperabilität der Komponenten führt«, so Matheus.

Während Matheus, die maßgeblich an der Einführung von Automotive Ethernet beteiligt war, sonst auf eine starke Vereinheitlichung des Fahrzeugnetzwerks zugunsten von Ethernet drängt, setzt sie bei SerDes-Verbindungen auf einen eigenen Standard: »Ethernet ist eine Vernetzungstechnik mit umfangreichen Funktionen. Typische SerDes-Anwendungen sind jedoch Sensoranbindungen in Form von reinen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen als asymmetrischer Link – dafür braucht man beispielsweise keine große Datenrate auf dem Rückkanal und entsprechend auch keine Echo-Unterdrückung. Grundsätzlich sehe ich SerDes in der gleichen Kategorie wie klassische Sensoranbindungstechniken wie z.B. PSI 5 und SENT.« Für einen solchen Einsatzzweck sei Ethernet heute noch überdimensioniert, auch in puncto Kosten und Stromverbrauch.