Roland Berger Strategy Consultants E-Mobilität: Mittel- und Osteuropa (CEE) weit hinter Westeuropa zurück

Roland Berger kommt bei seiner Studie über die E-Mobilität-Aktivitäten in acht Ländern Mittel- und Osteuropas zu dem nicht sonderlich überraschenden Ergebnis, dass die untersuchten Regionen hinter Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Dänemark weit hinterherhinken.

Roland Berger hat für seine Studie die Länder Österreich, Tschechien, Polen, Rumänien, Ungarn, Slowenien, Slowakei und Kroatien untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass Mittel- und Osteuropa liegen bei der Elektromobilität weit hinter Westeuropa zurück. „In den vergangenen Jahren waren äußerst interessante Initiativen zur Entwicklung der Elektromobilität in den CEE-Ländern zu beobachten. Dennoch ist weiterhin viel Spielraum für Verbesserungen vorhanden", sagt Roland Zsilinszky, Automobilexperte von Roland Berger in Prag. "Um die Elektromobilität in der Region voranzutreiben, müssen alle wichtigen Interessengruppen, von den Energieversorgern über die Autobauer bis hin zu den Regierungen, von den vorbildlichen Ansätzen in anderen Ländern lernen und eng zusammenarbeiten", erklärt Alexander Kainer, Energieexperte bei Roland Berger in Wien.

Österreich belegt mit 600 zugelassenen Elektrofahrzeugen den ersten Platz in Mittel- und Osteuropa. Die großen Energiekonzerne des Landes beteiligen sich hier an Pilotprojekten in fünf Modellregionen; die österreichische Regierung stellt finanzielle Unterstützung bereit. Die anderen Länder sind beim Thema Elektroautos weit abgeschlagen. Die zweitplatzierten Tschechien und Polen verfügen nur über kleinere Pilotprojekte mit weniger als 100 Fahrzeugen. "Österreich strebt bis 2020 die Zulassung von 250.000 Elektrofahrzeugen an und subventioniert den Kauf eines Elektrofahrzeugs mit bis zu 5.000 Euro", sagt Jan Sklenar, Automobilexperte von Roland Berger in Prag. "In Tschechien und Polen gibt es keine vergleichbaren Initiativen." So werden die übrigen Länder Mittel- und Osteuropas in der Studie als "Nachzügler" (Rumänien, Ungarn, Slowenien, Slowakei) oder "Schlusslichter" (Kroatien) klassifiziert. Elektromobilität spielt hier bei Stromversorgern und Autoherstellern bislang kaum eine Rolle.

In Österreich, Tschechien und Polen ist das Interesse an der Elektromobilität bei Energieversorgern und Autobauern stark, in den übrigen Ländern eher verhalten. "Der Energiekonzern CEZ in Tschechien zeigt, wie man E-Mobilität mit Pilotprojekten und Infrastrukturausbau vorantreiben kann", erklärt Zsilinszky. Pilotprojekte im Bereich der E-Mobilität sollen vor allem Know-how generieren; dafür müssten aber Versorgungsinfrastruktur und Geschäftsmodelle auf den Prüfstand gestellt werden, so die Autoren der Studie.

Vor allem in der Anfangsphase eines E-Mobilitätsprogramms ist außerdem eine umfassende staatliche Förderung von entscheidender Bedeutung. Denn ohne staatliche oder kommunale Subventionen kann die Entwicklung der elektrischen Antriebe nicht so schnell vorangetrieben werden wie in anderen Märkten. "Um die E-Mobilität in Fahrt zu bringen, sollten die zuständigen staatlichen Stellen nach dem Vorbild Österreichs spezielle Fachgremien bilden, Strategien erstellen und konkrete Maßnahmen definieren", sagt Kainer.

Engagement lohnt sich, denn es wird davon ausgegangen, dass die E-Mobilität in Zukunft in Mittel- und Osteuropa eine ebenso wichtige Rolle spielen wird wie in Westeuropa. Prognosen zufolge wird 2025 ein Viertel aller verkauften Neufahrzeuge in der CEE-Region mit einem Elektroantrieb ausgestattet sein. Das sind mehr als 640.000 Neuzulassungen jährlich. Zwar hat die E-Mobilität in den CEE-Ländern bereits Einzug gehalten, der Boom dürfte aber frühestens 2015 einsetzen, prognostizieren die Roland Berger-Experten. Bis dahin wird die Massenproduktion von Elektrofahrzeugen angelaufen sein und die Zahl der Nutzer von Elektroautos voraussichtlich steigen, anfangs vor allem im B2B-Segment. Das Privatkundengeschäft dürfte erst ab 2020 wachsen, wenn die Fertigungskosten für Elektrofahrzeuge, Batterien und Zubehör gesunken sind.